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Ringer-Weltmeister Stäbler

Die Erntezeit beginnt

Von Daniel Meuren, Dortmund
Aktualisiert am 21.08.2018
 - 10:21
Die Rippe schmerzt: Weltmeister Frank Stäbler hat aus Vorsicht aufs Finale des Grand Prix verzichtetzur Bildergalerie
Frank Stäbler muss seine Übungsstätte in einem alten Kuhstall räumen und erlebt einen Schock im Training – für die Ringer-WM fühlt sich der Titelverteidiger gewappnet.

Am Finaltag des Grand Prix saß Frank Stäbler auf der Tribüne der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle. Endkämpfe schauen, ohne selbst mitzuwirken, ist eigentlich nichts, was der einzige aktive deutsche Weltmeister im Ringen besonders schätzt. Dennoch schäkerte er gelassen mit seiner dreieinhalb Monate alten Tochter Alia Marie und seiner Frau Sandra herum, verfolgte bester Laune die Kämpfe seiner Nationalmannschaftskameraden und den Siegeszug seines iranischen Trainingspartners Mohammad Papi in der 63-Kilogramm-Klasse.

Denn für Stäbler war es auch ohne den fast obligatorischen Sieg beim einzigen bedeutsamen internationalen Ringerturnier auf deutschem Boden ein gutes Wochenende. Er blieb nämlich unbesiegt in seiner 72-Kilogramm-Klasse. Im Viertelfinale drehte er in unnachahmlicher Manier einen fast verlorenen Kampf gegen den bärenstarken U-23-Weltmeister Pavel Liakh aus Weißrussland dank zweier später Aktionen noch zu einem 12:10-Punktsieg – und verzichtete nur als Vorsichtsmaßnahme auf den Finalkampf gegen den Finnen Toni Ojala.

„Natürlich hätte ich lieber gekämpft, gerade auch für die Zuschauer hier in Deutschland tut es mir leid“, sagte Stäbler. „Aber mit Blick auf die WM musste ich so entscheiden.“ Die Stäbler-Fans unter den wenigen Zuschauern auf den Rängen freuten sich über die unverhoffte Chance auf Fotos und Autogramme und zeigten Verständnis für den Verzicht.

Angst vor einem Herzinfarkt

In einem Trainingslager in Litauen erlebte Stäbler vor zwei Wochen einen Schock. Nach einem kleinen Trainingsunfall befürchteten die anwesenden Ärzte wegen stechender Schmerzen im Brustbereich einen Herzinfarkt. Erst nach Untersuchungen in einer Klinik vor Ort konnte der ausgeschlossen werden. Zwei Rippen verursachten die Beschwerden, als sie aus ihrer vorgesehenen Position verschoben worden waren und Nervenbahnen einquetschten.

Geblieben waren bis zum Wettkampf in Dortmund latente Beschwerden, die unter der Belastung eines Tages mit vier Kämpfen zunehmend schlimmer wurden. Nach dem Halbfinalsieg gegen den Ungarn Robert Fritsch, in dem Stäbler trotz Schmerzen mit all seiner Routine dominierte und vor allem die für die Rippen schonend den Bodenkampf vermied, entschieden Stäbler und sein Betreuerteam deshalb, auf den letzten Kampf zu verzichten. „Auf dem Weg zur WM war es wichtig, die Belastung und Kampferfahrung mitzunehmen. Leider waren die Schmerzen an der Rippe nach dem Halbfinale doch wieder so stark, dass wir im Hinblick auf die WM Ende Oktober nichts riskieren wollten“, sagte Stäbler.

