Nicht genug Zuschauer erlaubt

Der Eintracht drohen weitere finanzielle Einbußen

Von Jörg Daniels
07.10.2021
, 18:14
Herr der Zahlen, zumindest bei der Eintracht: Oliver Frankenbach
Trotz eines Verlustes von 45 Millionen Euro sieht Finanzvorstand Frankenbach die Eintracht im oberen Bundesliga-Drittel. Die Zahlen lassen den Verein aber auch in Zukunft nicht unbedingt aufatmen.
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Wenn Nationalmannschaftspause ist, schlägt die Stunde von Oliver Frankenbach bei Eintracht Frankfurt. „ZDF“ (Zahlen, Daten, Fakten) – so lautet der interne Spitzname des Frankfurter Finanzvorstands. Am Donnerstag hielt Frankenbach nach eigenem Bekunden „formal keine Bilanzpressekonferenz“ ab, sondern stellte in der WM-Arena „saisonale Kennzahlen“ dar. Nach seinen Angaben konnte der Fußball-Bundesligaklub in der zurückliegenden Spielzeit 2020/2021 einen Umsatz in Höhe von 160,4 Millionen Euro erzielen. Eine Spielzeit davor waren es noch 278,1 Millionen Euro, zum damaligen Zeitpunkt ein Rekordergebnis, bevor die Corona-Pandemie kam und entsprechend negative Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis hatte.

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So betrug in der abgelaufenen Spielzeit der Verlust nach Steuern 36,1 Millionen Euro. In der Saison 2019/2020 hatte sich die Eintracht über einen Gewinn nach Steuern in Höhe von 18,7 Millionen Euro freuen können. Unter dem Strich häuften die Frankfurter laut Frankenbach Verluste durch die Corona-Pandemie in Höhe von 45 Millionen Euro an. Im Hinblick auf die aktuelle Spielzeit geht der erfahrene Finanzexperte fest davon aus, die Erlöse wieder steigern zu können, „Das müssen wir auch, weil die Aufwendungen steigen“, betonte er. Angepeilt werden von der Eintracht 200 Millionen Euro.

Was im nationalen Wettbewerb gut für die Hessen in schwierigen Zeiten ist: Im Vergleich zu den anderen Erstligaklubs stünden die Frankfurter unter „den ersten sechs Vereinen“, was die wirtschaftliche Stabilität angeht, sagte Frankenbach. Um die gesamtwirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie „abfedern“ zu können, sei es für alle Bundesligaklubs „unabdingbar, dass wir schrittweise wieder zu einer vollständigen Öffnung der Stadien kommen“. Vor dieser Spielzeit hätten die Frankfurter eine „vorsichtige Kalkulation gemacht auf der Basis von einer sechzigprozentigen Auslastung für das Stadion“, erläuterte der Finanzvorstand die Planungen.„Wenn wir das nicht wirklich erhöhen können, werden wir wieder einen Verlust erzielen in einer Größenordung von etwa 30 Millionen Euro.“

Es braucht 25.000 Zuschauer

In der Saison 2019/2020 hatten sich die Einnahmen aus dem Heimspielbetrieb (Ticketing und Hospitality) noch auf 38,6 Millionen Euro belaufen. Eine Runde später war es nur noch eine halbe Million Euro. Laut Frankenbach braucht es in der WM-Arena 25.000 Zuschauer, „damit man quasi überhaupt anfängt, Erlöse zu erzielen“. Für das Heimspiel am Samstag in einer Woche gegen Hertha BSC sind 40.000 Zuschauer zugelassen.

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Das Eigenkapital der Eintracht ist von 53,4 Millionen Euro (Saison 2019/2020) auf 39 Millionen Euro in der abgelaufenen Spielzeit geschrumpft. Durch das in der Vergangenheit zugelegte Polster sowie die im April 2021 vollzogene Eigenkapitalmaßnahme und die Aufnahme eines weiteren Gesellschafters hätten die „erfahrenen Verluste vergleichsweise unbeschadet abgefedert werden können“, sagte Frankenbach.

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Ein neuerlicher Verlust in der Größenordnung von 30 Millionen Euro würde nach seinen Worten „zu einer weiteren Reduzierung des Eigenkapitals führen und zu einer weiteren Aufnahme von Fremdmitteln. Und wenn man Fremdmittel zwischen 20 und 30 Millionen Euro aufnehmen muss, dann muss man schauen, wie man das in den kommenden Jahren zurückführt.“ Das würde uns „sicherlich die kommenden fünf Jahre beschäftigen“, sagte der Finanzvorstand.

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Die Finanzschulden der Eintracht sind gestiegen – von 37,2 Millionen Euro (Saison 2019/2020) auf 46,3 Millionen Euro (2020/2021). Zurückzuführen sei das „neben dem fortschreitenden Bau des ProfiCamps“ auch auf die „Aufnahme betriebsnotwendiger Fremdmittel“. Die betrieblichen Aufwendungen hingegen konnten die Frankfurter durch Maßnahmen wie Kosteneinsparungen und Gehaltsverzicht deutlich reduzieren: Nach 242,5 Millionen Euro in der vorvergangenen Spielzeit waren es in der zurückliegenden Saison nur 194,8 Millionen Euro. „Das hat uns einigermaßen die Verluste abfedern lassen, sonst wären sie noch viel größer gewesen“, sagte Frankenbach.

Positiv aus Sicht der Eintracht ist die Stärkung ihrer Eigenvermarktung. Im Bereich Werbung schafften die Frankfurter einen Anstieg der Umsätze von 24,7 Millionen Euro auf 31,8 Millionen Euro. Das zeige, dass die Schritte in die Eigenvermarktung sowie den Betrieb des Stadions strategisch wie ökonomisch sinnvoll gewesen seien, lautet die Frankfurter Selbsteinschätzung.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Daniels, Jörg
Jörg Daniels
Redakteur in der Sportredaktion
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