Basketball bei Olympia

Deutschland und das Duell mit Doncic

Von Anno Hecker, Tokio
02.08.2021
, 19:09
Luka Doncic besitzt die Fähigkeit, Mitspieler besser aussehen zu lassen –  auch dank seiner besonderen Begabung, verdeckte Pässe zu spielen.
Im Viertelfinale des olympischen Turniers trifft das deutsche Basketball-Team auf Slowenien. In deren Reihen steht ein Jahrhundert-Spieler, der die Fähigkeit hat, Mitspieler besser aussehen zu lassen.

Deutschland gegen Slowenien. Nein, das trifft es nicht. So formal korrekt die Auslosung vom Sonntagabend des Viertelfinales auch wiedergegeben wird: Hinter dieser Begegnung am Dienstag steckt mehr. Vielleicht ist es die spektakulärste, die den Deutschen widerfahren konnte. Interessanter und sehenswerter noch als die bisher eher pflichtmäßige Präsentation der amerikanischen NBA-Auswahl.

Slowenien hat Luka Doncic. 28,3 Punkte im Schnitt pro Spiel im Kreis seiner Landsleute. Ihr Star, der Star der Dallas Mavericks, der NBA. Einer der besten Spieler der Welt. 22 Jahre alt, aber längst auf dem Weg zu einem der ganz Großen seines Sports. Die Deutschen wollen ihn stoppen, sie müssen.

Dieser Vorspann liest sich so, als stünde ein Duell eins gegen fünf auf dem Programm: Doncic gegen Deutschland. Das Besondere an Spielern mit außergewöhnlichem Potential in einer Mannschaftssportart ist nicht allein die Fähigkeit, alles an sich zu ziehen. Ihnen ist die soziale Intelligenz gemeinsam, zu verbinden, abzugeben. Doncic, ein Jahrhunderttalent, lässt Mitspieler besser aussehen. Am Sonntag, beim Sieg über Weltmeister Spanien, erzielte er zwölf Punkte. Wichtiger noch waren seine neun Pässe zum direkten Korberfolg. Dazu kamen 14 Rebounds. Doncic ist Teamplayer. 16 Spiele in Serie haben die Slowenen nicht mehr verloren.

Bei den Deutschen ist das Gefühl der Niederlage frisch. Am Samstag unterlagen sie Australien 76:89. Ein Medaillenkandidat, wie Slowenien. „Ich glaube, dass wir gegen jede Mannschaft eine Chance haben“, hatte Bundestrainer Henrik Rödl vor der Auslosung gesagt. „Wir müssen dann nur wirklich das allerbeste Spiel des Sommers raushauen.“ Gegen Australien hielten die Deutschen lange mit, ehe sie sich innerhalb von zwei Minuten vier Ballverluste leisteten, insgesamt dreimal so viele wie Australien. Mit 18 sogenannten „Turnovers“ lässt sich kein Spiel gewinnen. „Das war schlecht, ja“, sagt DBB-Sportdirektor Armin Andres. „Ich bin mir aber sicher, dass die Mannschaft die Qualität, die sie sich im Sommer erarbeitet hat, abrufen wird.“ Zusammenzustehen als Einheit in schwierigen Momenten – und dann das in allen drei Spielen immer wieder mal gezeigte Niveau über vierzig Minuten halten.

Am Dienstag (03.00 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Olympia, in der ARD und bei Eurosport) wird das vor allem in der Verteidigung nötig sein: „Wir werden einen Weg finden müssen, Doncic zu stoppen“, sagte Rödl. Er könnte es mit Isaac Bonga versuchen oder Niels Giffey, mit Länge und Beweglichkeit scheinen die beiden am ehesten in der Lage, seinen Rhythmus zu stören. Aber das haben schon viele versucht.

Selbst wenn die Reise des Teams am Dienstag zu Ende ginge, bliebe ein Gewinn. 29 Jahre ist es her, dass eine deutsche Auswahl das Viertelfinale bei Olympischen Spielen erreichte. „Damit haben wir das erste Ziel der Vereinbarung mit dem Deutschen Olympischen Sportbund erreicht“, sagte Ingo Weiss, der Präsident des Deutschen Basketball-Bundes (DBB). Mit dem Einzug ins Viertelfinale kam der DBB einen Schritt weiter. „Wir können nach den Spielen mit breiter Brust beim DOSB und beim Bundesinnenministerium eine Mittelsteigerung beantragen“ , fügte Weiss hinzu: „Wir haben Potential, das wird niemand bestreiten.“

Es passt ins Bild, dass am Freitag Franz Wagner ein spektakulärer Sprung gelang. Er wurde als achter Spieler ausgewählt von Orlando Magic bei der Nachwuchsspieler-Auktion der NBA namens Draft. Gut möglich, dass er bald zusammen mit seinem Bruder Moritz bei großen Ereignissen im Nationaltrikot antritt. Im kommenden Jahr sind die Deutschen zum großen Teil an der Ausrichtung der EM beteiligt. Dann folgt 2022 die WM. In drei Jahren will Weiss die nächste deutsche Auswahl bei den Spielen in Paris siegen sehen: „Wir haben so viele Topspieler, das sieht man ja hier in Tokio. Wir sind unter den besten acht. Die Reise sollte weitergehen.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hecker, Anno
Anno Hecker
Verantwortlicher Redakteur für Sport.
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