Olympisches Golf-Turnier

Schauffele gewinnt Gold für deutschen Vater

Von Wolfgang Scheffler
01.08.2021
, 15:31
Xander Schauffele mit seinem Vater: „Ich wollte für ihn gewinnen. Das bedeutet mehr als alles andere“.
Dem Amerikaner Xander Schauffele gelingt der große Coup mit dem Triumph beim olympischen Golfturnier. Der 27-Jährige mit internationalem Stammbaum hätte auch für Deutschland starten können.
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Dieser Triumph ist längst überfällig gewesen. Xander Schauffele war in seiner jungen Profikarriere bei den vier Majors sechs Mal unter den Top fünf gelandet, darunter zwei Mal gar auf Platz zwei (British Open 2018, Masters 2019). Am Sonntag gelang dem 27 Jahre alten Kalifornier endlich der große Coup, der Gewinn der olympischen Goldmedaille – und das nach fast zwei sieglosen Jahren.

Nervenstark setzte sich der Weltranglistenfünfte mit einem Birdie am 17. Loch von Rory Sabbatini ab, der dank seiner glanzvollen Schlussrunde von 61 mit insgesamt 267 Schlägen (17 unter Par) früh die Marke setzte, die es zu unterbieten galt. Schauffele rettete nach einem verzogenen Abschlag am 18. Loch spektakulär das Par und siegte dank einer Schlussrunde von 67 mit insgesamt 266 Schlägen vor dem gebürtigen Südafrikaner, der nach seiner Ehe mit der Slowakin Martina Stofanikova 2019 auch noch die Staatsbürgerschaft dieses Landes annahm.

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Im Stechen um die Bronzemedaille standen gleich sieben Spieler, die alle insgesamt 269 Schläge (15 unter Par) benötigten. Am vierten Extra-Loch setzte sich schließlich der 29 Jahre alte Pan Cheng-tsung aus Taiwan, im Profigolf nur als C.T. Pan bekannt, gegen den amerikanischen British-Open-Sieger Collin Morikawa mit einem Par durch.

„So stolz auf meinen Sohn“

„Das war der größte Druck, den ich jemals überstehen musste“, sagte Schauffele, der im Moment seines größten Erfolges zuerst an seinen Vater dachte, der ihn bis heute als Trainer betreut. „Ich wollte unbedingt für meinen Vater gewinnen. Ich bin sicher, er weint jetzt irgendwo. Ich wollte diesen Sieg mehr als jeden anderen.“

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Auch Vater Stefan Schauffele konnte seine Freude kaum in Worte fassen: „Ich bin so stolz auf meinen Sohn. Es ist sein bisher bedeutungsvollster Sieg.“ Stefan Schauffeles Traum, einmal bei Olympia anzutreten, war für den in Stuttgart aufgewachsenen Zehnkämpfer beendet, als er mit zwanzig Jahren bei einem Unfall von einem angetrunkenen Lastwagenfahrer schwer verletzt wurde und auf einem Auge erblindete.

Er ging nach mehreren Operation zum Studium in die Vereinigten Staaten und arbeitete später als Golflehrer in San Diego. Wohl auch um sich eine Olympiateilnahme zu sichern, beantragte Xander Schauffele vor vier Jahren auch einen deutschen Pass. Aber weil er nach seinen guten Ergebnissen, insgesamt fünf Siege auf der PGA Tour, in der Weltrangliste weit nach oben kletterte und unter den vier amerikanischen Olympia-Qualifikanten stand, startete er in Japan für sein Geburtsland.

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Dagegen nutzte Sabbatini die olympische Regel, die es Athleten mit mehreren Staatsangehörigkeiten erlaubt, das Land, für das sie starten, selbst zu wählen. So spielte der mit 45 Jahren Älteste im Feld für die Slowakei, ein Land mit gerademal 9000 Golfern und nur 26 Plätzen. Sabbatini war am Schlusstag gemeinsam mit seiner Ehefrau als Caddie mit sieben Schlägen Rückstand auf die Schlussrunde gegangen. Dem in der Weltrangliste nur auf Rang 204 geführten Außenseiter gelang die Runde seines Lebens: ein Eagle, zehn Birdies, fünf Pars und zwei Bogeys – 61 Schläge (10 unter Par), ein olympischer Rekord.

In seiner internationalen sportlichen Familie gab es auch Fußballer und Leichtathleten: Xander hat den Golf-Schwung raus
In seiner internationalen sportlichen Familie gab es auch Fußballer und Leichtathleten: Xander hat den Golf-Schwung raus Bild: Reuters

Die beiden Deutschen im Feld hatten schon vom ersten Tag an nichts mit dem Rennen um die Medaillen zu tun. Am Finaltag waren Hurly Long und Max Kieffer (Position 45) mit dem Weltranglistenvierten Justin Thomas unterwegs, der das Turnier mit 65 Schlägen auf dem geteilten Rang 22 abschloss. Dem 26 Jahre alten Long aus St. Leon-Rot glückte nach drei Runden von jeweils 70 am Sonntag mit 67 Schlägen die beste Runde. Auch wenn das nur für den geteilten 32. Rang reichte, zog er ein positives Fazit: „Das Erlebnis Olympia war unfassbar cool. Auch für meine Karriere ist es eine tolle Sache, dass ich das jetzt in meinen Steckbrief stehen habe.“

Quelle: F.A.Z.
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