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Stabhochspringer Gordon Porsch

Von schlimmen Schmerzen zum ganz großen Ziel

Von Katja Sturm
 - 09:11
Kraftanstrengung: Gordon Porsch, hier bei den deutschen Hochschul-Meisterschaften

Stabhochsprung ist ein Wagnis. Wer es unbedacht eingeht, lebt gefährlich. Gordon Porsch hat das während seiner bisherigen Laufbahn schmerzhaft gelernt. Heute zieht sich der 24-Jährige lieber mal aus einem Wettkampf zurück oder stellt das Training ein, wenn er das Gefühl hat, nicht hundertprozentig fit und auf den Punkt konzentriert zu sein.

So weit soll es am Sonntag nicht kommen. Da hofft der Neu-Anspacher, der seit diesem Jahr für Eintracht Frankfurt startet, in Top-Form zu sein. Bei den deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig will sich der Leichtathlet so hoch über die Latte schwingen, dass es für einen Podestplatz reicht, um daraus die Motivation für eine erfolgreiche Olympia-Saison zu ziehen. Das Ziel Tokio liegt für ihn ziemlich hoch, 19 Zentimeter höher als seine persönliche Bestleistung von 5,61 Metern – die Olympia-Norm wurde vom deutschen Verband auf 5,80 Meter festgelegt.

Mit dem Stab die Halsschlagader verletzt

Porsch ist wieder guten Mutes, das Trauma von 2017 hat der Hessenmeister verarbeitet. Damals hatte ihm der eigene Stab die Halsschlagader verletzt. Aus Verärgerung, den Anlauf verpatzt zu haben, hatte Porsch seinen Stab weggeschleudert. Das Sportgerät schnellte jedoch zurück und traf den Athleten. „Ich kann mich nur noch an die ersten beiden Schritte erinnern und dann daran, wie ich neben der Anlage lag“, sagt Porsch. Von außen sah es so aus, als hätte er sich nur eine Schürfwunde zugezogen. Im Krankenhaus stellte sich jedoch heraus, dass ein Teil der Innenwand der Halsschlagader beschädigt war. Es bestand die Gefahr, dass sich das Blutgefäß verschloss. Porsch musste eine schlimme Nacht überstehen, dann wochenlang Belastungen vermeiden, sein Puls durfte nicht auf mehr als 100 Schläge pro Minute hochschnellen.

Es war schon das zweite Mal, dass Porsch um seine sportliche Karriere bangen musste. Drei Jahre zuvor hatte sich der Abiturient während der Gärtnerlehre, die er zunächst begann, einen Innenmeniskusriss zugezogen. Die Kästen, die er heben wollte, waren zu schwer gewesen. Bei der notwendig gewordenen Operation schlich sich ein Keim ein, der „krasse Schmerzen“ (Porsch) verursachte. Die Ärzte medikamentierten ihn mit Antibiotika, gaben dem Stabhochspringer jedoch zu verstehen, dass die Folgen der Infektion so erheblich sein könnten, dass an Leistungssport nicht mehr zu denken wäre. Porsch ließ diesen Gedanken nicht zu. „Ich glaube sehr an Selbstheilungskräfte.“ Und der Optimist sollte nicht enttäuscht werden.

Verletzungsprobleme blieben ihm jedoch treu. 2018 verletzte er sich „aus Unachtsamkeit“ im Training am Fuß. Seitdem geht der Lehramtsstudent und zukünftige Pädagoge, der seit Jahren mit einer Psychologin zusammenarbeitet, mit mehr Bedacht an seine Aufgaben heran.

2019, nach einem Salto Nullo bei den deutschen Freiluftmeisterschaften, entschied er sich, einen „Neuanfang“ zu wagen. Bei der LG Friedberg-Fauerbach, wo sein Vater einst die Lust am Stabhochsprung entdeckte und seine Kinder mitzog, war es ihm zuletzt „zu familiär“ zugegangen. Er wünscht sich ein „geschäftsmäßigeres Arbeitsverhältnis“ als Leistungssportler. Zudem trainiert der Hesse unter seinem Vater sowieso in Frankfurt und studiert auch dort. Deshalb sprach das Gespann bei der Eintracht vor.

Der Wechsel hat dem süddeutschen Hallenmeister von 2019 allerdings noch keinen Aufschwung beschert. Nach einem guten Saisoneinstand mit 5,40 Metern Mitte Dezember in Stadtallendorf ließen die Leistungen nach. Den Umstieg auf die zehn Zentimeter längeren Fünf-Meter-Stäbe hat er erst mal wieder rückgängig gemacht. Bei den deutschen Hochschulmeisterschaften vor einer Woche brach der Favorit den Wettkampf nach zwei ungültigen Versuchen ab. Am Abend zuvor hatte ihn die Nachricht vom plötzlichen Tod eines Sportkollegen erreicht; der Schock darüber saß tief.

Vor seinem Start bei den deutschen Hallenmeisterschaften steht für Porsch in dieser Woche in der Uni ein volles Programm an: Zwei Klausuren und eine Schwimmprüfung muss der angehende Grundschullehrer noch absolvieren. Das Studium hat er in diesem Wintersemester intensiviert, um in den nächsten Monaten ohne Einschränkungen auf sein großes Ziel Tokio hinarbeiten zu können. Mit viel Mut, aber auch der gebührenden Umsicht.

Quelle: F.A.Z.
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