Das war die Nacht in Tokio

Viel Zuspruch für Simone Biles nach den Tränen

28.07.2021
, 08:06
Simone Biles nach ihrer Aufgabe im Teamfinale bei Olympia am Dienstag.
Auch am Tag nach ihrer Aufgabe ist Turnstar Simone Biles das Thema bei Olympia. Deutschland jubelt über Bronze im Schwimmen. Doch es gibt auch wieder einige Enttäuschungen in Tokio.

Der fünfte Entscheidungs-Tag bei den Olympischen Spielen in Tokio hat für das deutsche Team mit einem Erfolg begonnen: Die WM-Zweite Sarah Köhler sicherte den deutschen Schwimmern mit Bronze über 1500 Meter Freistil die erste Beckenmedaille seit 2008. Ebenfalls gut lief es für die deutschen Basketballer, die Fechter und die Judokas. Der Doppelvierer der Frauen verpasste dagegen die erste Ruder-Medaille. Weiter im Fokus steht Turn-Star Simone Biles.

Tennis: Für Tennisprofi Dominik Koepfer ist die Olympia-Premiere im Achtelfinale zu Ende gegangen. Der 27 Jahre alte Davis-Cup-Profi verlor am Mittwoch in Tokio ein umkämpftes Duell mit dem an sechs gesetzten Spanier Pablo Carreno Busta 6:7 (7:9), 3:6.

Radsport: Die deutsche Meisterin Lisa Brennauer hat bei den Olympischen Spielen in Tokio die erhoffte erste deutsche Radsport-Medaille klar verpasst. Die frühere Zeitfahr-Weltmeisterin aus Durach belegte im Einzelzeitfahren auf dem Fuji International Speedway Platz sechs. Neue Olympiasiegerin ist die Niederländerin Annemiek van Vleuten.

Schwimmen: Sarah Köhler hat bei der Olympia-Premiere über 1500 Meter Freistil die Bronzemedaille gewonnen und damit die erste deutsche Beckenmedaille seit 2008 geholt. Die 27-Jährige schlug nach 15:42,91 Minuten an und verbesserte ihren deutschen Rekord (15:48,83 Minuten). Franziska Hentke verpasste dagegen das Finale über 200 Meter Schmetterling.

Fechten: Die deutschen Fechter müssen weiter um ihre ersehnte erste Medaille kämpfen. Die Säbel-Herren verloren im Halbfinale des Mannschaftswettbewerbs knapp mit 42:45 gegen die in der Weltrangliste führenden Südkoreaner und treten damit nun im kleinen Finale um Bronze gegen Ungarn an. Zuvor hatte sich das Dormagener Trio Max Hartung, Matyas Szabo und Benedikt Wagner souverän mit 45:28 gegen das Team des Russischen Olympischen Komitees (ROC) durchgesetzt.

Bogenschießen: Lisa Unruh ist schon zum Auftakt des Einzelwettbewerbs gescheitert. Die 33 Jahre alte Berlinerin verlor ihr Erstrundenduell
gegen Hanna Marusava aus Belarus mit 4:6 und büßte damit alle Medaillenchancen ein. Die Olympia-Zweite von Rio hatte im Teamwettbewerb gemeinsam mit Michelle Kroppen und Charline Schwarz Bronze gewonnen und galt auch im Einzel als heiße Anwärterin auf Edelmetall.

Judo: Die deutschen Judokas Giovanna Scoccimarro und Eduard Trippel haben bei den Olympischen Spielen in Tokio ihre Auftaktkämpfe gewonnen. Die 23-Jährige aus Wolfsburg setzte sich in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm durch Waza-ari gegen Elvismar Rodriguez aus Venezuela durch und zog ins Achtelfinale ein. Trippel gewann in der Gewichtsklasse bis 90 Kilogramm ebenfalls durch Waza-ari gegen den Serben Nemanja Majdov.

Basketball: Die deutschen Basketballer haben im zweiten Gruppenspiel beim olympischen Turnier den ersten Sieg gefeiert. Das Team von Bundestrainer Henrik Rödl bezwang in der Saitama Super Arena Nigeria mit 99:92 (50:50) und wahrte nach der Auftaktniederlage gegen Italien die Chance auf den Einzug ins Viertelfinale. Bester deutscher Werfer war Johannes Voigtmann mit 19 Punkten.

Fußball: Der Tropensturm „Nepartak“ erreichte etwa 350 Kilometer nördlich von Tokio in Miyagi Festland. Im Miyagi Stadium treffen die deutschen Fußballer ab 10.00 Uhr MESZ in ihrem letzten Gruppenspiel auf die Elfenbeinküste. Bis dahin soll das Unwetter aber weitgehend abgezogen sein. Der Tropensturm brachte viel Regen und starke Windböen bis zu 90 Kilometern pro Stunde, Schäden gab es zunächst aber keine. Einzig der lokale Bahnverkehr war betroffen, der Schnellzug Shinkansen fuhr dagegen ohne Einschränkungen.

Corona: Die Organisatoren der Olympischen Spiele in Tokio haben 16 neue Corona-Fälle um Umfeld der Spiele registriert. Unter den neuen Betroffenen war kein weiterer Olympia-Sportler, wie die Organisatoren mitteilten. Die Zahl der positiven Tests rund um die Wettkämpfe in Japan seit Beginn der Erfassung am 1. Juli stieg damit auf 169.

Rudern: Der Doppelvierer der Frauen hat bei den Olympischen Spielen in Tokio die erste Ruder-Medaille für Deutschland verpasst und überraschend nur den fünften Platz belegt. Das Boot um die drei Olympia-Neulinge Frieda Hämmerling (Kiel), Franziska Kampmann (Waltrop) und Carlotta Nwajide (Hannover) sowie Daniela Schultze (Potsdam) brach am Mittwoch in Japan im Schlussspurt völlig ein. Den Olympiasieg sicherte sich China vor Polen und Australien.

Turnen: Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, hat US-Turnsuperstar Simone Biles nach dem Ausstieg im Mannschaftsfinale bei den Olympischen Spielen in Tokio Mut zugesprochen. „Dankbarkeit und Unterstützung sind das, was Simone Biles verdient“, twitterte Psaki. Biles sei immer noch die Größte, „und wir alle haben das Glück, sie in Aktion sehen zu können“, schrieb sie weiter. Biles hatte in Japan am Dienstag nach dem ersten Gerät den Wettkampf aufgegeben. Die viermalige Olympiasiegerin ließ zunächst offen, ob sie am Donnerstag im Einzel-Mehrkampf in Tokio antreten wird. Ohne die 24-Jährige hatte das Team der USA Platz zwei hinter den russischen Turnerinnen belegt.

Der US-Turnverband teilte mit, dass dies aus „einem medizinischen Grund“ geschehen sei. Die Ausnahmeturnerin deutete an, dass sie mentale Probleme habe. Sie traue sich selbst nicht mehr so, wie sie es getan habe, sie wisse nicht, ob es am Alter liege, aber sie werde nervöser, wenn sie turne, sagte sie: „Ich habe auch das Gefühl, dass ich nicht mehr so viel Freude habe.“

„Bin ich gut genug? Ja, ich bin gut genug. Das Mantra, das ich täglich praktiziere. Simone Biles, wir sind stolz auf dich und drücken dir die Daumen“, twitterte die ehemalige First Lady Michelle Obama. Rekord-Olympiasieger Michael Phelps, der 2018 seinen eigenen Kampf mit Depressionen und Suizidgedanken nach den Sommerspielen 2012 offenbart hatte, sagte, Biles“ Kampf zu sehen, habe ihm „das Herz gebrochen“.

Der 23-malige Schwimm-Olympiasieger erklärte bei NBC weiter, dass die Olympischen Spiele für Athleten überwältigend sein könnten und dass er während seiner eigenen Karriere oft damit zu kämpfen gehabt habe, Unterstützung zu finden. „Das Wichtigste ist, dass wir alle manchmal um Hilfe bitten müssen, wenn wir durch diese Zeiten gehen“, sagte Phelps. „Ich kann sagen, dass es für mich persönlich eine große Herausforderung war. Es war schwer für mich, um Hilfe zu bitten.“

Die zweimalige Ski-Olympiasiegerin Mikaela Shiffrin erklärte: „Simone Biles, zaubere weiterhin dein Lächeln hervor, denn es ist unbestreitbar golden. Immer.“ Sarah Hirshland, Geschäftsführerin des Olympischen und Paralympischen Komitees der USA, twitterte: „Simone, du hast uns so stolz gemacht. Wir sind stolz darauf, wer du als Mensch, Teamkollegin und Athletin bist.“

Quelle: tora./dpa
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