Diskussion um Olympia in Tokio

Absage nicht ausgeschlossen

Von Patrick Welter, Tokio
15.04.2021
, 09:26
100 Tage bis Olympia: Von Vorfreude wenig zu spüren.
Ein ranghoher japanische Politiker heizt die Diskussion um die Austragung der Olympischen Spiele in Japan weiter an. Auch die Bevölkerung bleibt skeptisch.
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Noch am Mittwoch hatten Japan und Tokio sich bemüht, 100 Tage vor dem geplanten Beginn der Olympischen Spiele trotz Corona etwas Glanz zu verbreiten. Am Tag darauf kehrte Ernüchterung ein. Einer der wichtigsten Politiker der regierenden Liberaldemokraten, Generalsekretär Toshihiro Nikai, schloss in einem Fernsehinterview die Option nicht aus, dass die Spiele noch abgesagt werden, sollte die Viruslage das notwendig machen.

„Was ist der Punkt der Olympischen Spiele, wenn sie die Ursache dafür sind, dass Infektionen verbreitet werden? Wir müssten die Spiele entschlossen aufgeben, wenn wir den Punkt erreichen, an dem wir die Spiele nicht mehr sicher abhalten können“, sagte Nikai. Das Sportfest wurde wegen der Corona-Pandemie auf dieses Jahr verschoben und soll am 23. Juli beginnen.

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Nikai sagte zugleich, dass er in den Olympischen Spielen eine große Chance für Japan sehe. Doch seine Bemerkung machte in Japan schnell Schlagzeilen. 39 Prozent der Bevölkerung wünschen aus Sorge vor dem Coronavirus, dass die Spiele in diesem Sommer abgesagt werden. 33 Prozent wünschen eine Verschiebung.

Es ist sehr selten, dass japanische Politiker auch nur über die Möglichkeit einer Absage sprechen. Reformminister Taro Kono sagte in einem anderen Interview, Japan werde die Spiele auf eine Art abhalten, die möglich sei. „Das kann ohne Zuschauer sein.“ Die Organisatoren haben ausländische Zuschauer schon ausgeladen, um das Risiko von Infektionen zu verringern.

Nikai ruderte später am Tag in einer Erklärung ein wenig zurück. „Unsere Haltung hat sich nicht geändert“, heißt es darin. Man unterstütze die Organisatoren weiter in dem Bemühen, sichere Spiele abzuhalten. Was er habe sagen wollen sei, dass Japan die Spiele nicht abhalten wolle, ganz gleich, was passiere.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Welter, Patrick
Patrick Welter
Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
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