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Kurioser Wechsel im Sport

Plötzlich Volleyballprofi

Von Jan Ehrhardt
 - 08:20
Der Volleyball-Profi: Fabian Sagstetter im Trikot der Heitec Volleys Eltmann

In einer ganz bestimmten Welt ist Fabian Sagstetter ein Star. Egal, wo man nach seinem Namen fragt, ob in Brasilien, Namibia, Amerika oder Deutschland. Man kennt ihn dort. Er ist schließlich einer der besten Faustballspieler der Welt. Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Dreimaliger Weltmeister, dreimaliger Europameister, zweimaliger World-Games-Sieger.

Doch außerhalb dieser Welt ist der 29-Jährige aus Schweinfurt-Oberndorf ein ganz normaler Mensch. Studium, WG-Zimmer, Fahrrad. Viel Geld verdienen kann mit Faustball niemand. Davon leben erst recht nicht. Dass Sagstetter nun mit dem Sport Geld verdient, liegt an dem Seitenwechsel, den er vollzogen hat. Sagstetter ist jetzt Volleyballprofi in der Bundesliga, obwohl er diesen Sport noch nie auf diesem Niveau betrieben hat. Vollzeit-Job, zweimal täglich Training, Gehalt, bezahlte Wohnung. Am Samstagabend ging es für den Novizen, der bei den Heitec Volleys Eltmann angeheuert hat, gleich gegen den Spitzenklub VfB Friedrichshafen. Sagstetter stand als Libero auf dem Feld. Dass die Premiere glatt in drei Sätzen (19:25,17:25,23:25) verloren ging, war zu erwarten.

„Eine verlockende Herausforderung“

Aber der Reihe nach: Im Frühjahr fragte Rolf Werner, Manager des Aufsteigers Eltmann, einer Kleinstadt in Unterfranken, Sagstetter, ob er nicht Lust habe, auf Volleyball umzusatteln. Nachdem sich die Volleys in den vergangenen zwei Spielzeiten jeweils gegen einen Aufstieg entschlossen hatten, fiel in diesem Jahr auch wegen einer besseren finanziellen Ausgangslage die Entscheidung, es als Zweitligameister eine Klasse höher zu versuchen. „Der Sprung von der zweiten in die erste Liga ist gewaltig“, sagt Manohar Faupel, Manager Sport: „Wir wollten da nicht zum Kanonenfutter werden, weshalb wir uns auch perspektivisch völlig neu aufgestellt haben.“

Vor Saisonbeginn wurde also der gesamte Kader umgekrempelt. Erfahrung und Qualität kam hinzu, etwa durch den französisch-brasilianischen Außenangreifer Carlos Antony. Aber das Team sollte auch aufgefrischt werden – und da kam der 1,78 Meter große Sagstetter ins Spiel. „Die sportliche Perspektive war reizvoll, es ist eine verlockende Herausforderung. Auch wusste ich, dass ich mein Studium im Sommer beendet haben würde. Also hat es dieses Mal einfach gepasst“, sagte der Weltmeister, der sein eigentliches Team, den TV Schweinfurt-Oberndorf, in der Faustball-Bundesliga nun vorerst sich selbst überlässt.

Denn nach ein, zwei Probetrainings und einigen Gesprächen in Eltmann war klar: Das wird was. „Fabian bringt Persönlichkeit mit, er ist fit im Kopf. Und auch wenn er noch nie professionell Volleyball gespielt hat, strahlt er durch seine internationale Wettkampf-Erfahrung sehr viel Ruhe aus“, sagt Trainer Marco Donat über seinen Quereinsteiger. Durch seine Statur und Athletik bringt Sagstetter beste Voraussetzungen für die Position des Liberos mit. Das blitzschnelle Erkennen von Spielsituationen sowie ein gutes Ballgefühl und gute Ballkontrolle gehören zu seinen Stärken. „Dabei profitiert er vor allem von seiner Reaktionsschnelligkeit, die er aus dem Faustball mitbringt“, sagt Donat, der in den vergangenen Wochen dennoch intensiv mit seinem Defensivspezialisten arbeiten musste. Sagstetter stieß erst nach der Faustball-WM im August und der deutschen Meisterschaft Anfang September zum Team.

Von Faustball zu Volleyball

Auch wenn sich Faustball und Volleyball in Grundzügen ähneln, sind beide Sportarten doch im Wesentlichen verschieden. Das Faustballfeld (50x20 Meter im Freien, 40x20 Meter in der Halle) ist viel größer als ein Volleyballfeld (18x9 Meter). Dafür darf der Ball zwischen Abwehr, Zuspiel und Angriff – beim Faustball nur mit einem Arm und geschlossener Faust – jeweils den Boden berühren. „Eine der größten Herausforderungen war es, Fabian beizubringen, weniger zu laufen, als er es bislang gewohnt war“, sagt sein Trainer: „Beim Volleyball muss er innerhalb von kürzester Zeit seine Position auf dem Feld finden. Das hat er aber bislang sehr gut umgesetzt.“ An diesem Freitag (19.30 Uhr) steht das erste Heimspiel gegen die United Volleys Frankfurt an. Gespielt wird in der von Eltmann etwa 20 Kilometer entfernten Brose Arena in Bamberg, die mehr als 6000 Zuschauern Platz bietet.

Sagstetter ist also auf bestem Weg, sich auch im Volleyball einen Namen zu machen. Nach dieser Saison will er zurück zum TV Schweinfurt-Oberndorf und nach dem abgeschlossenen Studium ins Berufsleben starten. „Das Ganze ist nur auf ein Jahr ausgelegt. Aber was im Sport eigentlich immer gilt, gilt auch für mich: Sag’ niemals nie.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ehrhardt, Jan
Jan Ehrhardt
Sportredakteur.
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