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Volleyball-EM der Frauen

Ein Star und viele Leichtgewichte

Von Achim Dreis
 - 10:32
Coach und Star: Felix Koslowski hegt große Erwartungen an Louisa Lippmann.zur Bildergalerie

Über die generelle körperliche Unterlegenheit seines Kaders gegenüber den großen Nationen macht sich Felix Koslowski keine Illusionen. „Wir gehören physisch nicht zur Spitze“, sagt der Volleyball-Bundestrainer vor der Europameisterschaft, die für die deutschen Frauen an diesem Freitag (14.30 Uhr) mit dem Auftaktspiel gegen die Schweiz in Bratislava beginnt und erstmals mit 24 Mannschaften in vier Nationen ausgetragen wird. Der Spielplan sieht vier weitere Vorrundenspiele binnen fünf Tagen vor, ehe die jeweils besten vier der Sechsergruppen in die K.o.-Phase starten.

Auch angesichts des happigen Programms setzt Koslowski darauf, kraftsparend zu agieren, um das Minimalziel Viertelfinale erreichen zu können. „Es gibt keine erste Sechs und keine zweite Sechs. Wir trainieren im Rotationsprinzip. Jede muss mit jeder spielen können“, sagt der Verfechter flacher Hierarchien. Spielerinnen, die seltener auf dem Parkett stehen, adelt er mit dem Begriff „Rollenspielerinnen“, die auch mal nur für eine Situation eingewechselt werden und so ihren Beitrag am Gesamterfolg leisten. Aus der Erkenntnis, kleiner und leichter als Gruppenfavorit Russland oder Titelverteidiger Serbien aufgestellt zu sein, zieht Koslowski dennoch positive Schlüsse: „Wir können keine einfachen Bälle mit Kraft verwandeln, deshalb müssen wir innovativer sein als die anderen.“

Die Europameisterschaft geht er mit einem jungen Team an, dessen Durchschnittsalter bei nur 23,7 Jahren liegt. Sechs der 14 Spielerinnen nehmen zum ersten Mal an einer EM teil. Nur die 25 Jahre alte Außenangreiferin Jennifer Geerties war schon 2013 dabei, als „die Schmetterlinge“, wie sich die deutschen Volleyball-Frauen bezeichnen, zuletzt EM-Silber gewannen.

Herausragende Figur des Teams ist freilich Diagonalangreiferin Louisa Lippmann. Die 24-Jährige spielte in der vergangenen Saison für Il Bisonte Firenze in der italienischen Serie A, nachdem sie der Bundesliga sportlich entwachsen war. Nach der EM wird sie zu den Shanghai Volleys in die Liga des Olympiasiegers China wechseln, was nicht nur sportlich sehr anspruchsvoll, sondern auch finanziell extrem lukrativ für sie ist. Der Bundestrainer äußerst sich positiv über die Entwicklung seiner besten Spielerin, die er schon als Vereinstrainer in Schwerin begleitete, sportlich und menschlich. Sie sei „als Person gereift“, nachdem sie „raus aus der Kinderstube, raus aus dem Wohnzimmer“ gegangen war, und nun noch einen weiteren Schritt wagen werde. „Das ist gut für sie, aber auch wichtig für uns“, sagt Koslowski.

„Spielintelligenz“ ist einer der Lieblingsbegriffe des 35-Jährigen, der bei der Nominierung seines Kaders auch darauf achtete, ob die Spielerinnen Spielwitz mitbringen und „out of the box“ denken können, wie er die Fähigkeit zum Querdenken bezeichnet. Vor allem im Angriffsspiel versucht der leidenschaftliche Trainer und Tüftler stets, sich mit seinem Team „neue Lösungen“ zu überlegen, um die vermeintlich Überlegenen mit schnellen Varianten überraschen zu können. „Kleinigkeiten finden“ nennt er das. Auch Geduld gehört zu den Tugenden, die Koslowski als maßgeblich erachtet, um dem Spiel jenseits von Mühe und Kraft eine besondere Komponente zu verleihen. „Da wir nicht alle über Nacht zehn Zentimeter wachsen, müssen wir unser Spiel spielen und konsequent sein“, sagt Louisa Lippmann dazu.

Felix Koslowski gilt als Volleyballverrückter und hat auch kein Problem damit, als solcher bezeichnet zu werden. Als Spieler brachte er es fünfmal zum deutschen Jugendmeister mit dem Schweriner SC, doch schon mit 19 begann er als Ko-Trainer in seinem Heimatverein. Als er 22 war, holte ihn der damalige Bundestrainer Gioyanni Guidetti in den Stab des Frauen-Nationalteams. Es war die erfolgreichste Zeit der „Schmetterlinge“, die damals zwei EM-Silbermedaillen nacheinander gewannen.

„Mich hat der Erfolg bei der EM im eigenen Land extrem angespornt“, erinnert sich die beim USC Münster groß gewordene Louisa Lippmann an den Erfolg 2013, bei der sie selbst gerade erst auf dem Sprung ins Nationalteam stand, ehe sie binnen eines halben Jahrzehnts eine beachtliche Karriere aus der westfälischen Provinz in die Weltspitze hinlegte. Die 1,90 Meter große Diagonalspielerin mit dem starken Schmetterschlag spielt eine Sonderrolle in Koslowskis Kollektiv. Sie muss nicht immer besonders kreative Lösungen finden, sondern darf auch mal einfach draufhauen, wenn es die Situation erfordert – und schnörkellos punkten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Dreis, Achim
Achim Dreis
Sportredakteur.
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