Studie der Uni Kassel

Wer in der Staffel schneller schwimmt und wer nicht

Von Sascha Zoske
28.07.2021
, 05:00
Siegreich: Die 4x100-Meter-Staffel aus den USA gewinnt Gold in Tokio.
Sportwissenschaftler der Uni Kassel haben untersucht, wann Schwimmer in der Staffel bessere Leistungen bringen als im Einzelwettbewerb. Die Ergebnisse zeigen: Auf den Startplatz kommt es an – aber nicht nur.

Schwimmer bringen in Staffelwettbewerben bessere Leistungen als in der Einzelkonkurrenz – aber nur, wenn sie als Nummer zwei, drei oder vier ihres Teams starten. Das haben Sportwissenschaftler der Uni Kassel herausgefunden. Die Forscher untersuchten Leistungen in 4x100-Meter-Freistilrennen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften der vergangenen 20 Jahre und verglichen sie mit den jeweiligen Einzel-Zeiten.

Im Mittel kamen Staffelschwimmer der Positionen zwei bis vier 0,26 Sekunden eher ins Ziel als in ihren Einzelwettkämpfen. Da der Leistungszuwachs über die gesamten 100 Meter verteilt erzielt wurde, vermuten die Forscher, dass er durch stärkere Anstrengung zu erklären ist. Auf Position eins blieb die Leistung dagegen gleich. Die Forscher vermuten neben Unterschieden in der Starttechnik als Ursache, dass die später startenden Staffelschwimmer eine größere „soziale Unentbehrlichkeit“ empfinden – eine schwächere Leistung des Ersten können die Teamkollegen womöglich ausgleichen.

Bei Schwimmerinnen ist das Leistungsplus stärker

Wie sich weiter zeigte, waren die Leistungszuwächse auch abhängig von der aktuellen Plazierung des Teams im laufenden Wettkampf. Sie fielen dann besonders deutlich aus, wenn die Staffel beim Wechsel eine hohe Chance auf eine Medaille hatte - und wenn es sich um weibliche Sportler handelte.

Nach Ansicht der Kasseler Sportwissenschaftler um Claudia Braun könnte es daher für Frauenteams von Vorteil sein, wenn die stärksten Schwimmerinnen auf Position eins oder zwei starten. Das schüfe eine gute Ausgangslage für Medaillen, die wiederum die späteren Starterinnen zu Höchstleistungen motiviere. Eine Männerstaffel hingegen würde von solch einer Strategie nicht profitieren, meint Braun. Denn von dem Sportler auf Position eins sei kein Leistungszuwachs zu erwarten, während seine später startenden Kollegen ihre Zeiten wahrscheinlich verbessern könnten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Zoske, Sascha
Sascha Zoske
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
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