Radsport

Doping-Ermittlungen gegen Jan Ullrich

05.10.2001
, 16:19
Muss mit einer Vorladung beim Staatsanwalt rechnen: Jan Ullrich
Die Staatsanwaltschaft Florenz ermittelt nun doch offiziell gegen Telekom-Star Jan Ullrich wegen Dopingverdachts beim Giro d'Italia.
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Wenige Tage vor den Weltmeisterschaften in Lissabon wird gegen Jan Ullrich wegen Dopingverdachts beim Giro d'Italia nun offiziell ermittelt.

Staatsanwalt Francesco Bocciolini aus Florenz hat dem 27-jährigen Merdinger bereits am Mittwoch während der Lucca-Rundfahrt eine entsprechende Mitteilung durch die Polizei übergeben lassen. Dies berichtete die Tageszeitung La Repubblica. Das Team Telekom hat einen italienischen Anwalt mit der Verteidigung beauftragt. Ullrich muss nun mit der Vorladung zu einer Vernehmung rechnen.

Pevenage: „Kein Grund zur Beunruhigung“

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Telekoms sportlicher Leiter Rudy Pevenage bestätigte den Polizeiauftritt am Mittwoch im Mannschaftshotel in Lido, sah aber keinen Grund zur Beunruhigung: „Es gibt überhaupt keine neuen Aspekte, es handelte sich um eine Formalie.“ Auch Telekom-Teamsprecher Olaf Ludwig versuchte, zu beschwichtigen: „Die Carabinieri kamen am Abend ins Mannschaftshotel. Jan musste unterschreiben, dass gegen ihn ermittelt wird. Aber wir sehen der Sache gelassen entgegen. Es wird Zeit, dass wir den Fall bereinigen können. Nur schade, dass man so kurz vor der WM wieder für Unruhe sorgt.“

Nach Angaben der "La Gazzetta dello Sport" wird Bocciolini die Ermittlungen nach dem Ende der WM am 14. Oktober in Lissabon fortsetzen. Dann sollen rund 40 unter Dopingverdacht stehenden Radprofis und ein Dutzend sportliche Leiter in Florenz verhört werden.

Beim Telekom-Kapitän waren am 6.Juni bei einer großen Razzia der Staatsanwaltschaft verschiedene Medikamente beschlagnahmt worden. Laut Teamarzt Dr. Lothar Heinrich handelte es sich um Asthmamittel, die Ullrich wegen einer Allergie verschrieben wurden und für die er die Genehmigung des Radsport-Weltverbandes UCI habe. Dieser Eintrag im Gesundheitspass war bis dahin allerdings nur Insidern bekannt.

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Staatsanwaltschaft: „unerlaubte Stimulanzien“

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft waren es jedoch „unerlaubte Stimulanzien“. Heinrich wollte am Freitag zu der aktuellen Entwicklung nicht Stellung nehmen: „Das ist Sache der Teamleitung.“ Telekom hat einen italienischen Anwalt mit der Verteidigung beauftragt, der bereits beim Polizei-Auftritt im Badeort Lido di Camaiore an Ullrichs Seite war.

Ullrich bereitete sich in dieser Woche bei der Lucca-Rundfahrt in der Toskana auf die Weltmeisterschaften in Lissabon vor. Am Donnerstag unterstrich er mit dem Sieg auf der vorletzten Etappe seine glänzende Form. Am nächsten Donnerstag will er seinen WM-Titel im Zeitfahren erfolgreich verteidigen, am Sonntag darauf erstmals Straßen-Weltmeister werden.

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Ullrich-Manager Wolfgang Strohband glaubt nicht, dass sich sein Schützling von der jüngsten Entwicklung beeindrucken lässt: „Dazu gibt es keinen Grund.“

Quelle: @lück mit Material von sid
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