Nach Massenschlägerei bei A5

Schaden für alle Fußballfans

EIN KOMMENTAR Von Daniel Schleidt
18.08.2020
, 09:01
Nach der Massenschlägerei bei Weiterstadt zwischen Hooligans stehen die Fußball-Vereine vor einem Problem: Die Schlägergruppen färben auf die „normalen“ Fans ab. Sie spielen denjenigen in Hände, die Rechte der Fans weiter einschränken wollen.

Was in den Köpfen von Männern vorgeht, die mit Quarz-Handschuhen und Gebiss-Schutz auf einer Wiese aufeinander losgehen, so wie am Wochenende in Weiterstadt geschehen, ist kaum nachzuvollziehen. Mal abgesehen davon, dass 15 Polizeistreifen im Einsatz waren und der Vorfall die Behörden noch weiter beschäftigen wird, könnte man sich aber die Frage stellen, was dagegen einzuwenden ist, wenn sich Männer einvernehmlich die Nasen blutig schlagen, solange außerhalb dieser Gewaltblase niemand zu Schaden kommt?

Die Antwort lautet, dass eine Gesellschaft Gewalt niemals gutheißen kann und auch keinesfalls wegschauen darf, wenn sie an einem abgelegenen Ort und damit quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Wer grundsätzlich bereit ist, andere Menschen vorsätzlich zu verletzen, der tut dies in der Regel nicht nur auf irgendeinem Acker, sondern beim nächsten Mal auch wieder im Stadion, auf der Straße, in der Bahn oder in der Kneipe. Die Grenzen der Gewalt sind fließend.

Schwer zu greifen

Die Nähe der Schläger zu den Fußballvereinen ist dabei schwer zu greifen. Die Klubs selbst weisen darauf hin, dass es in den vergangenen Jahren immerhin weitgehend gelungen sei, die Prügeleien aus dem Stadion und auch aus dem direkten Umfeld der Arenen auf neutrales Terrain zu verlagern. Trotzdem verschärft die Tatsache, dass sich die Schlägergruppen bei ihren Kämpfen klar als sogenannte Fußballfans und im vorliegenden Fall als Anhänger von Eintracht Frankfurt und von Darmstadt 98 bezeichnen, für die Vereine das Problem. Denn einerseits fehlt ihnen außerhalb des Stadions die Handhabe gegen diese Leute. Andererseits jedoch färben solche Vorfälle auf die Klubs und die Szenen der wahren Fans ab, ob sie wollen oder nicht. Sie spielen jenen neue Argumente in die Hände, die Rechte der Fußballanhänger noch weiter einschränken wollen, als sie es derzeit ohnehin schon sind. Insofern leisten die Schlägertrupps allen anderen Fans und auch den Ultras einen Bärendienst.

Unter den Fußballfans wächst derzeit die Sorge, dass die wegen der Corona-Pandemie im Zuge der Diskussion um die Rückkehr von Zuschauern beschlossenen Verbote von Reisen zu den Auswärtsspielen und von Alkoholkonsum sowie die Schließung der Stehplätze und die Personalisierung von Eintrittskarten auch nach Corona Bestand haben könnten. Negativschlagzeilen gewalttätiger Gruppen schaden damit vielleicht mehr denn je einer Fankultur in Deutschland, die es unbedingt zu wahren gilt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schleidt, Daniel
Daniel Schleidt
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot