Darmstadt in zweiter Liga

Verflixte zwei Minuten

Von Alex Westhoff
03.01.2021
, 14:31
1:2 nach 1:0 – Darmstadt 98 verspielt in Bochum einen möglichen Sieg. Immerhin gibt es beim Fußball-Zweitligaklub personelle Neuigkeiten: Der Schwede Isherwood wird verpflichtet.

Tobias Kempe tat alles, um dem Kapitänsfluch zu begegnen. Der „Lilien“-Profi erzielte schon sein achtes Saisontor in Form eines bildschönen Freistoßtreffers – und wurde doch zur tragischen Figur beim SV Darmstadt 98. Denn gerade, als nach dem späten Führungstor der Südhessen beim Aufstiegsanwärter VfL Bochum erste Fan-Träume erblühen konnten, dass diese „Lilien“ das Zweitligafeld von hinten aufrollen könnten – schließlich steuerten sie dank einer konzentrierten Vorstellung auf den vierten Pflichtspielsieg in Serie ohne Gegentor zu –, unterlief Kempe ein folgenschweres Eigentor.

2. Bundesliga

Die Traumwelt nach Kempes Kunstschuss (80. Spielminute) hielt bis zu Kempes Missgeschick (82.) keine zwei Minuten. Nun hätten die Darmstädter ein Remis bei den heim- und formstarken Bochumern noch als solides Resultat werten können. Doch auch das Unentschieden hatte keine zwei Minuten Bestand, weil die Darmstädter urplötzlich jedwede Schärfe in ihrer Abwehrarbeit vermissen ließen. So drehte der VfL-Profi Pantovic (83.) mit seinem Treffer zum 2:1 eine Partie, in der „wir näher an einem Sieg als einem Unentschieden waren“, sagte SVD-Cheftrainer Markus Anfang.

Die Südhessen waren nach Schlusspfiff mal wieder in einer ihnen in dieser Runde schon vertrauten Lage. Tenor: Unter Wert geschlagen, man hätte mehr verdient gehabt. Wer die Neigung der Darmstädter, sich mit reichlich eigenem Zutun um die Früchte ihrer Arbeit zu bringen, für überwunden glaubte, wurde eines Besseren belehrt. Weil Aberglaube im Profifußball ja durchaus verbreitet ist, sollten die Darmstädter Kempe vielleicht von der Rolle des Ersatzkapitäns entbinden. Drei Mal übernahm der 31-Jährige in dieser Runde die Vertretung von Fabian Holland, drei Mal verloren die „Lilien“.

Abgesehen von Aberglaube verdeutlicht dieser Befund wohl vielmehr die Bedeutung von Holland für die Abwehr-Stabilität. Möglich, dass Anwesenheit und Einfluss von Holland, der wegen einer im Training erlittenen leichten Gehirnerschütterung aussetzte, die Darmstädter vor dem späten Tohuwabohu im eigenen Strafraum bewahrt hätte. „Es tut wahnsinnig weh, wenn du das Spiel innerhalb von zwei Minuten herschenkst“, lautete der Lagebericht nach dem 800. Zweitligamatch in der Vereinsgeschichte der „Lilien“ von Innenverteidiger Immanuel Höhn.

Immerhin ist schon am Sonntag defensive Verstärkung am Böllenfalltor gelandet. Darmstadt 98 gab die Verpflichtung des schwedischen Innenverteidigers Thomas Isherwood vom Erstligaklub Östersunds FK bekannt. Der 22-Jährige, in der Jugend auch mal beim FC Bayern aktiv, unterschrieb einen Vertrag bis Mitte 2024. Isherwood mithelfen, dass das Darmstädter Lamento vom fehlenden Lohn nach guter Leistung in dieser Runde nicht mehr so oft erklingt.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot