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Ringer-Weltmeister Stäbler

Eine Bilanz wie Mayweather

Von Daniel Meuren
 - 18:35
Seit Jahren ungeschlagen: Deutschlands Vorzeigeringer Frank Stäbler freut sich über 50 gewonnene Kämpfe in Serie. Bild: dpa

Bei Floyd Mayweather hat vor gut einem Jahr die ganze Welt darüber geredet, als der Boxer 50 Kämpfe in Serie gewonnen hatte. Also meint Frank Stäbler, dass er seine Siegesserie nach der bislang letzten Niederlage im Jerbst 2016 auch ruhig in die Welt des Ringens hinaustragen könne. „Ich habe kürzlich den Hinweis bekommen, dass ich eine solche Zahl erreichen kann. Ich war jetzt nicht darauf fixiert, weil ich immer nur an den nächsten Kampf und die nächste Herausforderung denken will. Aber ein bisschen stolz darf ich schon auf eine solche nicht alltägliche Leistung sein“, sagt der beste und erfolgreichste deutsche Ringer des vergangenen Vierteljahrhunderts. Im deutschen Ringen gibt es keine zuverlässige Statistik, bei der sich Stäbler rückversichern könnte.

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Aber all seine Quellen, die er in den vergangenen Wochen befragt habe, seien sicher, dass nicht mal der „Kran von Schifferstadt“ Wilfried Dietrich oder eine andere deutsche Ringerlegende eine solche Siegesserie erreicht haben. Beim Finalhinkampf um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft gewann der 29 Jahre alte Schwabe für seinen Klub Red Devils Heilbronn gegen Wacker Burghausen nun nach elf WM-Kämpfen, neun Duellen auf internationalen Turnieren, sechs Begegnungen bei deutschen Meisterschaften und 23 Bundesligakämpfen auch gegen Matthias Maasch mit 4:0 Punkten.

Gegen die dichteste Konkurrenz

Der Gegner passte, weil er seinen ringerischen „Bruder“ auf der Matte bezwingen musste. Stäbler und Maasch sind seit Ewigkeiten Trainingspartner und sind so eng befreundet, dass der Weltmeister dem drei Jahre älteren Konkurrenten immer einen großen Anteil an seinen Erfolgen zugesprochen hat. „So ungern ich gegen meinen Freund auf die Matte gehe, so schön ist es natürlich, dass er Teil dieses Jubiläums war“, sagt Stäbler. Der Geschlagene, der mit der knappen Niederlage mit nur zwei von möglichen vier Mannschaftspunkten immerhin seinen Teil dazu beitrug, dass sein Heimatklub Burghausen dank eines 14:13-Hinkamfsieges vor bei 1500 Zuschauern ausverkaufter Heilbronner Halle eine gute Ausgangsposition für die Verteidigung des Meistertitels im Rückkampf in eigener Halle besitzt, ist derweil voll des Lobes über seinen Bezwinger.

„Abkochen“ mit Ringer Stäbler
Der Kampf vor dem Kampf

„Dass Frank in der Bundesliga keinen Kampf verliert, das ist ja noch verstehbar und spricht vor allem für seine Fähigkeit, sich für jeden Kampf zu motivieren, selbst wenn es mal nicht so wichtig ist“, sagt Maasch. „Aber für seine Performance bei den drei Weltmeisterschaften fehlen die Superlative, um das zu beschreiben.“ In der höchsten Gewichtsklasse bis 130 Kilogramm oder bei den ganz leichten Ringern sei eine solche Dominanz durchaus mal üblich, da es naturgemäß weniger Konkurrenz gebe. „Aber Frank zieht sein Ding in dem Gewichtsbereich durch, in dem es die meisten Weltklasseringer gibt“, sagt Maasch. Umso bewundernswerter seien die Erfolge in den Gewichtsklassen bis 66 und 71 Kilogramm.

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Eine Komponente unterscheidet Stäblers Siegesserie freilich von Mayweather. „Wenn ich für alle meine 50 Kämpfe die Börse von einem seiner Kämpfe bekommen würde, hätte ich ein sehr gutes Geschäft gemacht“, sagt er. Mayweather erhielt gegen Ende seiner Karriere regelmäßig zweistellige Millionenbeträge für die Auftritte im Ring. Stäbler hingegen bezeichnet sich mit feiner Ironie gerne als „inneren Millionär“. Sein Sport gebe ihm viel mehr, als es mögliche höhere Einnahmen bei Ausflügen in die nahezu regellose und entsprechend blutrünstige Kampfsportvariante MMA schaffen könnten. „Ich liebe meinen Sport und ich zehre von dem, was er mir gibt“, sagt Stäbler.

Dass das ein Weg ist, der ihm durchaus auch Anerlkennung fern der Matte beschert, merkt er zurzeit bei immer prominenteren Einladungen zu Fernsehauftitten. Und dabei soll er sich dem Vernehmen nach bei einer demnächst ausgestrahlten Quizsendung auch gar nicht so dumm angestellt haben.

Quelle: F.A.Z.
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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