Triathlon

„Sieg oder Sibirien“: Jan Frodeno sprintet zu Gold

Von Cai Tore Philippsen, Peking
19.08.2008
, 12:30
Mit einem unwiderstehlichen Schlussspurt hat Jan Frodeno die gesamte Weltelite hinter sich gelassen und überraschend Triathlon-Gold in Peking gewonnen. Weltmeister und Mitfavorit Daniel Unger kam enttäuscht nur auf den sechsten Platz.
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In der schlaflosen Nacht vor dem Wettkampf hatte Jan Frodeno die Ziellinie des olympischen Triathlons schon tausendmal als erster überquert. „Ich bin das so oft im Kopf durchgegangen, ich hatte so oft das Zielband in Händen“, sagte der Olympiasieger von Peking. Dass diese Wunschvorstellung nur wenige Stunden später Wirklichkeit werden sollte, daran hat auch er nicht richtig geglaubt.

Bis zu diesem Dienstagvormittag hatte Jan Frodeno noch kein großes Rennen gewonnen, nun siegte er beim wichtigsten. „Das war das Rennen meines Lebens, ich bin wie in einem Tunnel gelaufen“, sagte der 27 Jahre alte Profi. Sein Trainingspartner und Vorbild, der Weltmeister von 2007 Daniel Unger, kam enttäuscht auf Platz sechs ins Ziel.

Auf der Zielgerade kam es zum Showdown

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Nach 1500 Metern Schwimmen, 40 Kilometern auf dem Rad und neuneinhalb Kilometern Laufen bei kräftezehrenden Temperaturen von 30 Grad im Schatten fiel die Entscheidung erst auf den letzten 500 Metern im Schlussspurt. Der aktuelle Weltmeister Javier Gomez aus Spanien, der Olympiasieger von Sydney, Simon Whitfield aus Kanada und der Silbermedaillengewinner von Athen, Bevan Docherty aus Neuseeland hatten auf den letzten Kilometern der Laufstrecke mit Frodeno die Spitzengruppe gebildet.

„Die drei sind die besten der Welt, ich habe immer versucht, nicht an ihre Namen zu denken und mich auf mein eigenes Rennen zu konzentrieren“, sagte Frodeno. Dann musste Gomez, der zuvor als sicherer Goldkandidaten galt, die anderen drei ziehen lassen. Und auf der mit blauem Teppich ausgelegten Schlussgeraden kam es dann zu großen Showdown.

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Der selbsternannte Favorit Unger hat 50 Sekunden Rückstand

„Sieg oder Sibirien“, hätte er in diesem Augenblick gedacht, erzählte Frodeno später, und dann habe ein eintrainierter Automatismus eingesetzt. Der 1.94 Meter große Frodeno rannte den beiden um so vieles erfahreneren Profis mit Riesenschritten davon und hielt nach 1:48:53 Stunden tatsächlich das Siegerband in der Hand. Zweiter wurde Whitfield, Dritter Docherty.

Erschöpft ließ Frodeno sich auf den Rücken fallen, nur noch seine beiden ausgestreckten Zeigefinger waren zu sehen. Dann rappelte er sich wieder auf, griff sich eine deutsche Fahne und schrie seine Freude heraus. Erst jetzt kam der selbsternannte Mitfavorit um die Goldmedaille Daniel Unger ist Ziel. Er hatte auf der zweiten von vier 2,5 Kilometer langen Laufrunden den direkten Anschluss an die Spitze verloren. 50,50 Sekunden betrug sein Rückstand im Ziel.

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„Habe die Lektion zum richtigen Zeitpunkt gelernt“

Dass sich das Rennen erst auf den letzten Metern entscheiden würde, hatten die deutschen Triathleten vorausgesehen und sich in den vergangen Monaten bei ihrer Trainingsarbeit vor allem auf die letzten Meter konzentriert. Das zahlte sich nun aus. „Bisher habe ich alle Rennen sehr knapp verloren, aber ich habe meine Lektion bis zum richtigen Zeitpunkt gelernt“, sagte Frodeno.

Immer wieder habe er sich während des Rennes daran erinnert, dass er noch Kraft für einen Endspurt brauchen würde. Nicht zu früh zu viel zu wollen, war an diesem heißen Tag 50 Kilometer nördlich von Peking am Mingtomb Stausee entscheidend. Alle Ausreißer wurden eingeholt und durchgereicht. „Er hat taktisch hervorragend gearbeitet“, sagte Triathlon-Sportdirektor Rolf Ebeling.

Vier bis acht Stunden Training jeden Tag

Und eine Erklärung, warum nicht Favorit Unger sondern Außenseiter Frodeno siegte, hatte er auch: „Jan hatte seine Ruhe, Daniel hatte viele Termine.“ Zudem stand der Weltmeister unter Druck, mit Frodeno rechnete niemand. Sein erstes Olympiasieger-Interview gab Frodeno dem amerikanischen Sender NBC, in perfektem Englisch. Seine Eltern waren nach Südafrika ausgewandert, als er ein kleiner Junge war. Sein erster Sport war Wellenreiten. Mit Sechzehn ist er dann öfter zum Schwimmtraining gegangen. Erst mit Neunzehn hat er in Südafrika seinen ersten Triathlon gemacht, „da war ich sofort vom berühmten Virus infiziert“.

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2004 kommt Frodeno nach Deutschland zurück und macht mit der Triathletin Anja Dittmer und deren Freund Kris Gemmel (39. in Peking) eine Triathlon-Wohngemeinschaft in der nähe des Olympiastützpunktes Saarbrücken auf. Rund 1.100 Kilometer im Wasser, 12.500 auf dem Rad und 4.400 in Laufschuhen hat Jan Frodeno in diesem Jahr hinter sich. Vier bis acht Stunden Training standen jeden Tag auf dem Programm.

1,94 Meter, 75 Kilogramm

In den letzten beiden Monaten hat er ein Zimmer direkt im Olympiastützpunkt bezogen, „mit einer Matratze auf dem Boden und der Olympiafahne an der Wand“. Wie ein Asket habe er gelebt, erzählt Frodeno. Bei einem Körpergewicht von 75 Kilogramm und einer Größe von 1,94 Metern ist das nicht zu übersehen. Auch zu seinem Geburtstag an diesem Montag gab es nur Wasser. Nun will er mit seinen Freunden und Eltern feiern. Was danach komme, wisse er nicht. „Meine Lebensplanung reichte genau bis zum Start des Rennens.“

Quelle: FAZ.NET
Cai Tore Philippsen  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Cai Tore Philippsen
Verantwortlicher Redakteur für die Redaktion FAZ.NET
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