FAZ plus ArtikelNeuer Termin für 2021

Olympia pragmatisch

EIN KOMMENTAR Von Evi Simeoni
31.03.2020
, 06:40
Der neue Olympia-Termin ist fix. Es entsteht großer Schaden, aber die Spiele sind nicht abgesagt. Dafür waren zwei Wochen der Unsicherheit und Empörung für die Sportler wahrscheinlich sogar ein angemessener Preis.

Der kanadische Anwalt Richard Pound galt lange Zeit als das Rauhbein der olympischen Bewegung, der Mann, der mit leicht zynischem Unterton die Dinge beim Namen nannte und damit die Medien mit Schlagzeilen fütterte. Bis vor zwei Jahren blieb er standhaft bei seiner Kritik am verstörend milden Umgang von Thomas Bach, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), mit dem russischen Staatsdoping. Pound verlor dadurch Ämter und Einfluss, und vielleicht ist das die Erklärung, warum er Bach inzwischen immer verbal unterstützt. Weichgespült, wie das bei IOC-Mitgliedern des Bach-Zeitalters die Regel ist? Anzunehmen.

Trotzdem hat es Sinn, dem erfahrenen Pound, 78 Jahre alt und damit der Doyen des IOC, zuzuhören. Zumal das IOC in den vergangenen Wochen – falls das überhaupt möglich ist – noch intransparenter agierte als sonst, so dass Meinungen zurzeit viel wohlfeiler zu haben sind als echte, glaubwürdige und nicht nur von Bach taktisch plazierte Informationen. Was im Übrigen eine dramatische Schwäche seiner Präsidentschaft illustriert, die sein Image auch bei den Leistungssportlern trotz seines zähen Ringens um Olympia, wie sie es kennen, noch weiter verschlechtert hat.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Simeoni, Evi
Evi Simeoni
Sportredakteurin.
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