United Volleys vor dem Aus

„Es wird keine Insolvenz geben“

Von Katja Sturm
06.07.2022
, 18:02
Leitet die Geschicke der United Volleys: Alexander Korosek
Die United Volleys werden mit großer Wahrscheinlichkeit keine Lizenz für die kommende Bundesliga-Saison erhalten. Gesellschafter Korosek kündigt an, die rechtliche Lage prüfen zu lassen.
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Es sind emotionale Momente, die Jörg Krick derzeit erlebt. 2015 hatte der Macher der United Volleys das Volleyball-Profiteam gegründet, um seinem Sohn Tobias und anderen deutschen Talenten die Chance zu geben, sich in der Bundesliga bis zum Topniveau weiterzuentwickeln. Auch nach dem Abgang des Mittelblockers nach Italien 2020 hatte der Vater das sportlich erfolgreiche Projekt mit seinen Zuschüssen am Leben erhalten, jedoch den Plan aufgestellt, einen Gesellschafterkreis zu bilden, um dessen Existenz langfristig sicherzustellen.

Ein Jahr später fand sich allein der schon im Frankfurter Football engagierte Luftfahrt-Unternehmer Alexander Korosek bereit, eine größere Summe in den Volleyball zu investieren. Sonst, sagt Krick, hätte er wohl schon damals, direkt nach dem Triumph der Hessen im DVV-Pokalfinale, das Licht im Trainingszentrum Wintersporthalle ausgeknipst.

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Korosek zeigt kein Verständnis

Die Pandemie und die aktuelle Weltlage, die nicht ausreichende Hilfe der Stadt, aber auch das eigene Scheitern daran, trotz großer Kreativität genügend Partner zu gewinnen, um dauerhaft Volleyball auf Topniveau zu gewährleisten, nennt Krick als Gründe dafür, dass das Ende des Projektes jetzt offenbar direkt bevorsteht. Die Liga (VBL) hat den Lizenzentzug noch nicht öffentlich verkündet, und Geschäftsführer Daniel Sattler bestätigt einen entsprechenden Entscheid des zuständigen Gremiums von dieser Woche weiterhin nicht.

Doch Korosek erklärte, am Dienstag darüber informiert worden zu sein. Verständnis zeigte der United-Gesellschafter nicht. Es habe mit der Liga eine schriftliche Vereinbarung über eine Deadline am 11. Juli gegeben. Bis dahin sollten die Volleys im Zuge des Lizenzierungsverfahrens noch fehlende Nachweise zu ihrer Wirtschaftlichkeit nachreichen, die laut Sattler eigentlich schon Mitte Mai fällig gewesen wären. Zu dem Zeitpunkt sollten die Klubs 25 Prozent ihres Etats für die nächste Saison belegen. „Man hat wohl geglaubt, dass wir das sowieso nicht schaffen“, vermutet Korosek. Er werde die rechtliche Lage prüfen lassen.

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Die Spieler haben ein Problem

Egal, wie das ausgeht: Schon vorher deutete vieles darauf hin, dass es keine weitere Erstligasaison mehr für die Frankfurter geben könnte. Korosek selbst bezifferte die Chancen dafür Mitte Juni auf 50 Prozent. Seine Hoffnung bestand eigenen Angaben darin, noch einen von zwei möglichen Sponsoren gewinnen zu können, mit denen er sich in Gesprächen befand. 200.000 bis 250.000 Euro müsste dieser investieren, um trotz des bereits eingeläuteten Sparkurses ein Auflaufen in der Bundesliga zu ermöglichen.

Korosek will die Verhandlungen noch nicht aufgeben. Das Liga-Urteil, obwohl offiziell bis Mittwochnachmittag noch nicht zugestellt, habe sie nicht vereinfacht. Ein Problem haben jetzt vor allem die Spieler. Sie stehen, wenn alles kommt wie befürchtet, drei Monate vor Saisonbeginn ohne Verträge da, haben teilweise andere attraktive Engagements abgelehnt, um für United und unter dem als Ausbilder hochgeschätzten Cheftrainer Christophe Achten ans Netz zu gehen.

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In der vergangenen Saison hatten die Corona-Hilfen den Volleys noch über die höchsten finanziellen Hürden geholfen. Spieler und Trainer wurden regelmäßig bezahlt, andere Mitarbeiter und Dienstleister sollen noch auf größere Summen warten. Auch Fans, die während der Pandemie Tickets für Spiele erwarben, die dann gar nicht oder ohne Zuschauer ausgetragen wurden, sollen noch keine Rückerstattungen erhalten haben.

Krick und Korosek erklären das damit, dass eine größere Summe vom Staat erst sehr spät ankam. Die vergangene Saison werde mit einer Null abgeschlossen. Auch wenn es in der Bundesliga nicht weitergeht, „wird es keine Insolvenz geben“, betont Korosek. Jeder werde sein noch ausstehendes Geld bekommen. Die GmbH soll auf jeden Fall weiterbestehen. „Vielleicht“, sagt Krick, „ruht sie ein paar Jahre.“ Sollte der Dome gebaut werden, mit dessen Planern die Volleys einen Vorvertrag besitzen, könnte United wiedererweckt werden. Doch das sind Zukunftsgespinste. Noch kämpfen die Volleys um ihre Gegenwart.

Quelle: F.A.Z.
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