Leichtathletik-DM

Der zweite Anlauf von Kevin Kranz

Von Katja Sturm
24.06.2022
, 20:28
Peilt die EM-Teilnahme als Sprinter an: Kevin Kranz
Sein Potential weckte Hoffnungen auf eine erfolgreiche Sprinter-Karriere. Doch Krankheiten und Verletzungen bremsten Kevin Kranz. Nun will der Eintracht-Leichtathlet über Berlin nach München – zur EM.
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Kevin Kranz ist kein Grübler. Lange darüber nachzudenken, was alles hätte sein können in der Vergangenheit, ist des Sprinters Sache nicht. Für den 24-Jährigen zählt nur, dass er an diesem Samstag bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin auf der Bahn steht und die Chance hat, sich für die internationalen Wettbewerbe in diesem Jahr zu empfehlen – vor allem für die EM im August in München. Für einen Einzelstart über 100 Meter dort wäre eine Steigerung seiner Bestzeit um zwei Hundertstel nötig. 10,18 Sekunden war der Kandidat Ende Mai in Weinheim gelaufen.

Erinnerungen werden wach an 2018, als der Frankfurter zum ersten Mal zum nationalen Titel gerast war. Sein Potential und seine Jugend weckten die Hoffnung auf eine erfolgreiche Karriere. Doch bald musste das Talent einen Rückschlag nach dem anderen hinnehmen. Wenige Monate nach einem weiteren Triumph in der Halle ließen die Leistungen bedenklich nach; es wurde Pfeiffersches Drüsenfieber bei dem Leichtathleten vom Sprintteam Wetzlar diagnostiziert. Fast eineinhalb Jahre lang legte die Krankheit Kranz lahm.

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Scheinbar rechtzeitig zu den nach 2021 verschobenen Olympischen Spielen kam der Hesse wieder in Form. Abermals lag er in Rekordzeit unterm Dach vor der nationalen Konkurrenz, belegte auf kontinentaler Ebene einen zweiten Platz, durch den er sich – dank seiner Position in der Weltrangliste – fast schon sicher in Tokio wähnen durfte. Doch auf dem Weg dorthin zog sich das Kadermitglied bei einem Staffeltraining gleich zwei Verletzungen zu: einen Muskelbündel- und einen Sehnenabriss.

Im ersten Moment, sagt Kranz, habe das gar nicht so wehgetan. Doch bald war die schmerzliche Gewissheit da, dass der einzige qualifizierte deutsche Einzelstarter über die kürzeste olympische Strecke in Tokio nicht würde dabei sein können. Stattdessen stand eine Operation an, es folgte eine gut zwei Monate lange Pause.

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Es gibt noch Defizite

Der Gebeutelte versuchte das Beste daraus zu machen. Kranz, der seine Ausbildung zum Polizisten vor zwei Jahren abbrach und seitdem nur noch für seine Leidenschaft lebt, genoss die für einen Spitzensportler rare freie Zeit, weilte mehrmals in einem Rehazentrum in Österreich, chillte, traf Freunde und saß auf seinem Motorrad, um zumindest dort den geliebten Rausch der Geschwindigkeit zu spüren.

Sein ursprüngliches Laufbild sei noch nicht ganz wiederhergestellt, sagt Kranz. Beim Start gebe es noch Defizite, da bleibe er nicht „so flach“ wie früher. Auch „der freie Sprint ist noch nicht so schön“, wie er und sein Trainer David Corell es gerne hätten. Das hänge mit den Ausweichbewegungen zusammen, mit denen der Körper auf Dysbalancen reagiert. Nach einer Verletzung muss die betroffene Seite erst wieder auftrainiert werden, um die gleichen Kraftwerte wie auf der anderen zu erreichen.

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Rekord mit der deutschen Staffel

Dafür läuft es trotzdem schon gut in diesem Sommer. Dem persönlichen Rekord folgte kurz darauf in Regensburg noch einer mit der deutschen Staffel, die 37,99 Sekunden für die Stadionrunde brauchte. Das nährt die Hoffnung auf einen Platz auf dem Siegertreppchen in der bayerischen Hauptstadt mit der Staffel, zeigt aber auch, wie sehr die Konkurrenz im eigenen Lager seit Kranz’ erstem Freilufttitel gewachsen ist. Nicht nur der Kölner Jo­shua Hartmann und die beiden Hamburger Owen Ansah und Lucas Ansah-Peprah, die die neue Bestzeit mit ihm zusammen aufstellten, stehen ganz vorne in der Reihe derer, die ihm den Titel in Berlin streitig machen wollen.

Kranz ist bewusst, dass ihm ein harter Kampf bevorsteht. Dennoch gibt er sich entspannt. „Mir geht’s supertop.“ Das wenige, was er an Aufregung brauche, um die nötige Anspannung aufzubauen, komme von selbst. Der Fokus ist ganz und gar auf ein Solo bei der EM ausgerichtet. Bei der WM einen Monat zuvor in Eugene würde ihn ohnehin nur die Staffel interessieren. „Im Einzel“, sagt Kranz ehrlich, „hätte ich da keine Chance.“

Quelle: F.A.Z.
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