FAZ plus ArtikelGeheimnisse des Tennis-Stars

Die neuen Seiten des Phänomens Federer

Von Thomas Klemm
09.12.2021
, 07:35
Lange und erfolgreiche Karriere: Roger Federer
Der „Größte aller Zeiten“? Beim Blick auf die Zahlen mag Roger Federer von Novak Djokovic überflügelt worden sein, seine Anziehungskraft aber ist unübertroffen. Ein Buch liefert spannende Einblicke.
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Das Welttennis ist auf die Ziege gekommen. Dem Tier kann kaum ein Sportinteressierter entkommen, der in den sozialen Netzwerken unterwegs ist: hier eine Twitter-Nachricht, die mit einem Ziegen-Emoji endet, dort ein Facebook-Kommentar, in dem das Bildchen eingesetzt wird wie ein Ausrufezeichen. Dahinter verbirgt sich ein teilweise erbittert geführter Streit zweier Fangruppen, in dem es darum geht, wer der größte Tennisspieler aller Zeiten ist. Denn Goat, das englische Wort für Ziege, ist das gängige Kürzel für „Greatest Of All Time“.

Diejenigen, die nur auf die Zahlen schauen und/oder serbischen Ursprungs sind, halten es mit Novak Djokovic. Kann man so sehen, hat der Serbe doch Roger Federer und Rafael Nadal in vielen Statistiken überflügelt. Und dennoch gibt es massenhaft Profikollegen und Tennisfans, die Federer für den Größten halten, den der Tennissport hervorgebracht hat. In puncto Einnahmen aus Merchandising und Sponsoring reicht laut Forbes kein anderer Sportler der Welt an den Schweizer und seine Marke RF heran.

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Alles Roger: Die besten Bücher

René Stauffer: Roger Federer. Die Biografie. Piper Verlag 2019, 352 Seiten, Ebook 14,99 Euro, Taschenbuch 14 Euro.

Bisher galt das Buch des Schweizer Sportjournalisten, der Federers Karriere von Beginn an begleitet hat, als Standardwerk. Es basiert auf Stauffers erstem Buch „Das Tennisgenie“ (2007) und setzt mit dem famosen Comeback 2017 ein. Das Sportliche wird ergänzt um Kapitel über Federer als Familienvater, Unternehmer, Stifter.

David Foster Wallace: Roger Federer. Eine Huldigung. Zweisprachige Ausgabe, Verlag Kiwi 2021, 112 Seiten, 10 Euro.

2006 erstmals erschienen, ist der Essay des zwei Jahre später verstorbenen Schriftstellers die bis heute einflussreichste und wortmächtigste Huldigung. Federer zuzuschauen, empfand der Amerikaner, als Junior selbst ein aufstrebender Spieler, als „religiöse Erfahrung“.

Simon Graf: Roger Federer. Verlag kurz&bündig 2020, 192 Seiten, 18,50 Euro.

Das Buch für Einsteiger. Graf wählt thematisch ähnliche Schwerpunkte wie sein Kollege Stauffer und bündelt letztlich alles in zehn Punkten: „Was wir von Roger Federer lernen können“.

Mark Hodgkinson: Fedegraphica: A Graphic Biography of the Genius of Roger Federer. Englische Ausgabe, Aurum Press 2016, 272 Seiten, etwa 22 Euro.

Aufwendig gestaltetes Buch voller Fotos, Grafiken sowie analytischen, gut lesbaren Texten. Der Autor zeigt, wie Federer sein Spiel im Laufe der Zeit verändert hat. Eines ist laut Hodgkinson aber immer geblieben: „Federers Spiel ist wie für Youtube gemacht.“

William Skidelsky: Federer and me. A Story of Obsession. Englische Ausgabe, Verlag Yellow Yersey, 2016, 304 Seiten, 12 Euro.

Der englische Journalist geht auf originelle Weise der Frage nach, warum er besessen ist von Federer und seinem Spiel. Wichtige Antworten findet er bei den Rasenturnieren in Wimbledon und im ostwestfälischen Halle.

Dominique Eigenmann: Faszination Federer, Die Anatomie der Perfektion. Verlag Kein&Aber, 2011, 128 Seiten, Ebook 13,99 Euro. (gedrucktes Buch antiquarisch).

Bekenntnisse eines Schweizers, der zum leidenschaftlichen Fan wurde und sich von Federer inspiriert und erhöht fühlt. Sportliches wird eher kurz abgehandelt, es geht auch um Paranoia: „Der echte Fan ist nur selten außer sich vor Freude, aber immer in Sorge.“ (kle.)

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Klemm, Thomas
Thomas Klemm
Sportredakteur.
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