Sieg beim Deutschen Derby

Der König von Hamburg Andrasch Starke

Von Peter Mühlfeit
05.07.2021
, 14:40
So sehen Sieger aus: Andrasch Starke auf Sisfahan
Jockey Andrasch Starke kennt die Spur, die zum Sieg führt. In seinem „Wohnzimmer“, der Galopprennbahn in Hamburg-Horn, stellt er einen alten Rekord ein. Auch Trainer Henk Grewe ist erleichtert.

Von wegen hanseatisch unterkühlt: Mit dem Jubelschrei „Hamburg – the king is back“ zelebrierte der 47 Jahre alte Andrasch Starke seinen achten Sieg im Deutschen Derby, dem wichtigsten Galopprennen des Jahres in Deutschland. Der bei Hamburg geborene Starke, der erfolgreichste Rennreiter, den dieses Land hervorgebracht hat, stellte damit in „seinem Wohnzimmer“, der Galopprennbahn in Hamburg-Horn, den Rekord von Gerhard Streit ein, der 1961 seinen achten und letzten Derbysieg errang.

Starke durfte sich zurecht als König fühlen, denn er gewann auf dem unerfahrenen Außenseiter Sisfahan in unnachahmlicher Weise.Das mit 650.000 Euro dotierte Gruppe-I-Rennen über 2400 Meter, das nur dreijährigen Pferden vorbehalten ist, war in diesem Jahr mit 20 Startern maximal besetzt und gleichzeitig so offen wie schon lange nicht mehr.

Denn der bislang Jahrgangsbeste Best of Lips, überlegener Sieger in der wichtigsten Derby-Vorprüfung, dem Union-Rennen in Köln, konnte wegen einer Verletzung nicht teilnehmen. So rückte der von Waldemar Hickst trainierte Alter Adler in die Favoritenrolle und schien dieser auch gerecht werden zu können.

Erleichterung bei Henk Grewe

Der französische Topjockey Theo Bachelot brachte den Hengst im Fahrwasser des lange führenden Sky Out auf der Zielgeraden innen nach vorne. Doch inzwischen hatte Starke, der die Beschaffenheit der Bahn genau kennt, Sisfahan ganz nach außen bugsiert und machte schnell die entscheidenden Meter gut: Mit eineinviertel Längen siegte die Startnummer 12 am Ende noch sicher vor Alter Adler. „Schade, dass wir nicht gewonnen haben, er hat toll gekämpft, wir treffen uns noch“, sagte Hickst. Während Starke jubelte, schien Trainer Henk Grewe, von dem schon längst der erste Derbysieg erwartet worden war, vor allem erleichtert.

„Es fällt unheimlich viel Druck von meinen Schultern ab“, sagte der 38-Jährige, der in den vergangenen beiden Jahren in Deutschland dominierte. „Ich bin überwältigt“, sagte Grewe, dessen gesamte Familie den bislang größten Triumph seiner Karriere miterlebte. 2019 war er mit Django Freeman Zweiter geworden, im Vorjahr mit dem Favoriten Wonderful Moon nur Fünfter. Dieses Mal waren die Erwartungen von außen nicht so hoch, doch intern hatte man sich einiges ausgerechnet. „Sisfahan ist eigentlich ein ungeprüftes Pferd, ist in diesem Jahr nur einmal gelaufen, aber ich habe Vertrauen in ihn gehabt“, sagte Starke.

Regeln für Peitscheneinsatz verschärft

Der in Frankreich gezüchtete Hengst war zweijährig zweimal in Frankreich gelaufen und im Frühjahr vom Rennmanager des Galopp-Unternehmens Darius Racing, Holger Faust, als möglicher Derbystarter gekauft worden. Mit der Siegprämie von 390.000 Euro und dem drastisch gestiegenen Zuchtwert eine lohnende Investition. Hinter Darius Racing steht der ehemalige Vorsitzende des Pharmakonzerns Merck, Stefan Oschmann. Für den Kauf hat er sich mit dem Biontech-Investor Michael Motschmann aber einen gleichberechtigten Partner an die Seite geholt. „Jeder Besitzer träumt davon, das Derby zu gewinnen“, sagte Oschmann. „Es mit einem Sohn von Isfahan zu gewinnen, ist phantastisch.“

2016 hatte Isfahan, ebenfalls in Oschmanns Besitz, für Darius Racing triumphiert. Es war allerdings ein umstrittener Derbysieg, denn die Reiter der beiden Bestplatzierten, Isfahan und Savoir Vivre, hatten die Peitsche deutlich mehr als erlaubt eingesetzt. Dagegen legte der Besitzer des Drittplatzierten Dschingis Secret, der in Hongkong lebende Unternehmer Horst Pudwill, Protest ein. Erst im Oktober 2019 beendete das Oberlandesgericht Köln den juristischen Streit. Der Galoppverband verschärfte die Regeln für den Peitscheneinsatz: Maximal fünf Schläge, bei Verstößen keine Disqualifikation des Pferdes, aber harte Strafen für die Reiter.

Die Schweizerin Sibylle Vogt setzte auf dem Drittplatzierten Imi – das beste Ergebnis für eine Reiterin im seit 1869 ausgetragenen Derby – die Peitsche einmal zu viel ein. Sie muss nun 14 Tage pausieren und verliert die Hälfte ihrer fünfprozentigen Erfolgsprämie in Höhe von 3900 Euro.

Quelle: F.A.Z.
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