Deutscher Basketballspieler

Tibor Pleiß schenkt seinem Team den Euroleague-Titel

Von Michael Reinsch
22.05.2022
, 14:02
Das sei doch sein Job: Tibor Pleiß
„Perfektes Spiel, perfekte Saison“: Mit neuem Killerinstinkt sorgt Tibor Pleiß für die Entscheidung über Real Madrid – und zeigt auch bei diesem Spiel für Anadolu Efes Istanbul, welche Klasse in ihm steckt.
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32 Jahre alt ist der Basketball-Profi Tibor Pleiß, am Samstag hat er mit Anadolu Efes zum zweiten Mal hintereinander die Euroleague gewonnen, den bedeutendsten Wettbewerb nach der NBA. Den Killerinstinkt, mit dem er für die Entscheidung sorgte beim 58:57 über Real Madrid im Endspiel des Final Four von Belgrad, will er erst in den vergangenen Tagen entwickelt haben. Im Hotelzimmer habe eine Mückenplage geherrscht, erzählte der Kölner nach der Partie; rund 25 der Insekten habe er auf den Zimmerwänden totgeschlagen. „Eine blutige Angelegenheit.“

Eher zäh lief es im Endspiel um den Titel. Obwohl Real lediglich sechs von 33 Distanzwürfen traf, führte das Team mit bis zu neun Punkten Vorsprung. Dann kam der 2,18 Meter lange Pleiß. Steal, Rebound, Blocked Shot – der Kölner spielte seine Erfahrung aus und bewies, wieder einmal, sein Händchen für den Wurf. Zehn seiner 19 Punkte erzielte er im letzten Viertel, und er zeigte seine Vielseitigkeit, indem er unterm Korb, aus der Mitteldistanz und von jenseits der Dreierlinie punktete.

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Gut eine Minute vor Schluss erhöhte er, als er einen Abpraller nach Schuss des überragenden Vasilije Micic (23 Punkte) eintippte, auf drei Punkte Vorsprung. Das war der Sieg.

„Ich war völlig frei“

„Basketball kann so einfach sein“, freute sich Pleiß: „Den Ball in den Korb zu werfen ist mein Job. Das habe ich getan.“ Wie beim Euroleague-Sieg vor einem Jahr in seiner Heimatstadt Köln über den FC Barcelona gab Pleiß den Impuls zum Sieg. Madrid versuchte die Istanbuler Aufbauspieler Micic und Shane Larkin (10 Punkte) zu stoppen, bis zu drei Spieler stürzten sich auf sie, wenn sie zum Korb zogen. „Sie spielten den Ball zu mir, ich war völlig frei“, konstatierte Pleiß: „Der Rest ist Geschichte.“ Zum Halbfinalerfolg über Olympiakos Piräus mit 77:74 Punkten hatte er acht Punkte und sieben Rebounds beigetragen.

„Perfektes Spiel, perfekte Saison“, urteilte Coach Ergin Ataman über Pleiß und erinnerte daran, dass dieser im entscheidenden vierten Viertelfinalspiel gegen Armani Mailand mit 25 Punkten und sechs Rebounds der überragende Spieler gewesen war: „Ihm haben wir dieses Final Four zu verdanken.“ Vor vier Jahren holte Ataman Pleiß nach Istanbul. „Wir glauben an ihn, und in unserem System ist er sehr wichtig.“

Wie er Larkin und Micic bei deren Angriff gefolgt und den abprallenden Ball genutzt habe, das sei großartig gewesen. Pleiß ist aufgeblüht in Istanbul, und am Samstag dankte er, wieder einmal, dafür, dass ihm der Trainer freie Hand lässt in seinem variablen Spiel. „Manche Trainer sagen, bleib unterm Korb, andere sagen, bleib draußen“, erzählte er: „Coach Ataman gibt mir die Freiheit, zu schießen, wann ich will. Er setzt mich nicht auf die Bank, wenn ich nicht treffe. Das hat mein Spiel verbessert.“

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2015 zu den Utah Jazz in die NBA gewechselt und von ihnen lediglich zwölf mal eingesetzt, ist der schmale Pleiß einer der dominierenden Spieler Europas geworden. Es wäre ein Wunder, würden die Gespräche mit Bundestrainer Gordon Herbert, die Pleiß bestätigte, nicht in die Rückkehr des Centers in die Nationalmannschaft münden. Im September gibt es schließlich, wieder in Köln und dann in Berlin, einen weiteren europäischen Titel zu gewinnen.

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Quelle: F.A.Z.
Michael Reinsch - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michael Reinsch
Korrespondent für Sport in Berlin.
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