Segelregatta um die Welt

Bestplazierte Frau muss bei Vendée Globe aufgeben

10.01.2021
, 10:34
Bereits seit Tagen hatte sie bei der härtesten Segelregatta mit Problemen zu kämpfen. Nun muss Isabelle Joschke eine bittere Entscheidung treffen. Für die Deutsch-Französin ist die Vendée Globe vorzeitig beendet.

Die Deutsch-Französin Isabelle Joschke hat am 62. Tag des Segelrennens Vendee Globe wegen eines Bootsschadens aufgegeben. Die 43 Jahre alte gebürtige Münchnerin lag als bestplazierte Frau auf Rang elf, als sie bei schwierigen Bedingungen etwa 1100 Meilen östlich der argentinischen Küste die bittere Entscheidung treffen musste. Das gab die in München geborene Skipperin in der Nacht zum Sonntag bekannt. Mehr als 21.000 Meilen des Weges hatte sie bewältigt, knapp 6000 waren es noch bis zum Ziel. Doch nun gilt es nur noch, in flachere Gewässer zu kommen, um nicht in Gefahr zu geraten mit der beschädigten Yacht.

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Ein Kielschaden an ihrer Yacht „MACSF“ ließ eine weitere Teilnahme nicht mehr zu, damit haben nun sieben von 33 Startern das Rennen nonstop um die Welt vorzeitig beendet. Isabelle Joschke hatte bereits seit Tagen mit technischen Problemen zu kämpfen, nun fiel ein Zylinder aus, der den Kiel im Zentrum hält. „Sie hat die Geschwindigkeit komplett reduziert, um die Auswirkungen der Wellen zu minimieren und um sicherzustellen, dass kein Wasser ins Boot gelangt“, sagte MACSF-Teammanager Alain Gautier. Es gelte zunächst, ein nahes Tiefdruckgebiet zu vermeiden und dann Joschkes Optionen zu prüfen.

Der Hamburger Boris Herrmann ist unterdessen weiter im letzten Drittel des Rennens dabei und belegt aktuell Rang acht. Auch Herrmann hatte zuletzt mehrmals Reparaturen an seiner „Seaexplorer“ durchführen müssen. „Ich habe mit diesem Rennen noch eine Rechnung offen. Ich habe mir Platz fünf zum Ziel gesetzt. Das muss nicht, kann aber klappen“, sagte er.

Dabei hatte sich Joschke so auf das große Abenteuer gefreut, als sie loslegte. Essen, Wasser, Kleidung für schwere Stürme und rare sonnige Momente, eine prall gefüllte Reiseapotheke – alles hat sie zusammengepackt, als sie am 8. November Les Sables-d‘Olonne an der französischen Atlantikküste verließ, um in ihrer Hochseeyacht auf eigene Faust einmal um den Planeten zu jagen. Joschke, die in Lorient wohnt, ging unter der Segelnummer FRA 27 an den Start.

„Wenn ich mich nur nach guten Zeiten sehnen würde, hätte ich einen anderen Beruf gewählt“, sagte Joschke, die Tochter eines deutschen Vaters und einer französischen Mutter, die bei ihren Abenteuern stets auch Größeres als den Sport im Hinterkopf hat, vor dem Start. Sie engagiert sich mit ihrer Initiative „Horizon Mixite“ für die Gleichstellung von Männern und Frauen. Ein Thema, das auch rund um die Vendée Globe diskutiert wird.

Sechs Frauen waren bei der aktuellen Ausgabe gemeldet. Ein klarer Fortschritt, könnte man meinen. 2016 war die prestigereiche Regatta eine komplette Männersache gewesen. „Eigentlich ist es ein Armutszeugnis, dass man sich über sechs Teilnehmerinnen bei der Vendée Globe freut“, sagte Joschke jedoch laut des Portals „Segelreporter“: „Bei so einem Event müssten viel mehr Frauen mitmachen. Mitmachen können.“ Auch die Britin Sam Davies bewegte das Thema: „Wir sind hier um zu zeigen, dass der nächste Schritt möglich ist. Wir brauchen das nächste Mal 2024 ein paar Frauen mit brandneuen Booten als echte Favoriten.“

Die Vendée Globe gilt nicht ohne Grund als „Mount Everest des Segelns“. Immer wieder kam es seit der ersten Ausgabe 1989 zu heftigen Zwischenfällen und sogar Todesfällen. Auch Joschke hat schon Erfahrungen mit schweren Schäden an ihren Yachten gemacht, sie erlebte unter anderem 2018 einen Mastbruch. „Ich werde nicht versuchen, jeden um jeden Preis zu schlagen“, sagte sie vor dem Start: „Wir können konkurrieren und es immer noch zu etwas Wunderschönem machen. Es wird mich tief berühren.“ Nun musste sie ihre Reise schweren Herzens vorzeitig abbrechen. Wenige Stunden vor ihrem Ausscheiden hatte sie wegen der gewaltigen Kräfte, die auf die Boote mit den großen Foils einwirken, gesagt: „Ich kann nicht glauben, wie brutal unsere Boote sind.“

33 Boote waren bei der Vendée Globe im November gestartet. Isabelle Joschke ist nun die siebte Teilnehmerin, die Aufgeben muss. Zuvor hatte es auch schon Samantha Davies, Fabrice Amedeo, Nicolas Troussel, Kevin Escoffier, Alex Thomson und Sebastian Simon erwischt. Und weitere Ausfälle sind zu erwarten. Bei den vergangenen Ausgaben kamen im Durchschnitt nur etwas mehr als die Hälfte der Starter auch im Ziel an. Vorne liegt derzeit der Franzose Yannick Bestaven. Läuft alles wie geplant, könnte er Ende Januar im Ziel ankommen.

Quelle: tora./sid
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