Risiken und Nebenwirkungen

Welche Folgen Krieg und Pandemie für den Basketball haben

Von Stefan Koch
12.05.2022
, 09:14
In Russland aktiv: Voigtmann
Die Corona-Pandemie hat den europäischen Basketball schwer getroffen. Mit dem Krieg in der Ukraine wird es ähnlich sein. Profitieren könnten ausgerechnet die Bundesligaklubs.
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Die Pandemie hat den Markt verändert und für finanzielle Einbußen gesorgt, der Krieg in der Ukraine wird diesbezüglich ebenfalls Folgen nach sich ziehen. Aber die Ausmaße sind bislang weniger dramatisch als befürchtet. Zu diesem Fazit kommen Bennet Ahnfeldt, Patrick King und Ingo Wolf – drei der wichtigsten Berater im deutschen Basketball.

Als wichtigen Faktor sehen sie die staatlichen Unterstützungsprogramme in der Corona-Krise. „Dadurch hat der eine oder andere Verein überlebt“, sagt King. Wolf äußert sich ähnlich, weist aber auch darauf hin, dass es mit geringeren Hilfen in der nahen Zukunft durchaus schwere Zeiten geben könnte, da nicht absehbar ist, wann die Klubs wieder mehr Geld durch höhere Zuschauereinnahmen generieren können.

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Für die Berater war vor allem der März 2020, als die Bundesliga ihren Spielbetrieb einstellte, eine Phase voller Herausforderungen und Unabwägbarkeiten. „Von heute auf morgen wollten alle ausländischen Spieler nach Hause“, erinnert sich Ahnfeldt. Die Vereine gingen mit dieser Situation unterschiedlich um. Es gab keine klare Linie bezüglich Vertragsauflösungen und Verzichtsvorstellungen. Als „hektisch, ungewiss und beängstigend“ charakterisiert King diese Zeit im Rückblick. In den mehr als 20 Jahren in der Branche habe er so etwas noch nicht erlebt. Plötzlich mussten sich die Berater mit neuen Themenfeldern wie zum Beispiel Kurzarbeitergeld befassen.

Die Bubble, in der dann im Sommer 2020 der Deutsche Meister ausgespielt wurde, sorgte dafür, dass Basketball im Gespräch blieb. Für Spieler, deren Verträge bereits aufgelöst worden waren, musste dann aber neu verhandelt werden. Aus Ahnfeldts Sicht kam der größere Schlag aber ein Jahr später: „Nach der schweren Saison 20/21 waren die Klubs wesentlich defensiver, weil viele Sponsoren ihr zusätzliches Engagement nicht aufrechterhalten konnten.“

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„Budgets in Russland werden vermutlich sinken“

„Die befürchtete Delle ist aber in Deutschland nicht entstanden, die Budgets sind relativ stabil geblieben“, führt Wolf aus. Wie Ahnfeldt und King räumt aber auch er ein, dass bei Neuverträgen nicht immer die gewünschten Beträge erzielt wurden. Die Vereine sind nach Einschätzung der Berater abwartender geworden. „Normalerweise werden die Verträge für deutsche Spieler im März abgeschlossen. Diese Gespräche laufen jetzt erst an“, sagt Ahnfeldt.

Während zu den Folgen der Pandemie schon belastbare Aussagen möglich sind, ist dies im Falle des Ukrainekrieges noch nicht möglich. Dennoch zeichnet das Trio ein klares und einheitliches Bild. Fakt ist, dass nationale Spieler in der Basketball-Bundesliga geschützt sind. Die Quotenregelung verhindert, dass bislang in Russland aktive internationale Stars den einheimischen Akteuren ihren Platz streitig machen können. Für ausländische Profis gilt dies aber nicht.

Wolf, der unter anderem den bei ZSKA Moskau unter Vertrag stehenden deutschen Nationalspieler Johannes Voigtmann vertritt, kennt den osteuropäischen Markt sehr gut: „Die Budgets in Russland werden vermutlich deutlich sinken. Dies und die politische Lage würden dann dazu führen, dass deutlich weniger hochpreisige Ausländer im Land spielen.“

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Insbesondere bei den drei russischen Euroleague-Teams wurden bisher hohe Gehälter gezahlt, nicht zuletzt auch wegen des dortigen Steuersystems und der Unterstützung durch den Staat und die Oligarchen. Jetzt fallen diese Mannschaften als Anlaufstelle für hochbezahlte Topspieler weg, die dadurch nach Westeuropa drängen.

Basketballer, die bislang hier ihr Geld verdienen, aber über keinen langfristigen Vertrag verfügen, müssen sich möglicherweise umorientieren und finanzielle Einbußen hinnehmen. Klubs mit Geld und Flexibilität im Kader können diese Konstellation für sich nutzen. Zwar wird der Krieg den Markt negativ beeinflussen, dennoch dürfte die spielerische Qualität in den westeuropäischen Ligen zunehmen.

„Spieler stellen sich wieder pointierter die Frage, wo Sie anheuern sollten“, erkennt King einen Trend: „Es könnte durchaus Spieler geben, die wegen des Stopps der Gaslieferungen und der geographischen Nähe zu Russland nicht in Polen oder Bulgarien unterschreiben werden. Die Tendenz, sich sichere Rahmenbedingungen zu suchen, wird zunehmen.“

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Die Bundesliga hat sich in den letzten Jahren einen guten Ruf erarbeitet und dürfte neben geopolitischen Vorteilen auch von ihrer sportlichen und wirtschaftlichen Stabilität profitieren. Im Prinzip schließt sich die Klammer zur Pandemie, in der viele Akteure sich fragten, wie sicher ihr Job ist, wenn gar nicht oder nur vor leeren Rängen gespielt würde. „Grundsätzlich machen es die Unabwägbarkeiten für den Berater herausfordernder, Karriereentscheidungen mit dem Klienten zu treffen“, sagt Ahnfeldt.

Der Autor ist zweimaliger Trainer des Jahres.

Quelle: F.A.Z.
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