Lilien im Tabellenkeller

Es geht abwärts für Darmstadt 98

Von Alex Westhoff
27.02.2021
, 13:00
Nach dem 0:1 gegen den Karlsruher SC kämpft Darmstadt 98 endgültig gegen den Abstieg. Das Team ist schon jetzt verunsichert. Trainer Anfang nimmt seine Führungskräfte in die Pflicht.

„Wir sagen Woche für Woche das Gleiche. Wir können es alle nicht mehr hören. Es nervt jeden Einzelnen“, sagte der Kapitän Fabian Holland am Freitagabend. Wohl bezogen auf die Tatsache, dass die „Lilien“ seit Wochen überwiegend Misserfolge erklären müssen. Und doch folgte die 0:1-Heimniederlage gegen den Karlsruher SC nicht dem in dieser Saison oft gesehenen Darmstädter Muster, in dem die Mannschaft den Kürzeren zieht, obwohl sie einsatzfreudig ist und spielerisch oft überlegen.

2. Bundesliga

Nun traten in der besorgniserregenden zweiten Halbzeit erstmals jene Verkrampfung und Verunsicherung auf, die Spieler aufweisen, deren Köpfe und Beine von der Furcht vor dem nächsten Rückschlag ergriffen sind. Es war frappierend, welch leichtes Spiel die Karlsruher nach ihrem sehenswert herausgespielten Treffer durch Choi (52.) mit diesen Darmstädtern hatten. Die „Lilien“ haben schon viele Gegentore in dieser Saison kassiert und häufig auch zu Unzeiten im Spiel. Aber erstmals blieb eine Reaktion vollends aus. „Es war wie abgerissen bei meiner Mannschaft“, sagte Cheftrainer Markus Anfang, der seiner Enttäuschung über „sehr viele Fehler, unnötige Fehler, Fehler ohne Druck“ Ausdruck verlieh. Der Vorsprung auf die Abstiegszone könnte an diesem Sonntag auf zwei Punkte schmelzen.

Doch unabhängig davon, wie groß das Polster nach dem 23. Spieltag auch sein mag – die Saison dauert noch lange genug, dass der ängstlich hoffende Blick auf die Ergebnisse der im Ranking tiefer notierten Mannschaften nicht mehr lange ausreichen wird, wenn die „Lilien“ nicht bald selbst wieder punkten. Nur zwei Siege aus den vergangenen zehn Partien, zwölf von 23 Partien verloren – die Zahlen und die aktuellen Eindrücke weisen mal wieder den Weg in einen nervenzehrenden Abstiegskampf. Wie es den „Lilien“ in den Jahren nach dem Bundesligaabstieg 2017 schon so oft widerfahren ist. „Die Situation ist schwer, aber wir müssen da durch. Wir müssen uns alles knüppelhart erarbeiten, schon im Training. Wenn du unten stehst, fällt alles sofort ins Gewicht“, sagte Anfang.

Campo kommt spät

So viel Tristesse die zweite Halbzeit gegen den badischen Aufstiegskandidaten auch verströmte, die erste Hälfte kann, isoliert betrachtet, sogar als Mutmacher gelten. Da gestatteten die Darmstädter dem KSC mit resoluter Arbeit gegen den Ball nicht mal einen gefährlichen Torabschluss. Und waren im Spiel nach vorne durchaus agil. Angreifer Serdar Dursun bot sich in der 21. Minute eine – gut herausgespielte – Chance, die er an besseren Tagen fast immer genutzt hätte. Dass der Gegner dann mit seiner ersten ernsthaften

Torannäherung kurz nach Wiederanpfiff aus einem profanen Einwurf heraus das Tor des Tages entwickelte, passte ins trübe Darmstädter Bild. Erstaunlich, dass Coach Anfang den international erfahrenen Neuzugang aus Basel Samuele Campo, ein offensiver Mittelfeldspieler, auch dann nicht brachte, als das Angriffsspiel so offensichtlich komplett hakte. Als der Schweizer dann in der 83. Minute zu seinem Debüt kam, war eigentlich alles schon zu spät an diesem Abend. „Wir“, sagte Trainer Anfang und nahm seine Führungskräfte in die Pflicht, „haben Spieler mit viel Zweitligaerfahrung in unseren Reihen. Dann sollten wir die Situation besser lösen können.“

Quelle: F.A.S.
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