Das war die Nacht in Tokio

24 Minuten Olympia für eine Zwölfjährige

24.07.2021
, 08:18
Die erst zwölf Jahre alte Hend Zaza aus Syrien scheidet früh aus.
Die erste Olympia-Nacht in Tokio bringt das Aus für die jüngste Sportlerin der Spiele, das erste Gold für China und erste deutsche Erfolge wie Enttäuschungen. Dazu gibt es einen Eklat im Judo.

Die Olympischen Spiele nehmen am ersten Tag nach der Eröffnungsfeier richtig Fahrt auf. In vielen Sportarten geht es los. Es gibt schon die erste vergebene Goldmedaille, die ersten Enttäuschungen, den ersten Jubel, die ersten besonderen Geschichten. FAZ.NET bietet jeden Morgen einen Überblick, was in der deutschen Nacht bei sieben Stunden Zeitverschiebung zu Japan schon passiert ist.

Schnell vorbei: Ganze 24 Minuten dauerte ihr Abenteuer – und doch schrieb Hend Zaza Geschichte: So jung wie die Tischtennisspielerin aus Syrien trat lange keine Athletin und kein Athlet bei Sommer- oder Winterspielen an. Die Zwölfjährige hatte sich das Olympiaticket Anfang 2020 beim westasiatischen Qualifikationsturnier gesichert. Nun unterlag sie in der ersten Runde der 27 Jahre älteren Liu Jia aus Österreich 0:4. Den Historikern zufolge waren in der Geschichte der Spiele nur vier Olympioniken jünger als Zaza, zuletzt die rumänische Eiskunstläuferin Beatrice Hustiu 1968 in Grenoble. Der jüngste Teilnehmer seit Beginn der modernen Spiele ist der Grieche Dimitrios Loundras, der bei der ersten Auflage 1896 in Athen im zarten Alter von zehn Jahren in der Mannschaft der Gastgeber turnte.

Auftakt-Gold: Die chinesische Schützin Qian Yang hat im Luftgewehr über die Zehn-Meter-Distanz das erste Gold in Tokio geholt. Auf der Asaka Shooting Range setzte sie sich im Finale der besten Acht mit einem olympischen Rekord von 251,8 Ringen gegen die Russin Anastasia Galaschina durch. Dritte wurde die Schweizerin Nina Christen. Jolyn Beer vom SV Lochtum verpasste als 17. der Qualifikation das Finale.

Corona: Nach dem corona-bedingten Aus von Zimmerkollege Simon Geschke durfte Emanuel Buchmann beim Straßen-Radrennen an den Start gehen. Auch ein zweiter PCR-Test des 28-Jährigen sei negativ ausgefallen, teilte der Bund Deutscher Radfahrer mit. Geschke konnte sich seinen positiven Corona-Test nach vorheriger Impfung nicht erklären. „Es war ein großer Schock. Ich habe den ganzen Tag gedacht, dass der positive Test ein Fehler ist“, sagte Geschke dem ZDF. Die Organisatoren vermeldeten am Samstag 17 weitere Corona-Fälle mit Olympia-Bezug.

Tennis: Anna-Lena Friedsam ist als erste Deutsche im Einzel-Wettbewerb in die zweite Runde eingezogen. Bei ihrem Olympia-Debüt rang die 27-Jährige aus Andernach die Britin Heather Watson 7:6 (7:5), 6:3 nieder. Die Neumünsteranerin Mona Barthel hatte sich zuvor gleich zum Auftakt aus dem Wettbewerb verabschiedet. Der zweimalige French-Open-Sieger Kevin Krawietz kam gemeinsam mit Tim Pütz im Doppel eine Runde weiter. Auch Jan-Lennard Struff gewann sein Auftaktmatch gegen den Brasilianer Thiago Monteiro 6:3, 6:4 und ermöglichte sich damit ein wahrscheinliches Duell mit dem Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic.

Tischtennis: Das Duo Petrissa Solja und Patrick Franziska hat dem deutschen Tischtennis-Team einen erfolgreichen Start beschert. Bei der Olympia-Premiere des Mixed-Team-Wettbewerbs erreichten die 27-jährige Berlinerin und der 29-Jährige aus Saarbrücken ohne größere Probleme das Viertelfinale. Gegen die Kubaner Daniela Fonseca und Jorge Campos setzte sich das Duo im Achtelfinale mit 4:0 durch.

