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Eishockey bei Olympia

Deutschland verliert dramatisches Finale

Von Achim Dreis, Gangneung
 - 07:58
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Zur ganz großen Sensation hat es für die deutsche Nationalmannschaft beim Olympischen Eishockey-Turnier in Pyeongchang dann doch nicht mehr gereicht. Zum Abschluss einer außergewöhnlich erfolgreichen Woche mit vier Siegen binnen fünf Tagen unterlag das Team von Bundestrainer Marco Sturm den Olympischen Athleten aus Russland im Endspiel denkbar knapp mit 3:4 nach Verlängerung (0:1, 1:0, 2:2, 0:1). Der Gewinn der Silbermedaille ist dennoch mit Abstand der größte deutsche Erfolg in der schnellsten aller Mannschaftssportarten und stellt den legendären Bronze-Gewinn von 1976 in den Schatten. „Wenn wir mal auf das gesamte Turnier zurückblicken, dann können wir unglaublich stolz sein, was wir hier mit der Mannschaft erreicht haben“, sagte Verteidiger Christian Ehrhoff, dem am Abend der deutsche Fahnenträger bei der Schlussfeier sein wird.

Das Endspiel bedurfte einer gewissen Anlaufzeit, aber dann wurde es dramatisch. Das russische Führungstor vor 10.000 Zuschauern in der gut gefüllten Gangneung Hockey Arena erzielte Wjatscheslaw Wojnow (20.) erst unmittelbar vor Ende des ersten Drittels. Nach einer halben Stunde glich Felix Schütz aus. In den letzten Minuten des Schussdrittels überschlugen sich die Ereignisse. Erst trafen binnen Sekunden Nikita Gussew hüben zum 1:2 und Dominik Kahun (beide 54.) drüben zum 2:2. Müller (57.) brachte Deutschland sogar mit 3:2 in Führung, doch abermals Gussew (60.) glich noch einmal aus – und das in Unterzahl. Die Verlängerung musste entscheiden! Und hier entschied schließlich Kirill Kaprisow (70.) das Spiel und das Turnier. „Wir waren so knapp davor, Gold zu gewinnen, deswegen war es natürlich im ersten Augenblick extrem schmerzhaft, das mitzuerleben“, sagte Yannic Seidenberg: „Aber als die Medaillen rauskamen, war ich einfach nur unglaublich stolz, dabei gewesen zu sein und sie in der Hand zu haben.“

Der Anzeigewürfel hatte während des großen Eishockey-Finales eine Buchstabenkombinationen aufgewiesen, die es so noch nie in einem wichtigen Spiel zu lesen gab. OAR stand da. Und GER. Das eine ein Synonym für das russische Team, das andere das Symbol für eine faustdicke Sensation. Die Abkürzung für „Olympische Athleten aus Russland“, eine Strafmaßnahme wegen des staatlich orchestrierten Dopingsystems bei den Winterspielen von Sotschi 2014, dürfte nach diesen Winterspielen wieder Geschichte sein. Und ob es „Team Germany“ noch einmal ins Finale eines großen Eishockey-Turniers schaffen würde, bleibt doch trotz der höchst erfreulichen Episode von Pyeongchang auch mehr als unwahrscheinlich. 2014 in Sotschi waren die Deutschen noch nicht mal für Olympia qualifiziert. Diesmal spielte ihnen das Fehlen der NHL-Stars in den Kadern der sonst dominierenden Eishockey-Nationen in die Karten.

Zur frühen Mittagszeit des Schlusstags in Pyeongchang waren die Rollen bei der finalen Auseinandersetzung dennoch verteilt. Die deutsche Mannschaft hatte nichts zu verlieren, war sie doch dank ihrer Sensationssiege gegen die Weltklasseteams aus Schweden (4:3 nach Verlängerung) und Kanada (4:3) schon mehrfach über sich hinausgewachsen. Selbst der Erfolg über die Schweiz (2:1 n.V.) in der Viertelfinal-Qualifikation war keine Selbstverständlichkeit. Die siegesgewissen Athleten aus Russland waren zwar mit einer überraschenden 2:3-Niederlage gegen die Slowakei in die Vorrunde gestartet, hatten danach aber souveräne Spiele gegen Slowenien (8:2), die Vereinigten Staaten (4:0), Norwegen (6:1) und Tschechien (3:0) aneinandergereiht.

