Auf dem Weg zur Einheit

Eintracht-Niederlage mit Anlass zur Hoffnung

EIN KOMMENTAR Von Peter Heß
03.09.2018
, 06:34
Konnten immerhin den zwischenzeitlichen Ausgleich feiern: Eintracht-Spieler Haller und Kostic (rechts)
Alles in allem hat sich die Ausgangslage gegenüber der vergangenen Spielzeit nicht viel verändert. Die Frankfurter Eintracht kann gegen alle Konkurrenten gewinnen und gegen alle verlieren.

Der Punktverlust in letzter Minute gegen Werder Bremen kann noch sehr weh tun. Denn die Eintracht macht nach dem zweiten Spieltag nicht den Eindruck, dass ihr in dieser Fußballsaison die Punkte so einfach zufliegen werden. Jeder einzelne wird hart erarbeitet werden müssen. Dennoch bedeutet das 1:2 gegen die Bremer eher einen Hoffnungsschimmer als einen Rückschlag. Viel mehr hätte in dieser Bundesliga-Auseinandersetzung nicht schieflaufen können. Zwei Spieler, die verletzt ausschieden, über eine Stunde in Unterzahl, nachdem Willems wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte sah, was den 0:1-Rückstand wie eine unüberwindbare Hürde erscheinen ließ.

Aber im Gegensatz zum Supercup, in dem sich die Frankfurter gegen die Bayern in ihr Schicksal ergaben, begehrte die Mannschaft diesmal auf und zeigte die Bissigkeit und den Widerstandswillen, die die Grundlage für die erfolgreichen Spiele unter Niko Kovac bildeten. Neuer Trainer hin, neue Taktik und neue Mannschaftformation her: Der Spielverlauf gegen Werder machte deutlich: Der Erfolg der Eintracht in dieser Saison hängt ganz allein von der Einstellung der Spieler ab, beziehungsweise davon, ob Trainer Adi Hütter seine Profis regelmäßig so für sich und den Verein mobilisieren kann, dass sie ihre Komfortzone verlassen.

Nicht weniger Potential als Wolf

Denn der Kader hat trotz der schmerzhaften Verluste von Boateng, Hradecky, Wolf und Mascarell die gleiche Qualität wie im Vorjahr. Das ist nach der Last-Minute-Verpflichtung von Kevin Trapp keine gewagte Behauptung. Der Nationalspieler löst nicht nur das Torwartproblem, sondern schließt auch zumindest teilweise auf der Führungsebene die Lücke, die Boateng hinterlassen hat. Torro zeigte gegen Bremen, dass er Mascarell ersetzen kann, und Kostic hat bestimmt nicht weniger Potential als Wolf. Und mit Ndicka holte die Eintracht ein Verteidigertalent, das an Vallejo erinnert. Mit Haller und Gacinovic befinden sich zudem zwei Spieler in guter Form, die in der vergangenen Rückrunde schwächelten. Dafür wackeln im Moment die großen Stabilisatoren der vergangenen Saison, Abraham und Hasebe, wenn sie auf dem Platz stehen.

Alles in allem hat sich die Ausgangslage gegenüber der vergangenen Spielzeit nicht viel verändert. Die Eintracht kann gegen alle Konkurrenten gewinnen und gegen alle verlieren. Die Skeptiker, die nach dem Pokal-K.o. in Ulm schon von Abstiegskampf pur sprachen, verkennen die Realität wie die Phantasten, die eine Abschlussplazierung auf einem Europapokal-Rang erwarten. Die zusätzliche Belastung durch die Einsätze in der Europa League macht es nicht einfacher: Aber wenn Hütter und die Eintracht zu einer Einheit werden, wenn sie spüren und erarbeiten, welcher Weg für sie gemeinsam der Beste ist, dann muss kein Freund der Eintracht allzu große Furcht vor einem bösen Ende haben.

Quelle: F.A.Z.
Peter Heß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Heß
Sportredakteur.
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