FAZ plus ArtikelRugby kontra Rassismus

Kann der Sport Südafrika einen?

Von Thilo Thielke, Kapstadt
11.06.2018
, 06:57
Eigentlich nur der Stellvertreter vom Stellvertreter: Dennoch ist die Nominierung von Siyamthanda Kolisi zum Team-Kapitän ein Signal.
Gegen England führt zum ersten Mal in der Geschichte ein schwarzer Kapitän die Rugby-Nationalmannschaft des Landes aufs Feld. Trotzdem ist der Rassismus in Südafrika noch allgegenwärtig.
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Im „Woodcutters Arms“ herrscht 24 Jahre nach den ersten freien Wahlen immer noch die Apartheid. Schwarze Kellner schleppen im Akkord Pints mit Guiness und Ale durch das brechend volle Pub in Kapstadts Vorot Hout Bay, die weißen Gäste lassen sich, den Blick starr auf einen der Monitore an der Wand gerichtet, bedienen. Die einen tragen die uniformen Polo-Shirts ihres Arbeitgebers, die anderen die grünweißen Hemden der Springboks, wie die Rugby-Equipe Südafrikas genannt wird.

Südafrika gegen England wird live übertragen, und wenn Rugby auf dem Programm steht, scheint die Zeit am Kap der Guten Hoffnung stehengeblieben zu sein. Nur wenige Schwarze verirren sich dann in die Kneipen und Sportsbars des Landes. Ihre bevorzugte Sportart ist Fußball, während die Leidenschaft der Weißen vornehmlich dem Gerangel um das Rugby-Ei gilt. „Vorwaarts, ouens“, ruft ein alter Afrikaaner immer, wenn einer der südafrikanischen Rugbyhelden wieder einmal die Pille Richtung englisches Malfeld treibt, „jy pak dit.“ Und er soll an diesem Tag recht behalten: Diesmal würden die Jungs es schaffen.

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