Das war die Nacht in Tokio

Sieben Matchbälle vergeben

25.07.2021
, 09:55
Sieben Matchbälle und doch kein Sieg: Patrick Franziska und Petrissa Solja sind denkbar knapp ausgeschieden.
Die zweite Olympia-Nacht in Tokio bringt eine verdorbene Premiere im Wellenreiten, einen Weltrekord im Schwimmen und eine Radsport-Sensation in rot-weiß-rot.

Die Olympischen Spiele nehmen weiter Fahrt auf. Es werden weitere Medaillen verteilt, einige Enttäuschungen verarbeitet, besondere Geschichten erzählt. FAZ.NET bietet jeden Morgen einen Überblick, was in der deutschen Nacht bei sieben Stunden Zeitverschiebung zu Japan schon passiert ist.

Sensation mit Fahrrad: Die österreichische Radsportlerin Anna Kiesenhofer hat sensationell Olympia-Gold im Straßenrennen gewonnen. Die 30-Jährige setzte sich bei den Spielen in Tokio nach 137 Kilometer am Mount Fuji als Solistin vor der Niederländerin Annemiek van Vleuten durch. Bronze sicherte sich Elisa Longo Borghini aus Italien. Beste Deutsche wurde Lisa Brennauer (Kempten) als Sechste. Es ist die erste österreichische Goldmedaille seit Kate Allen im Triathlon 2004 in Athen. Zuletzt hatte Adolf Schmal 1896 ebenfalls in Athen Gold für Österreich im Radsport geholt.

Überraschung im Segeln: Große Überraschung zum Auftakt der olympischen Segelwettbewerbe: Die Kielerin Svenja Weger siegte in der zweiten Wettfahrt im Laser Radial und übernahm nach Platz fünf zum Auftakt die Gesamtführung vor Enoshima. Die 28 Jahre alte Sportsoldatin startete bei leichten Winden zweimal couragiert und arbeitete sich taktisch sicher mit gutem Bootsspeed an die Spitze. Zweimal klopfte sie hinter der Ziellinie aufs Deck ihrer Jolle und schüttelte fast ungläubig den Kopf.

Schlechte Wellen: Wellenreiter Leon Glatzer ist bei der olympischen Premiere im Surfen früh gescheitert. Der 24-Jährige mit Wurzeln in Kassel schied vor dem Strand von Tsurigasaki bereits in der Hoffnungsrunde aus. In der ersten Runde hatte Glatzer (10,00) als Dritter hinter dem zweimaligen Weltmeister Gabriel Medina aus Brasilien (12,23) sowie dem Franzosen Michel Bourez (10,10) den direkten Einzug in die Runde der besten 16 zunächst denkbar knapp verpasst. Auch über den „Umweg“ der Hoffnungsrunde gelang ihm das Weiterkommen anschließend nicht: Glatzer verbuchte lediglich eine Punktzahl von 10,43, zu wenig, um einen der erforderlichen ersten drei Plätze zu belegen.

Aus mit Florett: Florettfechterin Leonie Ebert ist im Achtelfinale unglücklich ausgeschieden. Die 21-Jährige unterlag der Italienerin Alice Volpi mit 13:15. In einem spannenden und mitunter hitzigen Gefecht mit vielen engen Entscheidungen lag die Würzburgerin gegen die Weltmeisterin von 2018 zwischenzeitlich mit 7:2 vorne, gab ihre Führung aber aus der Hand. Zuvor hatte sie sich bei ihrer Olympia-Premiere in einem ebenso ausgeglichenen Duell mit der Amerikanerin Jacqueline Dubrovich mit 15:14 durchgesetzt. Ebert ist die einzige deutsche Fechterin, die an den Spielen in Japan teilnahm.

Pech im Tischtennis: Patrick Franziska und Petrissa Solja sind im Viertelfinale des ersten Tischtennis-Wettbewerbs der Olympischen Spiele in Tokio denkbar knapp ausgeschieden. Die WM-Dritten unterlagen im Mixed trotz einer 10:6-Führung im entscheidenden Satz den Japanern Jun Mizutani/Mima Ito mit 3:4. Das dramatische Match im Metropolitan Gym dauerte 73 Minuten. Gegen Mizutani, der 2016 in Rio Bronze gewonnen hatte, und die Weltranglistenzweite Ito hatten die Deutschen den Überraschungssieg auf dem Schläger, der letzte Punkt wollte ihnen aber nicht gelingen. Enttäuscht sackten sie nach der Niederlage zusammen.

Fast eine Medaille im Schwimmen: Henning Mühlleitner hat eine Medaille nur ganz knapp verpasst. Der 25-Jährige belegte über 400 Meter Freistil den vierten Platz. Mühlleitner war völlig überraschend als Vorlaufbester in den Endlauf eingezogen und hatte damit Hoffnungen auf die erste Medaille der deutschen Beckenschwimmer seit 2008 geweckt. „Jetzt ist es natürlich die Blechmedaille oder Holzmedaille oder wie auch immer man es nennen mag, aber das stört mich relativ wenig“, sagte Mühlleitner und war „maximal zufrieden mit dem, was ich heute geleistet habe“.