Er hat in seiner Vorbereitung auf die Titelverteidigung in Budapest ohnehin schon genug Schwierigkeiten: Aufgrund eines grotesk anmutenden Streits um die Hallennutzung mit seinem Heimatverein TSV Musberg musste er wochenlang im zu einer Lagerhalle umgebauten ehemaligen Kuhstall auf dem heimischen Bauernhof seines Vaters trainieren. Mittlerweile musste Stäblers Trainingsmatte auch dort weichen: „Die Getreideernte stand an, deshalb bin ich auch aus dem alten Kuhstall geflogen, weil mein Vater den Lagerraum brauchte.“ Das Stadtoberhaupt der Gemeinde Leinfelden-Echterdingen sprach immerhin ein Machtwort und räumte dem berühmtesten Sportler des Ortes zumindest bis nach der WM ein freies Nutzungsrecht für die Halle ein.

Doch Stäbler hat reichlich Erfahrung im Umgang mit Unvorhergesehenem: Gemeinsam mit seinem Trainer Andreas Stäbler, auch aus Musberg, aber nicht verwandt, hat er sich in den zurückliegenden Jahren angeeignet, aus Rückschlägen stets das möglichst Positive herauszuziehen. Auch diese Herangehensweise hat Stäbler zur Mentalität eines Champions verholfen, der sich auf der Matte wie gegen Liakh aus scheinbar aussichtslosen Situationen befreien zu können und im mentalen Tunnel durch Turniere durchkämpfen zu können wie im vergangenen Jahr bei seinem äußerst dominanten Siegeszug bei der WM.

Neue Wiegeregularien

Der Wettbewerb in Dortmund sollte für Stäbler nun wie für alle anderen Deutschen auch ein WM-Testlauf werden: Der internationale Ringerverband hat abermals die Wiege-Regularien verändert. Für Stäbler, der für sein großes Karriereziel bei Olympia in Tokio in zwei Jahren zum Wettkampftag hin acht Kilogramm Gewicht für das dann nötige Limit von 67 Kilogramm abbauen muss, hat das gravierende Folgen: Bei der WM wird erstmals am Morgen des Wettkampftages gewogen, zudem findet das Finale anders als bisher erst am Tag darauf und nach abermaligem Wiegetermin statt. Das verlangt den Sportlern noch mehr Opferbereitschaft und Disziplin beim Gewichtmachen ab.

Ringen im Selbstversuch
Am Boden und in der Luft
© Wonge Bergmann, FAZ.NET

In Dortmund bekam Stäbler wegen des Verzichts auf das Finale nun keinen Vorgeschmack auf den neuen Modus. Stattdessen konnte er sich am Sonntag von der Spitzenform seines in den vergangenen Jahren ähnlich erfolgreichen Mannschaftskameraden Denis Kudla überzeugen: Der Olympia-Dritte und WM-Zweite hat sich in der dichtbesetzten Weltspitze seiner 87-Kilogramm-Klasse souverän zu seinem ersten Sieg beim Heim-Grand-Prix durchgerungen.

Für Stäbler sind die zunehmenden Erfolge der in der Breite in Dortmund erfreulich gut aufgetretenen deutschen Greco-Ringer erfreulich, weil er als Kapitän des deutschen Teams auch vom Geist seiner Mannschaftskameraden lebt. Schon vor Jahren hat er mit Trainer Michael Carl, Sportdirektor Jannis Zamanduridis und seinen Trainingskameraden deshalb den Slogan „Goldene Generation“ als Motto für die anders als die deutschen Freistilringer international voll wettbewerbsfähige Mannschaft ausgegeben. Stäbler ist der Frontmann, der mit seinen Erfolgen die anderen mitgezogen hat und nun von derer Ehrgeiz der nachfolgenden Medaillengewinner wie Kudla oder Pascal Eisele profitiert.

In der laufenden Woche sieht er die Teamgefährten nun zur Genüge. In Saarbrücken arbeiten die deutschen Ringer weiter an ihrer Form. Eine Woche mehr, in der Stäbler auch ohne die Unruhe rund um seine Trainingsstätten an seiner Fitness arbeiten kann.

„Abkochen“ mit Ringer Stäbler
Der Kampf vor dem Kampf
Quelle: F.A.Z.
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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