Profisegler Boris Herrmann

Eine Achterbahnfahrt auf dem Ozean

Von Sebastian Reuter
Aktualisiert am 15.07.2020
 - 09:58
Nicht ganz einfache Bedingungen: Boris Herrmann auf seiner Yacht „Seaexplorer“ kurz nach dem Start in Les Sables d’Olonnes.
Einige Stunden in Führung, dann fast das Aus und schließlich eine Aufholjagd. Hochseesegler Boris Herrmann kämpft bei einer Regatta mit vielen Widrigkeiten. Für seinen großen Traum sieht er sich dennoch bestens gewappnet.

In völliger Dunkelheit, ohne Zuschauer und nur empfangen von einigen wenigen Offiziellen sowie seiner Crew: Viel unspektakulärer hätte der erste Zieleinlauf von Boris Herrmann nach der Corona-Zwangsause nicht ausfallen können. Um 1.12 Uhr mitten in der Nacht zum Mittwoch erreichte Deutschlands erfolgreichster Solo-Hochseesegler nach mehr als 3500 Seemeilen und genau zehn Tagen, neun Stunden und knapp 43 Minuten den Hafen und von Les Sables d’Olonnes an der französischen Atlantikküste und beendete die Regatta Vendée Arctique mit seiner erst im Frühjahr umgebauten Yacht „Seaexplorer“ auf dem siebten Platz.

Nach dem Start vor zehn Tagen gehörte Herrmann zu Beginn der Regatta, die von Frankreich aus bis nach Island und an den Azoren vorbei zurück führte, immer zu der Gruppe der Führenden und führte das zwanzig Teilnehmer große Feld am sechsten Renntag zeitweise sogar an, bevor ihn ein technisches Problem am Großsegel bis auf die achte Position zurückfallen ließ. Der 39 Jahre alte Hamburger benötigte fast einen kompletten Tag, um seine Yacht mitten auf dem Meer behelfsmäßig zu reparieren, die Regatta konzentriert fortsetzen zu können und sich zwischenzeitlich sogar nochmals fast bis auf den fünften Platz vorzukämpfen.

„Mir geht es gut und ich bin glücklich“

„Das Rennen war für mich ein sehr guter Test für das Vendée Globe und hat mir mehr Vertrauen in das Boot gegeben, da ich – abgesehen von dem gebrochenen Großsegelschloss – keine weiteren größeren Schwierigkeiten hatte“, sagte Herrmann unmittelbar nach seiner Ankunft und mit Blick auf die zurückliegende Achterbahnfahrt der Gefühle auf dem Ozean. Der Sieger der Regatta, der Franzose Jérémie Beyou, hatte das Rennen knapp viereinhalb Stunden vor Herrmann beendet.

Das Vendée Globe gilt als eine der gefährlichsten Regatten der Welt, der Segelprofi vom Yachtklub aus Monaco will im November als erster Deutscher daran teilnehmen und innerhalb von knapp 80 Tagen solo und nonstop einmal um die Welt segeln und dabei unter anderem das Kap der guten Hoffnung, das Kap Hoorn zu passieren sowie mit dem Südpolarmeer eine der gefährlichsten Segelpassagen der Welt zu durchqueren.

Das Rennen findet in diesem Herbst zum neunten Mal seit seiner ersten Auflage vor 31 Jahren statt und konnte seitdem nur von Franzosen gewonnen werden. Auch in diesem Jahr wird das Teilnehmerfeld von Franzosen dominiert – doch sowohl Herrmann als auch dem Briten Alex Thompson gehören zum Kreis jener Segler, denen ein Sieg zugetraut wird – sofern sie von größeren technischen Problemen verschont bleiben.

Aufgrund des weltweiten Ausbruch des Coronavirus mitsamt seiner immensen Einschränkungen war das Vendée Arctique nun die erste und letzte große Chance für Herrmann sowie einige seiner Konkurrenten, sich unter Wettkampfbedingungen auf das Vendée Globe vorzubereiten.

Noch vor dem Start hatte Herrmann, der das Frühjahr weitgehend bei seiner Familie in Hamburg und mit der intensiven Studie von Wettermodellen verbracht hat, von einem „phänomenalen Gefühl“ gesprochen, endlich wieder eine Regatta segeln zu dürfen. Und auch nach seiner Ankunft hat Herrmann nichts von seiner Zuversicht verloren – trotz der zwischenzeitlichen Probleme: „Das Boot läuft gut, mir geht es gut und ich bin glücklich. Ich könnte morgen ins Vendée Globe starten, wenn ich müsste.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Reuter, Sebastian
Sebastian Reuter
Redakteur vom Dienst.
FacebookTwitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot