Deutsche Olympiabilanz

„Mehr als erstaunt über die Aussage von Hörmann“

Von Anno Hecker
11.08.2021
, 11:08
DOSB-Präsident Alfons Hörmann
Wie ist das Abschneiden der Deutschen bei Olympia zu bewerten? Nach der Rückkehr von „Team D“ aus Tokio ist eine Diskussion um die Konsequenzen entbrannt. Kritik gibt es am DOSB-Präsidenten.
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Die deutsche Olympia-Mannschaft hat beim zweiten Blick auf die Resultate der Sommerspiele von Tokio besser abgeschnitten, als es Rang neun in der inoffiziellen Medaillenstatistik aussagt. Dafür werden „nur“ die ersten drei Positionen bewertet. Die Zahl der gewonnenen Goldmedaillen bestimmt den Rang, bei Gleichstand zunächst mehr gewonnenen Silber- und dann die Bronzemedaillen. Deshalb stehen die Niederlande und Frankreich in der Gruppe zwei hinter den Top-Nationen vor den Deutschen.

Werden allerdings die Resultate der ersten Acht eines Wettbewerbs berücksichtigt, dann ist der Auftritt der Olympia-Auswahl des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) anders zu bewerten. Zu diesem Schluss kommt der DOSB. Demnach haben die Deutschen zwar „nur“ sieben Prozent der möglichen Medaillen (555) gewonnen (37), aber zwölf Prozent aller Plätze (4146) innerhalb der ersten Acht belegt. Neben den 37 Medaillenrängen reichte es 16 Mal zu Platz vier, 26 Mal zu Rang fünf. 16 Athleten oder Teams wurden Sechste, zwölf Siebte und 13 Achte. Daraus ergab sich eine Punktzahl von 492 und Position sieben in der Länderwertung vor Italien (476), Frankreich (435) und den Niederlanden (429).

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Trotzdem halten Leistungssportanalysten an dem „historisch schlechten“ Ergebnis fest. Denn sie verweisen gegenüber der F.A.Z. auf die Erweiterung der Wettkämpfe um etwa 15 Prozent gegenüber den Spielen 2016 in Rio. Für diese Sportarten oder Disziplinen konnten sich die Deutschen entweder nicht qualifizieren oder sie gewannen keine Medaille sowie kaum Leistungspunkte. Deshalb, so sinngemäß, sei das Abschneiden noch kritischer zu bewerten, heißt es in einer Stellungnahme.

„Beharrungskräfte sind enorm“

Nach der Rückkehr von „Team D.“ aus Tokio ist eine Diskussion um die Konsequenzen entbrannt. Der nach eigener Aussage zum Jahresende scheidende Präsident des DOSB, Alfons Hörmann, reagierte auf das in seinem Verband erwartete Abschneiden unter anderem mit der Frage, „welchen Leistungssport“ man in Deutschland wolle und „was uns der Leistungssport wert“ sei.

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Die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Dagmar Freitag (SPD), kritisierte Hörmann am Dienstag: „Ich bin mehr als erstaunt über die Aussage von Präsident Hörmann, man müsse nun die Grundsatzfrage diskutieren, was für einen Leistungssport wir in Deutschland wollen. Da stellt sich für mich die Frage, was im DOSB in den letzten fünf, sechs Jahren denn diskutiert worden ist, nachdem wir in Absprache mit dem Verband von Bundesseite aus eine Leistungssportreform auf den Weg gebracht, die im übrigen einherging mit einer massiven Aufstockung der finanziellen Zuwendungen seitens des Bundes.“

Die Sportpolitikerin verwies auf das sogenannte Potential-Analyse-System (PotAs), demzufolge in Zukunft nur noch Sportarten die maximal mögliche Sportförderung erhalten, die eine Erfolgsperspektive nachweisen können. „Die Beharrungskräfte im organisierten Sport sind enorm. Aus meiner Sicht sind notwendige und vereinbarte Veränderungen teilweise verschleppt, gelegentlich auch ganz verhindert worden. Bis in dieses Jahr hinein zogen sich beispielsweise die Verhandlungen über das fest vereinbarte Wissenschaftliche Verbundsystem, aus meiner Sicht eines der Kernelemente der Reform“, sagte Freitag der F.A.Z. Bevor über eine Erhöhung der Förderung gesprochen werde könne, müsse jetzt erst mal unter Beweis gestellt werden, dass die vorhandenen Mittel auch zielgerichtet eingesetzt worden seien.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hecker, Anno
Anno Hecker
Verantwortlicher Redakteur für Sport.
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