Rudern: Angeführt vom direkten Finaleinzug des Deutschland-Achters haben die deutschen Ruderer an ihrem zweiten Wettkampftag überzeugt. Das Paradeboot des Deutschen Ruder-Verbandes zog bei auf den letzten Metern des Vorlaufs auf dem Sea Forest Waterway noch an den lange führenden US-Ruderern vorbei und sicherte sich Platz eins. Auch der Leichtgewichts-Doppelzweier mit Jonathan Rommelmann (Krefeld) und Jason Osborne (Mainz) untermauerte mit einem überzeugenden Sieg im Vorlauf seinen Ruf als Medaillenkandidat.

Judo: Die deutschen Judokas Katharina Menz und Moritz Plafky sind gleich in ihren ersten Kämpfen ausgeschieden. Die 30 Jahre alte Menz aus Backnang unterlag der Chilenin Mary Dee Vargas Ley in der Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm in der Verlängerung. Der 25 Jahre alte Plafky aus Hennef verlor im berühmten Kampfsportzentrum Nippon Budokan in der Klasse bis 60 Kilogramm gegen den Belgier Jorre Verstraeten ebenfalls im Golden Score mit Ippon.

Bogenschießen: Die deutschen Bogenschützen sind im Mixed-Wettbewerb bereits nach dem ersten Schießen ausgeschieden. Michelle Kroppen und Florian Unruh verloren am Samstag im Yumenoshima Park mit ihrem olympischen Recurvebogen gegen die favorisierten Mexikaner 2:6.

Fechten: Die Säbelfechter um Athletensprecher Max Hartung verpassen die erhoffte Einzelmedaille. Hartung unterlag im Achtelfinale dem Iraner Ali Pakdaman mit 9:15. Sein Teamkollege Matyas Szabo verlor in der Runde der letzten 16 mit 13:15 gegen den Russen Kamil Ibragimow. Dieser hatte im Sechzehntelfinale zuvor schon den dritten deutschen Starter, Benedikt Wagner, besiegt. Hartung, der Star der deutschen Säbel-Herren, wird seine Karriere nach den Spielen in Japan beenden. Je zwei EM-Titel im Einzel und mit der Mannschaft gewann der Ausnahmekönner aus Dormagen schon, dazu mit dem Team die WM 2014. Eine olympische Medaille fehlt ihm noch. Sie wäre der krönende Abschluss für den gebürtigen Aachener. Die letzte Chance dafür bietet sich ihm nun im Teamwettbewerb am Mittwoch.

Eklat: Der algerische Judoka Fethi Nourine hat bei den Olympischen Spielen in Tokio seinen Auftakt-Kampf gegen einen Israeli verweigert und auf eine Teilnahme verzichtet. Der Internationale Judo-Verband nahm daraufhin am Samstag Ermittlungen gegen den 30 Jahre alten Sportler und dessen Trainer auf. Beide seien vorläufig suspendiert worden, eine Disziplinarkommission solle nun über weitere Folgen entscheiden, teilte der Weltverband IJF mit.

Zuschauer: Viele Japaner haben eine der wenigen Chancen genutzt, olympischen Sport live zu verfolgen. Beim Radrennen der Männer waren zahlreiche Zuschauer am Straßenrand zu sehen, mitunter standen die Fans in mehreren Reihen an der Strecke. Die Behörden hatten die Bevölkerung eigentlich aufgerufen, wegen den steigenden Corona-Zahlen nicht an die Strecke zu gehen. Ein Verbot gab es aber nicht.

Wetter: Japans Olympia-Macher bereiten sich auf einen Taifun vor. Der Wirbelsturm – der achte der Saison – bewegte sich am Samstag über dem Pazifik Richtung der japanischen Hauptinsel Honshu und droht voraussichtlich am 27. Juli in der Region Kanto mit der Hauptstadt Tokio auf Land zu treffen. Für diesen Fall werde man entsprechende Maßnahmen treffen, sagte Masa Takaya, Sprecher des japanischen Olympia-Organisationskomitees.

Quelle: tora./dpa/sid
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