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Alpiner Ski-Weltcup

Klimawandel stoppt nicht am Matterhorn

Von Achim Dreis
27.07.2022
, 16:02
Der „ikonische Berg“: das Matterhorn soll Schauplatz einer Weltcup-Abfahrt im Herbst sein Bild: dpa
Das Sommerskigebiet am Matterhorn war bislang eine sichere Destination für die alpine Weltelite, um sich auf den Winter vorzubereiten. Doch auch hier kommt der Klimawandel dazwischen.
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Die Begeisterung der Organisatoren für die erste grenzüberschreitende Weltcup-Abfahrt der alpinen Ski-Geschichte ist ungebrochen. Es sind kaum noch 100 Tage, bis am 29. und 30. Oktober 2022 zunächst die Herren sowie dann am 5. und 6. November die Damen zwei Schussfahrten unterm Matterhorn im Rahmen des Ski-Weltcups auf sich nehmen sollen. Start ist in 3720 Metern auf der Schweizer Seite, Ziel in Italien noch 2835 Meter über dem Meer. Es sei denn, das Wetter kommt dazwischen – oder schlimmer noch: das Klima.

Einen ersten Dämpfer kassierten die schweizerisch-italienischen Ski-Enthusiasten um Organisations-Chef Franz Julen nun in dieser Woche. Von Freitag an wird der Sommerskibetrieb auf dem Gletscher oberhalb von Zermatt auf unbestimmte Zeit eingestellt. Noch vor 14 Tagen bei der Präsentation des Weltcup-Konzepts hatte Julen von besten Trainings-Bedingungen geschwärmt: „Das Sommer-Ski-Gebiet ist offen“.

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Auf der Schweizer Seite der rund 3700 Meter langen „Gran-Becca“- Strecke war die Piste bereits zur Hälfte präpariert und konnte für Trainingszwecke genutzt werden. Die Arbeiten auf dem Gletscher, der zwei Drittel der Weltcup-Abfahrt abdeckt, sollten in den kommenden Wochen kontinuierlich weitergeführt werden.

Nun sahen sich die Bergbahnen aber zur Sperrung des Gletschers für den Sommer-Skibetrieb gezwungen. Die Null-Grad-Grenze war rund um das 4478 Meter hohe Matterhorn auf über 5100 Meter gestiegen. Und als Folge des vergangenen schneearmen Winters liegen nun zahlreiche Gletscherspalten frei. Es wäre viel zu gefährlich, dort noch Ski zu fahren. Die Probleme am Gletscher erschwerten zudem das Verankern der Lifte.

Die Schweizer Weltcup-Elite hat ihr Lager wegen der Bedingungen bereits abgebrochen, da „kein sinnvolles Training mehr möglich gewesen“ sei, wie sie mitteilte. Die deutsche Speed-Mannschaft um Thomas Dreßen reist dagegen erst am Freitag planmäßig aus Zermatt ab. Stattdessen fliegen die Deutschen nun Anfang August für dreieinhalb Wochen nach Chile und Argentinien. In La Parva und Ushuaia herrschten derzeit gute Bedingungen, hieß es. Doch eigentlich sollten Interkontinentalflüge für die Skifahrer angesichts des enormen CO2-Abdrucks bei der extrem langen Anreise der Vergangenheit angehören. Auch für diesen Zweck war Zermatt angetreten: Skifahren am „ikonischsten Berg“ der Alpen inmitten von Europa konnte im Vergleich als gutes Werk im Sinne der Nachhaltigkeit gedeutet werden.

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Die Frage, ob die Pläne für das spektakuläre „Matterhorn Cervino Speed Opening“ Ende Oktober aufgehen, ließ Julen bei der jüngsten Pressekonferenz bewusst offen: „Bei Outdoor-Sportarten haben immer die Natur und das Wetter das letzte Wort“. Zuversichtlich zeigte er sich aber dennoch: „Wir brauchen bis Mitte Oktober drei bis vier kalte Nächte sowie natürliche Schneefälle auf dem Gletscher“. Wetterszenarien, die im Herbst in Höhenlagen über 3.000 Meter bislang durchaus realistisch erschienen.

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Doch nun wurden die Skiläufer eiskalt vom Klimawandel eingeholt. Für den amerikanischen Skistar Mikaela Shiffrin bedeutete die Sperrung zusätzlichen Verdruss. Sie war erst am Montag mit Verspätung im Wallis angekommen. „Ich wollte Skifahren gehen, stattdessen habe ich jetzt die Mission, meine Taschen zu finden“, teilte sie via Instagram mit. Auf dem Flug aus den USA in die Schweiz waren ihre Koffer abhanden gekommen.

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Quelle: FAZ.NET
Achim Dreis
Sportredakteur.
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