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Golf-Masters

Tiger Woods gelingt das schier Unmögliche

Von Wolfgang Scheffler, Augusta
 - 20:27
Gefeierter Held: Die Golf-Fans bejubeln Tiger Woods nach seinem Masters-Sieg.zur Bildergalerie

22 Jahre nach seinem ersten Sieg beim Masters, fast elf Jahre nach seinem letzten Major-Sieg (US Open 2008) und vierzehn Jahre nach seinem letzten Erfolg beim Masters 2005 präsentierte der 43 Jahre alte Amerikaner sich stolz zum fünften Mal im Augusta National Golf Club im grünen Siegerjackett den Fans, die jeden seiner gelungenen Schläge am Sonntag mit frenetischem Jubel feierten. Als Woods am letzten Loch aus wenigen Zentimetern seinen Putt zum Sieg einlochte, skandierten die Fans „Tiger, Tiger“. Woods stieß einen Schrei aus, riss die Arme hoch, herzte erst seinen zehnjährigen Sohn Charlie, dann seine zwei Jahre ältere Tochter Sam, seine Mutter Tilda und schließlich seine gesamte Entourage, ehe er auf dem Weg zum Klubhaus von allen ehemaligen Champions, darunter auch Bernhard Langer, beglückwünscht wurde.

Der langjährige Primus, vor dem Turnier auf Rang zwölf der Weltrangliste eingestuft, vollendete mit seinem 15. Titel bei einem der vier wichtigsten Turniere und dem 81. Sieg auf der PGA Tour sein Comeback, das er nach seiner vierten Rückenoperation, eine Versteifung von zwei Lendenwirbeln, vor gut 18 Monaten begonnen hatte. Damit scheinen für den langjährigen Primus Woods die Rekorde von Jack Nicklaus mit 18 Major-Siegen und sechs Erfolgen beim Masters wieder in Reichweite.

Woods gelang dazu noch eine Premiere. Erstmals in seiner glanzvollen Laufbahn gewann er, der mit zwei Schlägen Rückstand auf den italienischen British-Open-Sieger Francesco Molinari auf die Schlussrunde gegangen war, ein Traditionsturnier, ohne von der Spitzenposition aus zu starten. „Für mich hat sich ein Kreis geschlossen. 1997 konnte ich meinen Vater nach dem Sieg in die Arme schließen, jetzt bin ich selbst Vater und meine zwei Kinder erlebten meinen Sieg mit. Es ist unwirklich, dieses Turnier bedeutet mir soviel. Es ist etwas, was ich nie vergessen werde“, sagte Woods sichtlich gerührt, der 1995 erstmals als Amateur in Augusta mitgespielt hatte.

„Tiger, du hast Geschichte geschrieben“, sagte Fred Ridley, der Vorsitzende des Augusta National Golf Clubs, der dieses erste Major des Jahres als Einladungsturnier veranstaltet. Mit diesem Satz traf Ridley, der als Amateur drei Mal in den siebziger Jahren am Master teilgenommen hatte, den Nagel auf den Kopf. „Dies ist sicherlich einer der größten Siege meiner Laufbahn, vor allem, weil ich erstmals einen Rückstand aufholen musste“, sagte Woods.

Im Tunnel, als es darauf ankam

An einem trüben Sonntag im Nordosten des Bundesstaates Georgia, an dem die Startzeiten wegen der vorhergesagten Gewitterfront in die frühen Morgenstunden verlegt wurden, genügte Woods eine Schlussrunde von 70 Schlägen, um an Ende mit insgesamt 275 (70+68+67+70) Schlägen mit einem Schlag Vorsprung vor seinen amerikanischen Landsleuten Dustin Johnson (276/68+70+70), Brooks Koepka (276/66+71+69+70) und Xander Schauffele (276/73+65+70+68) zu triumphieren. Als es darauf ankam, wirkte Woods wie in besten Zeiten in einem Tunnel und er blendete alles um sich herum aus.

„Ich habe mich anfangs nur durchgekämpft“, sagte Woods, „und ich war unheimlich geduldig.“ Auch dem Publikumsliebling unterliefen einige Fehler, aber auf den zweiten neun Löchern behielt der Kalifornier die Nerven. Während die Konkurrenten stolperten, gelang Woods die entscheidenden Birdies an den Löchern 13, 15 und 16. Molinari, der Woods noch bei den British Open im Juli in Carnoustie im direkten Zweikampf besiegt hatte, schlug erst am 12. Loch, mit 155 Yards (142 Meter) dem kürzesten des Platzes den Ball ins Wasser, ein Missgeschick, das ihm noch einmal am 15. Loch passierte. Am Ende musste sich der 35 Jahre alte Italiener aus Turin mit zwei Schlägen Rückstand mit dem fünften Platz begnügen, den er sich mit den Amerikanern Webb Simpson und Tony Finau sowie dem Australier Jason Day teilte.

„Es war toll, das mitzuerleben. Tiger muss ekstatisch sein“, sagte Koepka, der bei der PGA Championship Woods auf Platz zwei verwiesen hatte. Auch dem sonst so nervenstarken Longhitter aus Florida versagten diesmal einmal kurz die Nerven. Auch er versenkte den Ball am 12. Loch im Rae’s Creek. Zeitweise schien es, als ob sechs Spieler um den Sieg kämpfen würden, aber einer nach dem anderen verabschiedete sich, vor allem weil Woods nervenstark seine Chancen nutzte. Am Ende konnte Woods sich sogar ein Bogey leisten. „Mein Ball war voller Dreck, deshalb habe ich auf Sicherheit gespielt“, erklärte Woods sein Finish.

Die beiden einzigen Deutschen im Feld landeten erwartungsgemäß unter ferner liefen. Der 34 Jahre alte Martin Kaymer aus Mettmann gewann dank einer Schlussrunde von 71 Schlägen, seiner besten der vier Tage in Augusta, das Duell gegen 61 Jahre alten Bernhard Langer. Der Rheinländer belegte am Ende mit 290 (73+74+72+71) den 51 Platz. Langer, der älteste Spieler, der den Cut überstanden hatte, fiel nach einer enttäuschenden Schlussrunde von 78 und insgesamt 296 (71+72+75+78) Schlägen auf den 62. Platz zurück.

Quelle: F.A.Z.
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