Ruderer Oliver Zeidler

Der Opa als großes Vorbild

Von Katja Sturm
11.08.2022
, 08:59
Wie der Großvater so der Enkel: Oliver Zeidler will in Oberschleißheim „bis zum Ende um Gold fighten“.
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Der Ruderer Hans-Johann Färber gewann bei Olympia 1972 in München eine Goldmedaille. 50 Jahre später will sich sein Enkel Oliver Zeidler auf der gleichen Regattastrecke EM-Gold sichern.
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Als Kind gefiel es Oliver Zeidler, in den Olympiabüchern von 1972 zu blättern und darin seinen Opa zu finden. Hans-Johann Färber hatte in München Gold im Vierer mit Steuermann gewonnen. „Damals“, sagt sein Enkel, „wurde bei mir der Samen dafür gesät, dass ich selbst zu den Spielen wollte.“ Allerdings erst mal nicht, wie der Großvater und andere Verwandte, im Ruderboot, sondern als Schwimmer. In jungen Jahren war Zeidler aus dem wackligen Sportgefährt ins Wasser gefallen, das verdarb ihm vorerst den Spaß an der Familientradition.

Wenn es bei den European Championships auf der Regattastrecke in Oberschleißheim um die kontinentalen Kronen geht, sitzt der 26-Jährige bei den an diesem Donnerstag beginnenden Vorläufen trotzdem im Einer. 2016 hatte sich seine Trainingsgruppe bei der SG München aufgelöst und der mehrmalige deutsche Jahrgangsmeister wechselte vom Freistil an die Skulls. Europa- und Weltmeister ist der 2,03 Meter große Modellathlet, bei seiner Olympiapremiere 2021 in Tokio ließen ihn Wind und Wellen jedoch im Halbfinale scheitern.

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Fokus auf Olympia 2024

Die tiefe Enttäuschung hat er abgehakt, der Fokus richtet sich auf die Spiele in Paris 2024. Die EM ist auf dem Weg dorthin ein wichtiger Meilenstein und ein Heimspiel für den gebürtigen Dachauer. Obwohl Zeidler seit diesem Jahr für die Frankfurter RG Germania startet, hat er seinen Trainingsstandort nicht gewechselt. Vater Heino, der ihn betreut, arbeitet in Vollzeit bei der bayerischen Polizei. Als er im Juni wegen des G7-Gipfels in Schloss Elmau keine Zeit hatte, vertrat ihn der Großvater mit seiner Expertise.

© Youtube

„Er hat noch mal einen anderen Blick“, sagt Zeidler. „Und so ein Rennen ist vielschichtig.“ Er habe von dem erfahrenen Fachmann gelernt, sich vom Kopf her darauf einzustellen, was zu tun ist, und nicht alles nur dem Körper zu überlassen. „Ich bin kein Psychologiefreund“, sagt Zeidler. Aber von dieser Visualisierung sei er überzeugt.

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Es passt zu der Geschichte, die er in den kommenden Tagen schreiben will, den Opa als Wegbegleiter an der Seite zu haben. „Er hat dafür gesorgt, dass wir alle sportlich sind“, sagt der Enkel. „Und uns den Willen zum Leistungssport mitgegeben.“ Dort die Goldmedaille zu gewinnen, wo der für die RG Wetzlar startende Vorfahr 50 Jahre zuvor seinen größten Triumph feiern durfte, wäre für den Enkel „superschön“. Dass auch Schwester Marie-Sophie, die früher als der ältere Bruder zum Rudern fand, im Doppelvierer der Frauen bei der EM dabei ist, erhöhe den Emotionsgrad.

Zeidler erwartet spätestens im Finale am Sonntag ein ganz anderes Rennen als die gewohnten. „In den vergangenen Jahren habe ich meine Gegner müde gerudert.“ Jetzt, da sich die Konkurrenz verändert hat, jüngere Athleten dazugekommen sind, glaubt der deutscher Meister, der zahlreiche internationale Vergleiche scheinbar nach Belieben dominierte, „bis zum Ende fighten“ zu müssen.

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Die Tests stimmen ihn optimistisch: Beim Weltcup-Auftakt in Belgrad Ende Mai war Zeidler nicht zu schlagen, bei der traditionsreichen Henley-Regatta stand er ganz oben. Ein gutes Vorzeichen, wie er betont. 2019 hatte der Gast vom Festland den Wettbewerb auf der Themse schon einmal für sich entschieden. Im gleichen Jahr wurde er Welt- und Europameister. Die Reise nach Luzern, wo Zeidler den Gesamtweltcup gewinnen wollte, musste er Anfang Juli wegen einer Erkältung absagen. Aber seitdem laufe alles wieder nach Plan.

Zeidler begrüßt, dass in Zeiten des Gigantismus bei Olympischen Spielen bei den European Championships ein Zeichen für die Nachhaltigkeit gesetzt werde, indem auf die Sportstätten von 1972 zurückgegriffen wird. Die Regattastrecke sei allerdings „baufällig“. Eine größer geplante Sanierung wurde verschoben. Der Geist von damals ist geblieben. Zeidler wird mit all den Geschichten im Hinterkopf, die ihm sein Opa von den Spielen in Deutschland erzählte, auf seinem Rollsitz Platz nehmen. Die EM ist nur eine Zwischenstation. Aber eine einzigartige Chance, der Familienchronik ein ganz besonderes Kapitel hinzuzufügen.

Quelle: F.A.Z.
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