Darmstadt nach Pokal-Aus

„Steinige Wege gehen nur die Starken“

Von Alex Westhoff
03.02.2021
, 19:06
Darmstadt-98-Präsident Rüdiger Fritsch lobt nach dem Pokal-Aus den Kurs der „Lilien“ und „Toptrainer“ Markus Anfang. Doch die ernüchternde Realität zeigt, dass es für die Hessen bis Saisonende kaum noch etwas zu gewinnen gibt.

In Markus Anfangs verzerrtem Gesicht spiegelte sich mehr denn je die Belastung und Anspannung, die ein Job in der sportlichen Verantwortung im Profibereich mit sich bringt. Man darf nicht vergessen: Der 46-Jährige hat in den nunmehr sieben Monaten seines Darmstädter Wirkens noch kein rechtes Gefühl für den Verein bekommen können. Er hat noch kein volles Böllenfalltorstadion erleben, sich nicht mit Fans austauschen können, noch keine echten Stimmungen und Schwingungen über den sportlichen Kernbetrieb hinaus erleben können. Und dann liegt am Dienstagabend ein besonderer Erfolg, ein in Darmstadt seit 34 Jahren ungekannter, direkt vor ihm zum Greifen nahe. Und flutscht ihm nach 120 intensiven Pokalminuten samt eines 18 Versuche langen Nervenspiels namens Elfmeterschießen wieder durch die Hände.

DFB-Pokal

Die 7:8-Niederlage bei Holstein Kiel nach dem finalen Shootout ließ den Traum vom Einzug ins DFB-Pokalviertelfinale spät, aber knallend platzen. Es wäre für die „Lilien“ nach sportlich eher bleiernen Jahren nach dem Bundesliga-Abstieg 2017 ein Erfolg gewesen, der Aufsehen erregt hätte – und neben in Coronazeiten höchst willkommenem Geld (rund eine Million Euro) auch frische Zuversicht in den „Lilien“-Betrieb gespült hätte. Er wäre gespeist worden aus der in Kiel gewonnenen Erkenntnis, dass diese Mannschaft zu mehr fähig ist, als eine weitere wankelmütige Saison im Zweitliga-Mittelfeld zu verbringen.

Trotz des neuen spielerischen Gewands, das Coach Anfang dem Team verpasst hat. „Wir haben in dieser Saison mit einem neuen Trainer und einem neuen Spielsystem einen Umbruch eingeleitet. Wer nicht erkennt, dass wir überwiegend guten, attraktiven Zweitligafußball, gepaart mit Kampf und Leidenschaft, anbieten, der will es auch nicht sehen“, sagte Vereinspräsident Rüdiger Fritsch am Mittwoch F.A.Z. „Und das ist ein klarer Unterschied zu den vergangenen Jahren. Wir sind auf einem absolut richtigen Weg – und von dem wird kein Millimeter abgewichen.Wir haben einen Toptrainer mit einem klaren Konzept, dem wir Zeit geben werden.“

Enttäuschung bei Darmstadt

Fakt ist in diesen trüben Februartagen aber auch: Angesichts des enormen 14-Punkte-Rückstands auf den Aufstiegsrelegationsrang, den die am Dienstag keinen Deut besseren Kieler innehaben, gibt es für die „Lilien“ bis Saisonende kaum noch etwas zu gewinnen oder zu erobern. Sondern nur noch etwas zu verteidigen, das angesichts des (im Winter mit drei Neuzugängen verstärkten) Kaders selbstverständlich sein sollte: das aktuelle dünne Vierpunktepolster vor den Abstiegsrängen. Damit werden sich die Südhessen vor dem fünften Spiel innerhalb von zwei Wochen an diesem Samstag gegen den 1. FC Nürnberg beschäftigen.

In Kiel überwog fraglos die Enttäuschung, wie so oft in dieser Saison ein enges Match nicht auf ihre Seiten gezogen zu haben. „Wir gehen erhobenen Hauptes“, sagte Fritsch. „Wir wissen selbst, dass es im Fußball vor allem um Ergebnisse geht, so dass unsere Aufgabe ist, aus negativen Erlebnissen trotzdem Positives mitzunehmen. Diese Saison ist der Weg offensichtlich steinig. Aber steinige Wege gehen nur die Starken.“

Torhüter Marcel Schuhen bewies im Elfmeterschießen Stärke, war nur ein paar Fingerbreit vom Status des Pokalhelden entfernt. Zwei Kieler Versuche vermochte er zu parieren, beim Schuss von Lee war er nahe dran. Doch Marvin Mehlem, Mathias Honsak und vor allem zum Schluss Tim Skarke, der den Ball am Tor vorbei trat, machten Schuhens Vorarbeit zunichte. „Ich bin voller Stolz auf die Leistung der Mannschaft“, sagte Schuhen.

Quelle: F.A.Z.
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