Doch die Deutschen erwiesen sich als härterer Gegner. Schon im ersten Drittel des Finales hielt die in den gleichen gelben Trikots wie beim Coup über Kanada angetretene Auswahl von Bundestrainer Sturm gut mit. Die Torschussstatistik wies zwar mit 12:6 eine Dominanz der in Rot spielenden Russen auf. Es wäre dennoch alles gut gegangen, hätte Yasin Ehliz wenige Sekunden vor der Drittelsirene den Puck aus dem deutschen Verteidigungsviertel geschafft. Er vertändelte den Puck jedoch, die russische Formation konnte sich noch einmal sortieren, spielte den Angriff sauber aus und brachte einen der Ihren freistehend in Schussposition. Wojnow stand in zentraler Position, hielt kurzer Entfernung drauf und traf: 0,5 Sekunden vor Ablauf der Uhr.

Selbst dieser zeitlich denkbar schlecht gesetzte Rückschlag warf die kampfstarke deutsche Mannschaft nicht zurück. Zu Beginn des zweiten Drittels kam Frank Mauer (22.) einmal aussichtsreich vor das russische Tor, ansonsten spielte sich die Begegnung zunächst eher im deutschen Verteidigungsdrittel ab. Doch übermäßige Gefahr für das Tor von Danny aus den Birken entfachten die Stürmer der „rote Armee“ nicht. Im Gegenteil fiel auf der Gegenseite ein Treffer: die Vorarbeit von Patrick Hager und Brooks Macek verwertete Schütz zum Ausgleich, unfreiwillig unterstützt von Torwart Wassili Koscheschkin. Der Videobeweis brachte Aufklärung: ein regulär erzieltes Tor. In der Folgezeit entwickelte sich eine offene Partie mit Möglichkeiten auf beiden Seiten. Die defensiv stabilen und nach vorne immer mal wieder durchstechenden Deutschen verblüfften einen weiteren Favoriten.

Unentschieden ging dieses Endspiel auf Augenhöhe ins Schlussdrittel, unklar blieb der Ausgang bis kurz vor Schluss. In der 53. Minute bot sich Patrick Hager bei einem Solo eine gute Chance, statt des Pucks landete Verteidiger Sergej Kalinin im Tor. Eine Minute später traf Gussew aus spitzem Winkel mit einem Weltklassetor zum vermeintlich vorentscheidendem 2:1 für die Russen, doch wenige Sekunden später glich Kahun (54.) schon wieder aus. Diese Deutschen wollten einfach nicht klein beigeben. Und es kam noch besser: Müller (57.) erzielte das 3:2 für Deutschland!

Die Sensation rückte immer näher. Als Kalinin auch noch auf die Strafbank musste, lag Gold für das deutsche Team schon auf dem Präsentierteller. Die Russen holten den Torwart vom Eis, um mit fünf gegen fünf angreifen zu können. Und nutzten ihre letzte Chance, wieder war es Gussew, der traf. 55 Sekunden vor Schluss. 3:3. Es ging in die Overtime. Ilja Kowaltschuk (67.) und Wojnow (69.) boten sich zwei gute Einschusschancen. Dann musste Reimer auf die Strafbank. In Überzahl spielten die russischen Athleten ihr Können aus. Kaprisow (70.) traf ins Schwarze. „In ein paar Stunden, in ein paar Tagen werden wir verstehen, was wir geleistet haben für unser Land und für das Hockey“, sagte Marcel Goc.

Aus den Birken bester Torhüter des olympischen Eishockey-Turniers

Der deutsche Goalie Danny aus den Birken ist am Sonntag vom Eishockey-Weltverband IIHF zum besten Torhüter des olympischen Turniers in Pyeongchang bestimmt worden. Der 33-Jährige vom EHC München steigerte sich im Turnierverlauf und ragte am Sonntag auch im Finale gegen das Team der Olympischen Athleten aus Russland heraus. Als bester Verteidiger wurde Wjatscheslaw Wojnow aus dem OAR-Team bestimmt, bester Stürmer wurde sein Teamgefährte Nikita Gussew. In der Abstimmung unter Medienvertretern wurde Ilja Kowaltschuk aus dem OAR-Team zum MVP (Most Valuable Player) gewählt. Im gleichfalls von Journalisten auserkorenen All Star Team befindet sich kein Profi vom Olympia-Zweiten Deutschland. Vier der sechs gewählten Spieler stammen aus dem OAR-Team: Torhüter Wassili Koschetschkin, Verteidiger Wjatscheslaw Wojnow, sowie die Stürmer Ilja Kowaltschuk und Pawel Dazjuk. Dazu wurden der kanadische Verteidiger Maxim Noreau und der finnische Stürmer Eli Tolvanen für das Team auserkoren. (dpa)

Quelle: FAZ.NET
Achim Dreis
Sportredakteur.
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