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Weltcup-Finale in Göteborg

Ein Reiter auf Roadtrip

Von Sebastian Reuter
 - 15:42
Hoch hinaus: Niklas Krieg auf seiner Stute Carella beim Weltcup in Leipzig

Die Tage vor seinem bislang größten Auftritt verbringt Niklas Krieg hauptsächlich im Lkw. Mit einem riesigen Transporter hat sich der 22 Jahre alte Springreiter gemeinsam mit seinem Vater, seiner Stute Carella und deren Pflegerin auf den weiten Weg von Villingen-Schwenningen im Schwarzwald gen Norden nach Göteborg (Schweden) gemacht, wo an Ostern das Weltcup-Finale der Dressur- und Springreiter ansteht.

Knapp 36 Stunden, inklusive einer kurzen Übernachtung auf einem Gestüt in Schleswig-Holstein, haben Krieg und seine Gefolgschaft für die etwa 1400 Kilometer lange Reise eingeplant. „Wir sind heute um fünf Uhr losgefahren und wollen auch morgen früh wieder so zeitig weiter“, sagte Krieg am Abend seines Zwischenstopps in Elmshorn. „Und im Stau standen wir bislang auch noch nicht.“

Können – und eine glückliche Konstellation

Zum ersten Mal nimmt der junge Mann aus dem Südwesten Baden-Württembergs an der inoffiziellen Hallen-WM der Reiter teil. Erst im Januar hatte der Nachwuchsreiter seinen Premierenauftritt im Weltcup - und siegte prompt. „Dass ich in Leipzig sofort gewinne, damit hätte ich natürlich nie gerechnet“, sagt der gelernte Pferdewirt, der für seinen bislang größten Triumph 40.000 Euro Siegprämie erhielt. Bei einer weiteren Qualifikation in Zürich, in die er nachrückte, wurde er Fünfter und sicherte sich somit die benötigten Punkte für Göteborg. Die Final-Qualifikation nach nur zwei Etappen - das ist ein Kunststück, das vor Krieg noch niemandem gelang. Eine glückliche Konstellation war dazu neben seinem Können notwendig. Die größten Chancen auf den Gesamtsieg hat jedoch Kriegs etablierter Kollege Christian Ahlmann.

Dass er auf der langen Fahrt nach Schweden nur unnötig nervös wird oder verspannt, glaubt Krieg nicht. Mit Gesprächen mit seinem Vater und der Pflegerin, Musikhören und mit dem Beobachten der Landschaft aus dem Fenster könne er sich die Zeit ganz gut vertreiben, sagt Krieg. „Außerdem fahre ich ja immer selber, da kenne ich das gar nicht anders.“ Und seine Holsteiner Stute sei die langen Reisen zu Turnieren ebenfalls gewohnt. „Die Pferde sind ja alle immer so lange unterwegs. Carella ist zwar eine kleine Diva. Aber gemeinsam sind wir trotzdem ein richtig gutes Team.“

Der Roadtrip des Reiters ist jedoch eine seltene Ausnahme im mittlerweile streng getakteten Pferdesport: Auch nach Göteborg reist der Großteil der Weltspitze mit dem Flugzeug an, lässt die Pferde von den Pflegern nach Skandinavien kutschieren und kann sich dann in gemütlichen Hotelbetten vor dem Start am Karfreitag noch einmal ausruhen. Krieg bleibt auch nach der Ankunft immer in der Nähe seiner Stute und nächtigt weiter in der kleinen Schlafkoje des Transporters. „Mir macht es nichts aus, im Lkw zu schlafen“, sagt Krieg. „Da habe ich meine Ruhe und kann am besten entspannen.“

Besondere Ambitionen für seinen Auftritt in Göteborg will er daraus aber nicht ableiten. „Als Neuling werde ich erst einmal schauen, wie es dort so abgeht. Die Anforderungen sind sehr hoch, deswegen nehme ich mir auch nichts Großartiges vor“, sagt Krieg, um mit Blick auf die insgesamt drei Springprüfungen dann aber doch noch anzufügen: „Bis in die dritte Runde zu kommen wäre natürlich trotzdem toll.“

Doch egal, ob es in Göteborg nur zu einem kleinen Schnuppern von großer Weltcup-Luft oder für mehr reicht: Krieg wird auch nach dem Finale am Ostermontag keine Zeit haben, den aufkommenden schwedischen Frühling noch etwas zu genießen. Mit dem Transporter geht es direkt wieder zurück in den Schwarzwald - und von dort nach kurzem Stopp weiter nach Italien zum nächsten Turnier. Auf seinem Roadtrip an die Weltspitze gönnt sich Niklas Krieg keine Rast.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Reuter, Sebastian
Sebastian Reuter
Redakteur vom Dienst.
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