Bobfahrerin Deborah Levi

„Ich bin immer die Erste, die friert“

Von Katja Sturm
03.02.2022
, 06:34
Kurs Richtung Peking: Bobpilotin Laura Nolte und Anschieberin Deborah Levi
Video
Deborah Levi war als Leichtathletin aktiv. Dann bekam sie das Angebot, es mal im Bob zu versuchen. Es war der Beginn eines rasanten Aufstiegs. Nun nimmt Deborah Levi an den Winterspielen teil.
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Wenn Deborah Levi in ihrem Sportgerät sitzt, kann sie nicht mehr viel ausrichten. Während der Bob den Eiskanal hinunterrast und dabei Geschwindigkeiten von mehr als 120 Kilometer pro Stunde erreicht, hält die 24-Jährige Kopf und Schultern gesenkt. Ihre Augen sind geschlossen oder auf die Bremse am Boden gerichtet, die sie im Ziel ziehen muss. Wo es wacklig werden könnte in der Kurve, versucht die Hessin mit dem Körper mitzugehen und ihr Gewicht hilfreich zu verlagern. Doch meist wird sie einfach nur durchgerüttelt und muss darauf vertrauen, dass ihre Pilotin Laura Nolte das Duo samt Schlitten sicher durch das steile Labyrinth der rutschigen Bahn lenkt.

Passagierin oder Beifahrerin – mit solchen Begriffen weiß Deborah Levi entspannt umzugehen. Auch dass sie als Anschieberin in ihrer Wintersportdisziplin Zweierbob selten im Fokus steht und ihr Name manchmal gar nicht erwähnt wird, wenn von gemeinsamen Erfolgen die Rede ist, macht der Wahl-Frankfurterin wenig aus. „Ich brauche den Trubel drumherum nicht“, sagt sie. „Aber Laura versucht mich immer mit einzubeziehen.“

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Die beiden sind seit 2018 ein Team und vertreten Deutschland gemeinsam bei den Olympischen Spielen in Peking. Selbstverständlich ist eine solche Treue im Bobsport nicht. Noch öfter als die Fahrerinnen müssen sich die Kandidatinnen für den Rücksitz Leistungstests unterziehen. In manchem Gefährt wird die Besatzung munter durchgewechselt. Bei Nolte und Levi passte es aber von Anfang an – athletisch und menschlich. „Wir sind schon gemeinsam in den Urlaub gefahren“, sagt Levi.

Laura Nolte und Deborah Levi (rechts) beim Bob & Skeleton-Weltcup in Sankt Moritz
Laura Nolte und Deborah Levi (rechts) beim Bob & Skeleton-Weltcup in Sankt Moritz Bild: Reuters

Gleich bei ihren ersten Versuchen auf dem neuen Terrain traf die aus einem Dorf bei Herborn stammende Mittelhessin auf die spätere Gefährtin. Bei den deutschen Jugendmeisterschaften der Leichtathleten war die Sprinterin vor vier Jahren angesprochen worden, ob sie es nicht, wie andere Kolleginnen auch, beim Bobsport versuchen wolle. „Ich hatte überhaupt keinen Bezug dazu“, sagt Levi. Außer dass sie sich gerne die Komödie „Cool Runnings“ über ein jamaikanisches Bobteam ansah. „Ich bin der totale Sommertyp und immer die Erste, die friert.“

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Doch auf der Tartanbahn lief es gerade nicht so für die mehrmalige Hessenmeisterin. Die Aussicht, es auf anderem Untergrund vielleicht bis zu den Olympischen Spielen zu schaffen, war verlockend. So schob sie nur eine Woche später in Winterberg erstmals zusammen mit der Dortmunderin Nolte ein Übungsgerät an und fand sofort Spaß an der neuen Aufgabe.

Es war der Beginn eines rasanten Aufstiegs. Nach dem ersten gemeinsamen Weltcupsieg vor zwei Jahren in La Plagne musste Deborah Levi zwar krankheitsbedingt auf die anstehenden Weltmeisterschaften in Altenberg verzichten. Aber seitdem sie sich im Winter danach wieder zurückmeldete in der Rinne, war das Bobteam Nolte/Levi nur noch schwer aufzuhalten. Die vorolympische Saison endete mit WM-Bronze sowie den Titeln bei den Europa- und den Junioren-Weltmeisterschaften. In diesem Winter verpasste die Fahrgemeinschaft nach drei Triumphen als Zweite nur hauchdünn den Gesamtsieg in der Serie.

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Auf den „kühlen Kopf“ der Pilotin verlassen

Trotz der gestiegenen Erwartungen will Levi den Druck von außen vor ihrer Olympia-Premiere nicht an sich heran lassen. „Wir haben keine feste Platzierung im Blick“, sagt sie. „Wir möchten zufrieden aus dem Wettkampf herausgehen und wissen, dass wir alles gegeben haben.“ Dann werde das Ergebnis schon stimmen. Einen ersten Eindruck von den Bedingungen vor Ort konnten die Bobsportler bei einem dreiwöchigen Trainingsaufenthalt im Oktober sammeln. Als „gigantisch“ empfand Levi damals die neue Anlage. Die Bahn sei „nicht sturzgefährdend“, aber technisch anspruchsvoll und lasse spannende Rennen erwarten. „Man kann schon oben sehr viel Zeit verlieren.“

© Eurosport

Am Start gelten die beiden als stark. Das Training, das bei Levi weiterhin Leichtathletik-Coach David Corell steuert, unterscheide sich nicht sehr von dem, das sie früher absolvierte, sagt sie. Die Beschleunigung sei der beim Sprint sehr ähnlich. Ihr Körper habe sich erst daran gewöhnen müssen, den 170 Kilogramm schweren Bob hin und her zu schleppen.

Für den Traum von den Spielen hat die angehende Grundschullehrerin, die seit eineinhalb Jahren in Frankfurt wohnt, in diesem Semester ihr Studium an der Goethe-Universität ruhen lassen und richtet den Fokus ganz auf die anstehende Herausforderung. Die Routine, die sie mit ihrer Partnerin entwickelt habe, werde für die nötige Lockerheit sorgen. Und wenn Deborah Levi dann noch bei jeder Fahrt den Sprung in den Bob hinein problemlos schafft, muss sie sich nur noch auf den „kühlen Kopf“ ihrer Pilotin verlassen.

Quelle: F.A.Z.
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