Staffel mit Weltrekord: Die australische Frauen-Staffel hat bei den Olympischen Spielen einen Weltrekord über 4 x 100 Meter Freistil aufgestellt. Mit einer Zeit von 3:29,69 Minuten gewannen die Schwimmerinnen aus Australien am Sonntag in Tokio die Goldmedaille. Im Finale setzten sie sich vor den Teams aus Kanada und den USA durch. Die bisherige Bestmarke über die Distanz lag bei 3:30,05 Minuten und war im April 2018 auch durch ein australisches Team aufgestellt worden.

Enttäuschung im Judo: Auch am zweiten Tag der olympischen Judo-Wettkämpfe ist der deutsche Starter gleich im ersten Kampf ausgeschieden. Sebastian Seidl aus Abensberg verlor am Sonntag sein Duell in der Gewichtsklasse bis 66 Kilometer mit dem Russen Jakub Schamilow durch Bestrafungen in der Verlängerung. Der 31-Jährige wurde mit einem dritten Shido bestraft und dadurch disqualifiziert.

Überraschung im Tennis: Die japanische Gold-Hoffnung Naomi Osaka hat bei den Olympischen Spielen in Tokio souverän die zweite Runde erreicht. Die viermalige Grand-Slam-Siegerin Osaka, die am Freitag das olympische Feuer entzündet hatte, schlug die Chinesin Zheng Saisai 6:1, 6:4. Ashleigh Barty (Australien) ist dagegen zwei Wochen nach ihrem Wimbledon-Triumph in der ersten Runde gescheitert. Die Nummer eins der Weltrangliste verlor bei ihrer ersten Olympia-Teilnahme 4:6, 3:6 gegen die Spanierin Sara Sorribes Tormo. Nach einem Marathon-Match ist auch Laura Siegemund in der ersten Runde ausgeschieden. Sie musste sich der an Position vier gesetzten Ukrainerin Jelina Switolina 3:6, 7:5, 4:6 geschlagen geben.

Souverän im Einzel: Ohne Probleme hat Alexander Zverev seine Olympia-Premiere im Einzel gewonnen. Einen Tag nach dem erfolgreichen Auftakt im Doppel-Wettbewerb besiegte der Medaillenkandidat am Sonntag den klaren Außenseiter Lu Yen-Hsun aus Taiwan 6:1, 6:3. Nach nur 59 Minuten war die einseitige Partie entschieden. Auch Dominik Koepfer steht in Runde zwei. Er zog mit einem umkämpften 3:6, 6:3, 7:5 gegen den Argentinier Facundo Bagnis nach.

Souverän im Einer: Welt- und Europameister Oliver Zeidler hat auch sein Viertelfinale dominiert und ist ungefährdet ins Halbfinale eingezogen. Einen Tag nach seinem 25. Geburtstag war der Ruderer aus Ingolstadt am Samstag zwar mehr als zwölf Sekunden langsamer als noch zum Start am vergangenen Freitag, aber auch sein norwegischer Dauerkontrahent Kjetil Borch und der im Vorlauf ebenfalls starke Grieche Stefanos Ntouskos waren in ihren Viertelfinals deutlich langsamer. Zuvor vergab der Herren-Doppelvierer als erstes Boot des DRV schon seine letzte Chance auf eine Olympia-Medaille. Sie kamen im Hoffnungslauf auf Rang vier und verpassten damit das A-Finale.

Positive Corona-Tests im Golf: Zwei Medaillenanwärter verpassen das olympische Golfturnier wegen Corona-Infektionen. Der Weltranglistenerste Jon Rahm (Spanien) sowie der frühere Major-Gewinner Bryson DeChambeau (USA) sind vor ihrer Reise nach Tokio bei den obligatorischen PCR-Tests positiv getestet worden. „Ich bin zutiefst enttäuscht, nicht für das Team USA an den Olympischen Spielen teilnehmen zu können“, sagte DeChambeau: „Mein Land zu repräsentieren bedeutet mir die Welt. Ich wünsche dem Team USA für nächste Woche in Tokio viel Glück.“

Olympischer Rekord: Der amerikanische Sportschütze William Shaner hat mit olympischem Rekord die Goldmedaille mit dem Luftgewehr gewonnen. Der 20-Jährige schoss im Finale 251,5 Ringe und sorgte damit für das beste Ergebnis der olympischen Geschichte. Selbst zum Weltrekord fehlten Shaner nur 1,2 Ringe. Hinter dem Amerikaner landeten die Chinesen Sheng Lihao und Yang Haoran auf den Plätzen zwei und drei.

Einzelfallprüfung: Das Internationale Olympische Komitee hat seine strikte Haltung zu politischen Meinungsäußerungen während olympischer Wettkämpfe geändert. Bereits bei den Tokio-Spielen soll von Fall zu Fall entschieden werden, was zulässig sei oder nicht. „Jeder Fall muss im Kontext einzeln betrachtet werden“, sagte IOC-Sprecher Christian Klaue im Deutschlandfunk-Podcast „Players“.

Festnahme wegen Flugblättern: Aus Protest gegen die Olympischen Spiele hat ein Japaner aus einem Zug Flugblätter geworfen. Er wurde in seiner Heimatstadt Nagoya wegen des Vorwurfs der Störung von geschäftlichen Aktivitäten am Vortag festgenommen, wie die Polizei am Sonntag bekanntgab.

Quelle: ad./sid/dpa
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