Olympioniken zurück aus Peking

Nach der Ferne lockt die Heimat

Von Achim Dreis
21.02.2022
, 14:54
Zurück in Kärnten: Anna Gasser
Video
Bad in der Menge oder Bad im Bergsee: Wintersportler aller Länder sind wieder zu Hause und stellen fest: die olympische Idee entspringt einem Heimatgefühl. Und egal was kommt: Peking war schlimmer.
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Sie bezeichnet es als die beste Art, „um über den Jetlag hinwegzukommen“: Mit pinkfarbenem Bikini und schwarzer Pudelmütze badet Corinne Suter im kristallklaren Urnersee, Bergpanoroma und strahlend blauer Himmel inklusive. Der Subtext des Beitrags der 27 Jahre alten Abfahrt-Olympiasiegerin aus Schwyz in der Schweiz auf ihrer Instagram-Seite: Endlich wieder zu Hause nach der langen Zeit in China. Klassisch, mit einem Bad in der Menge, feiert dagegen Snowboarderin Mathilde Gremaud am Flughafen Zürich ihrer Heimkehr. Corona-Maßnahmen scheinen aufgehoben.

Deftiger geht es in Kärnten zu, bei einem Empfang für Snowboard-Olympiasiegerin Anna Gasser in ihrer Heimatgemeinde Millstatt. Da greifen gleich vier Olympiasieger an, um die 30-Jährige fürs Foto und überhaupt hochleben zu lassen: Die Alpin-Champions Matthias Mayer, Franz Klammer und Fritz Strobl sowie Skispringer Thomas Morgenstern. „Voll schee war's“, sagt die globale Ikone der Jugendkultur über ihre Rückkehr in die alte Heimat und betont ihre Verbundenheit zu den Leuten: „So eine Goldmedaille gehört keinem alleine.“

Wer sich mit einem Tag Abstand nach der Schlussfeier von Peking durch die lokalen Gazetten und privaten Accounts der Olympioniken klickt, stellt fest, dass das globale Sport-Ereignis Olympia letztlich im Regionalen seinen Ursprung hat. „Vier Bludenzer bei Olympia“ titelt Vorarlberg online schon seit Freitag und präsentiert den Empfang für die „Peking-Helden“ Alessandro Hämmerle, Thomas Steu, Julian Lüftner und Yannik Müller. Da wird mit heimischem Bier angestoßen, Landrat und Bürgermeister stehen parat und die Blasmusik spielt dazu.

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Und weil alle ihren Anteil haben am Erfolg wird Alessandro „Izzi“ Hämmerle auch in seinem Heimatort noch extra empfangen, bei der Alten Talstation in Gaschurn – die Kinder des Skivereins bilden mit Skiern ein Ehrenspalier. Der Snowboardcross-Olympiasieger dankt mit vier Zeilen und drei Herzen für den unglaublichen Empfang, die herzlichen Worte, die schönen Geschenke und nicht zuletzt für den unvergesslichen Abend!

Bad in der Menge: Snowboard-Olympiasiegerin Mathilde Gremaud wird bei ihrer Ankunft am Flughafen Zürich von Familie und Fans empfangen.
Bad in der Menge: Snowboard-Olympiasiegerin Mathilde Gremaud wird bei ihrer Ankunft am Flughafen Zürich von Familie und Fans empfangen. Bild: dpa

Das gute Gefühl, wieder zu Hause zu sein, drückt auch Deutschlands erfolgreichste Wintersportlerin mit einem schlichten „Welcome home“ aus, allerdings unter dem beeindruckenden Bild eines Edelmetall-Ensembles, das ihre sieben Olympiamedaillen aufgereiht zeigt, angefangen von der Bronzenen aus Vancouver bis zu den jüngsten Goldstücken aus Peking. Natalie Geisenberger hatte lange gehadert, ob sie die Winterspiele in China wegen der problematischen Bedingungen überhaupt bestreiten soll – nun hat sie ihren erfolgreichen Frieden damit gemacht.

Therese Johaug verarbeitete gleich mit drei Goldmedaillen höchst positiv ihr persönliches Trauma der Winterspiele von Pyeongchang, die sie wegen eines positiven Dopingtests verpasste: „Danke für die Reise nach Peking“, schreibt die norwegische Langläuferin, was angesichts ihrer Vorgeschichte durchaus hintersinnig verstanden werden kann.

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Egal was kommt: Peking war schlimmer

Und es gibt auch die nachdenklichen, aufs Private zielenden Posts: „Unglaublich, was ein Mensch leisten kann, wenn er bereit ist, absolut alles dafür zu opfern“, schreibt die slowakische Slalom-Olympiasiegerin Petra Vlhova unter ein Bild, das sie Arm in Arm mit ihrem Freund Michal Kyselica und der Goldmedaille zeigt. Unklar bleibt, ob sie ihn für die Unterstützung lobt – oder sich selbst für ihre Leistung lobt.

© Twitter

Keine gute Zeit in Peking hatte Mikaela Shiffrin. Nachdem sie die Spiele aber trotz des multiplen Scheiterns endlich überlebt hat, wendet sich die Amerikanerin mit einem eindrücklichen Video „voller Liebe“ an alle jene, die nicht hassen: „Get up“ appelliert die bei Olympia sportlich so enttäuschende und selbst am meisten enttäuschte Skifahrerin, die in den „sozialen Medien“ danach unfassbar viel Häme über sich ergehen lassen musste, an all jene, die es besser verdient haben: „Keep on going“. Lasst euch nicht unterkriegen.

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Wer nichts gewonnen hat, dem fällt es schwerer, die Spiele von Peking letztlich als bestandene Herausforderung abzuhaken. Doch auch der kritische Biathlet Erik Lesser hat einen Dreh gefunden, seinen Frieden mit der Teilnahme zu machen. Er bereue es nicht, „weil es mir jetzt im Nachhinein die Möglichkeit gibt, davon zu berichten, wie es dort war“, formulierte er im Deutschlandfunk. Die Stimmung bei den sterilen Spielen „Made in China“ empfand er „wie aus dem Reagenzglas gezaubert“, geprägt von Schutzanzügen und FFP2-Masken. Sein Fazit, formuliert wie ein Lerngeschenk: „Ich kann in 50 Jahren sagen: Leute, egal was gekommen ist, Peking war immer schlimmer“.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Dreis, Achim
Achim Dreis
Sportredakteur.
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