Darmstadt 98 vor DFB-Pokal

Der Glückssucher Zimmermann

Von Julia Basic
01.08.2022
, 08:23
„Ich wollte wieder mehr Fußball spielen und war offen für einen Wechsel“, sagt Christoph Zimmermann.
Wieder mehr Fußball spielen und mehr Zeit mit der Familie verbringen: Aus der Not heraus verpflichtet der SV Darmstadt Christoph Zimmermann. Doch der Verteidiger hat dort einiges vor.
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Reisen und umziehen in Zeiten von Corona, Brexit und Flugausfällen zählt nicht zu den Dingen, die Christoph Zimmermann derzeit anderen Menschen empfehlen würde. Der 29-jährige neue Innenverteidiger des Fußball-Zweitligaklubs Darmstadt 98 hat in den vergangenen Tagen viel erlebt – auf Reisen, auf Fußballplätzen und im Privatleben. Umso bemerkenswerter ist es, dass er nach seinem Wechsel vom englischen Zweitliga-Klub Norwich City zu den „Lilien“, der Mitte vergangener Woche bekannt wurde, bereits auf knapp 40 Minuten Spielzeit und einen Heimsieg zurückblicken kann.

DFB-Pokal

Dass es so kommen konnte, daran zweifelte Zimmermann nur kurz. Mit Norwich war er am vorvergangenen Samstag für ein Testspiel in Marseille. Im Anschluss sollte es für ihn zurück nach England gehen, um sich vom Klub und für kurze Zeit von seiner schwangeren Frau und dem kleinen Sohn zu verabschieden. Der Flug nach Frankfurt war für Montag geplant, letztlich hob der Flieger aber erst am Dienstagmittag ab.

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„Man denkt, da werden einem schon ein paar Steine in den Weg gelegt, und ich bin gespannt, ob und wann ich überhaupt ankomme“, blickte Zimmermann auf seine Odyssee durch Europa zurück. Zeit zum Ausruhen blieb ihm nach der Landung nicht – es folgten die Fahrt nach Darmstadt, der Medizincheck, und die Vertragsunterschrift. „Alles ging so schnell. Ich dachte, morgen ist schon das erste Training und eigentlich müsste ich mich noch um ein Haus für meine Familie kümmern.“

Tausend Gedanken seien ihm durch den Kopf gegangen, die sich nicht alle um Fußball gedreht hätten. „Aber es hat alles funktioniert. Ich bin hier, habe schon ein paarmal trainiert und mache drei Kreuze, dass es so ist. Vor allem, dass es gleich drei Punkte zum Einstand gab.“ In der Partie zum Zweitliga-Auftakt gegen den SV Sandhausen, die Darmstadt 2:1 gewann, wurde Zimmermann in der 53. Minute eingewechselt und half mit, den Heimsieg abzusichern. Am Montag (18.01 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zurm DFB-Pokal und bei Sky) tritt er mit Darmstadt in der ersten Runde des DFB-Pokals in Ingolstadt an.

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Gemischte Gefühle

Die Verstärkung in der Innenverteidigung war bitter nötig, denn die Darmstädter haben mit vielen Ausfällen zu kämpfen, für die sie schnell Ersatz finden mussten. Mit Christoph Zimmermann wollen die „Lilien“ nicht nur kurzfristig Löcher stopfen, sondern langfristig zusammenarbeiten. Der gebürtige Düsseldorfer hat einen Vertrag bis Ende Juni 2025 erhalten. In Deutschland spielte er bislang für die zweiten Mannschaften von Borussia Mönchengladbach, in deren Nachwuchsabteilung er ausgebildet wurde, und Borussia Dortmund. 2017 wechselte er nach England, wo er mit Norwich City erst den Aufstieg in die Premier League feierte, aber auch den Abstieg in die zweite englische Liga miterlebte.

Auf die Zeit in England blickt er mit gemischten Gefühlen zurück. Nachdem er im ersten Jahr viel Spielzeit erhielt, häuften sich anschließend die Verletzungen. Wegen einer Sprunggelenksoperation konnte er erst im Januar wieder spielen, kam aber nur noch zu drei Einsätzen. Trotzdem habe er in England mit seiner Familie ein gutes Leben gehabt und sich ein soziales Umfeld geschaffen. „Ich wollte wieder mehr Fußball spielen und war offen für einen Wechsel. Aber ich wollte Norwich nur für etwas verlassen, wo ich auch hinter stehe“, sagte Zimmermann.

Für Darmstadt könne er das mit Überzeugung behaupten. Ein „sehr gutes Gespräch“ mit Trainer Torsten Lieberknecht und mit seinem ehemaligen Mitspieler Mario Vrancic, der auch für Darmstadt gespielt hat, hätte ihn überzeugt. „Ich habe den Eindruck bekommen, dass der Verein sehr gut aufgestellt ist und hier eine familiäre Atmosphäre herrscht.“ Die Familie, das betont Zimmermann oft, sei ihm besonders wichtig: „Nur wenn privat alles im Reinen ist, kann man auf dem Platz seine bestmögliche Leistung zeigen.“

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Basic, Julia
Julia Basic
Sportredakteurin.
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