Mountainbiker Van der Poel

Kopfüber vom Rad

Von Michael Eder
26.07.2021
, 10:28
Kopfüber vom Rad: Mathieu van der Poel
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Der Niederländer Mathieu van der Poel stieg bei der Tour de France aus, um sich besser auf Olympia vorbereiten zu können. Dort stürzt er schwer und muss aufgeben. Anschließend äußert er Kritik an der Strecke.
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Ein schwerer Favoritensturz und ein erst 21-Jähriger, der sich überlegen die Goldmedaille sichert: Das olympische Mountainbike-Rennen hat für eine Menge Spektakel, aber auch für einigen Ärger gesorgt. Nach dem Sieg von Thomas Pidcock, der im Straßenradsport für das britische Topteam Ineos-Grenadiers fährt, übte ein anderer Weltklasse-Straßenfahrer, Mathieu van der Poel, scharfe Kritik an den Organisatoren.

Der niederländische Meister war auf dem 4,1 Kilometer langen Rundkurs, der siebenmal zu durchfahren war, nach zehn Minuten schon in der ersten Runde schwer gestürzt. Beim „Sakura Drop“ genannten Sprung über einen Felsen in eine kurze, extrem steile Abfahrt hatte er sich verschätzt, er überschlug sich und landete kopfüber im Graben. Van der Poel fuhr, offensichtlich an Hüfte und Becken verletzt, mit großem Rückstand weiter, machte noch 13 Plätze gut, bis es nach einer Stunde dann doch nicht mehr ging. Schmerzen und Enttäuschung waren zu groß geworden.

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Kritik an den Organisatoren

Seinen Sturz schrieb van der Poel später auf Instagram den Organisatoren zu, die nach dem letzten Trainingslauf eine Rampe auf der Strecke in Izu südwestlich von Tokio abgebaut hätten, genau an jener Stelle, an der van der Poel schwer stürzte. „Ich konnte die Strecke mit geschlossenen Augen fahren, aber ich wusste nicht, dass diese Rampe am Renntag nicht mehr da sein würde.“

Van der Poel war allerdings der einzige Fahrer, der sich an der monierten Stelle so grob versteuerte. Sieger Pidcock nahm die Stelle siebenmal mit schlafwandlerischer Sicherheit. Van der Poel fand sich am Ende nicht, wie erhofft und geplant, auf dem Siegertreppchen wieder, sondern zur Kontrolle im Krankenhaus, seine lädierte Hüfte wurde geröntgt.

© Eurosport

Der Niederländer, Enkel des legendären französischen Radhelden Raymond Poulidor, ist der große Allrounder des Radsports, im Cross eine Klasse für sich und in dieser Disziplin Weltmeister in Serie. Auf der Straße ist einer der besten Eintagesfahrer, Sieger der Flandern-Rundfahrt unter anderem. Bei der Tour de France, die acht Tage vor dem olympischen Mountainbike-Rennen zu Ende gegangen war, hatte er in spektakulärer Manier eine Etappe gewonnen und das Gelbe Trikot sechs Tage lang getragen, ehe er vor der Etappe am Mont Ventoux ausstieg, um sich auf Olympia zu konzentrieren, auf das Mountainbike, sein Lieblingssportgerät. Van der Poel wollte nach Gelb bei der Tour auch Gold bei Olympia. Und danach im September seine Saison mit dem Titel bei der Straßen-Weltmeisterschaft daheim in Flandern krönen. Jetzt muss er hoffen, wenigstens zum WM-Start wieder fit zu sein.

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Pidcock macht das Tempo

Der mit Spannung erwartete Kampf der Straßenfahrer gegen die Mountainbiker, der Seiteneinsteiger gegen die Spezialisten, war mit van der Poels kapitalem Sturz und seiner Aufgabe nicht beendet. Dafür sorgte Thomas Pidcock, wie van der Poel ein Beispiel enormer Vielseitigkeit im Radsport. Er war Juniorenweltmeister im Cross, britischer U23-Meister und Weltcupsieger mit dem Mountainbike, Juniorenweltmeister im Zeitfahren auf der Straße und Sieger der Nachwuchswertung beim Eintagesklassiker Paris-Roubaix.

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Seine wenigen Auftritte mit dem Mountainbike in dieser Saison gaben schon deutliche Hinweise darauf, dass er in Japan um die Medaillen mitfahren könnte, doch dann stürzte er bei der Tour de Suisse, brach sich das Schlüsselbein und seine Chancen schienen zu schwinden. Beim olympischen Mountainbike-Rennen musste er wegen fehlender Ranglistenpunkte aus der vierten Reihe starten, aber auch dies erwies sich als kein Problem. Pidcock bestimmte von Beginn an das Tempo und setzte sich zunächst mit den Schweizern Nino Schurter und Mathias Flückiger sowie dem Neuseeländer Anton Cooper auf dem technisch anspruchsvollen Olympia-Kurs mit 150 Höhenmetern pro Runde ab.

Nach 44 Minuten setzte Pidcock den entscheidenden Angriff und machte sich auf und davon, das Rennen gegen die Spezialisten im Alleingang zu gewinnen. Zunächst hatte er Cooper und Schurter distanziert, dann hängte er auch Flückiger ab. Nach 1:25:14 Stunden fuhr er mit einem komfortablen Vorsprung von 20 Sekunden mit der britische Flagge in Händen über die Ziellinie. Flückiger, dem Weltcup-Führenden, blieb Silber, Bronze ging an David Valero aus Spanien. Schurter, Olympiasieger von Rio und achtfacher Weltmeister, musste sich mit Platz vier begnügen. Rundum enttäuschend schnitten die deutschen Starter ab. Maximilian Brandl wurde Einundzwanzigster, für Manuel Fumic reichte es bei seiner fünften Olympia-Teilnahme nur zu Rang 28.

Quelle: F.A.Z.
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