Volleyball-Spieler Zimmermann

Alles auf die 17 auch bei der EM

Von Achim Dreis
09.09.2021
, 09:53
Abklatschen nach einem gelungenen Spielzug: Jan Zimmermann (Mitte) und seine Mitspieler
Die deutschen Volleyballer starten vielversprechend in die EM und sehen zuversichtlich der K.o.-Runde entgegen. Mittendrin agiert Jan Zimmermann, der als Zuspieler eine tragende Rolle einnimmt.
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Er hat schon das Trikot des VfB Friedrichshafen, der Recycling Volleys Berlin und der United Volleys aus Frankfurt getragen, aber auch für Vereine in Poitiers, Masseik und Perugia gespielt. Jan Zimmermann, 28 Jahre, Volleyball-Profi von Beruf, ist rumgekommen, seit er als Teenager seinen Heimatverein TV Rottenburg verlassen hat. Er war deutscher und belgischer Meister, gewann EM-Silber. Und eine Sache blieb dabei immer konstant für den Mann mit dem Spezialgebiet Zuspieler: die 17 auf dem Trikot – so auch beim deutschen Nationalteam, mit dem er derzeit bei der Europameisterschaft in Tallinn aufspielt.

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„Janzi17“, wie sich Zimmermann in den sozialen Medien nennt, ist ein moderner Wanderarbeiter des Sports, der aber wenigstens eine Erinnerung an seine Heimat dabeihaben will: „Die 17 ist meine Hausnummer von zu Hause“, verrät er: „Die Nummer trage ich seit Ewigkeiten.“ Nicht immer und überall, aber meistens schon. Manchmal war sie von einem Etablierten belegt, wenn er kam, bei seiner nächsten Vereinsstation in Padua wird er seine Glückszahl aber wieder tragen können.

Die Rolle des Zuspielers

„Alles auf die 17“ lautet auch das Motto für seine Mitspieler im Wettkampf-Geschehen. Freilich nicht etwa wie beim Roulette mit der Hoffnung auf gut Glück, sondern möglichst gezielt schon bei der Annahme nach gegnerischem Angriff, damit der Regisseur des Spiels wiederum mit dem zweiten Ball bestmöglich die Angreifer seines Teams in Szene setzen kann. Zuspielern wie Zimmermann kommt im Volleyball die maßgebliche Aufgabe zu, das Spiel zu rhythmisieren, die Bälle zu verteilen, die Dynamik der Mitspieler zu nutzen und ihr Können richtig einzuschätzen.

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Dabei agiert Zimmermann mit einer Mischung aus Strategie und Intuition. „Jeder Angreifer hat einen unterschiedlichen Ball nötig“, erklärt der 1,90 Meter große Mann mit dem feinen Händchen sein grundsätzliches Vorgehen. Ein Georg Grozer kann riskanter angespielt werden als andere Angreifer. Zu beachten sei aber auch, welcher Mitspieler gerade „einen Lauf“ habe. Zugleich verfolgt er auch einen taktischen Plan, um den Gegner mit einer Abfolge einstudierter Angriffsvarianten vor knifflige Aufgaben zu stellen.

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Vielversprechender EM-Auftakt

Bei der laufenden EM in Estland lief die Kommunikation mit seinen Mitspielern bislang ziemlich gut, drei der vier Vorrundenspiele hat das deutsche Team gewonnen. Nur gegen Olympiasieger Frankreich musste eine 1:3-Niederlage quittiert werden, wobei Bundestrainer Andrea Giani aber auch die Möglichkeit nutzte, die Breite seines Kaders aufspielen zu lassen, um die bestmögliche Besetzung für die entscheidende Phase des Turniers herauszuarbeiten.

Jan Zimmermann (hinten) verteilt die Bälle, wie hier im Spiel gegen Lettland.
Jan Zimmermann (hinten) verteilt die Bälle, wie hier im Spiel gegen Lettland. Bild: dpa

Vor dem abschließenden Gruppenspiel an diesem Donnerstag (16.00 Uhr) gegen die Slowakei haben die Deutschen jedenfalls den Einzug in die K.-o.-Runde schon gesichert. Ernst wird es am Sonntag oder Montag im Achtelfinale, voraussichtlich gegen Tschechien oder Bulgarien. Zuvor muss aber der Transfer zum zweiten Spielort Ostrava bewerkstelligt werden. „Es dürfte kein Problem sein“, sagt Zimmermann – womit er die anstehende Reise nach Tschechien meint, die mit einem Charterflug über die Bühne gehen soll.

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Das danach anstehende K.-o.-Spiel, bei dem mit einer einzigen schwachen Vorstellung die ganze Arbeit einer gelungenen Vorrunde hinfällig werden kann, geht er mit dem gebotenen Ernst an, empfindet die Aufgabe aber als „positiven Druck“. Auch das vorgeschaltete Spiel gegen die Slowakei sei nicht bedeutungslos, sondern sollte bestmöglich genutzt werden, um Rhythmus aufzunehmen.

Das generell gute Gefühl, mit der deutschen Mannschaft unterwegs zu sein, möchte sich Jan Zimmermann noch eine Weile erhalten. Denn seinen Status als Weltenbummler des Sports findet er zwar grundsätzlich „echt ganz schön“, doch gelegentlich erwische ihn auch das Gefühl der Heimatlosigkeit. „Das ist manchmal nicht so einfach“, bekennt er. Und so fällt dem Nationalteam, dem er seit acht Jahren angehört, der Status „zweite Familie“ in seinem Leben zu. „Wir sehen uns jeden Sommer und sind zum Teil beste Freunde.“ So sein Zimmerpartner Moritz Reichert. „Mit ihm habe ich in den vergangenen Jahren mehr Zeit verbracht als mit meiner Familie“.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Dreis, Achim
Achim Dreis
Sportredakteur.
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