Frankfurt in Bundesliga

Auch gegen Hertha BSC gewinnt die Eintracht nicht

Von Jörg Daniels, Berlin
13.08.2022
, 17:41
Musste schon nach drei Minuten miterleben, wie seine Mannschaft in Rückstand geriet: Eintracht-Trainer Oliver Glasner
Eintracht Frankfurt wollte in Berlin vieles besser machen, doch am Ende reicht es gegen Hertha BSC nur zu einem Unentschieden. Eine Entscheidung kurz vor Schluss sorgt für Aufregung.
ANZEIGE

Nach dem schlimmen 1:6 im Eröffnungsspiel gegen Bayern München orientierte sich der Frankfurter Fußballlehrer Oliver Glasner bei seiner Einschätzung an einer Lehrkraft in der Schule. „Wenn du viele Einser schreibst und dann mal eine Fünf, bist du jetzt nicht ein Fünfer-Schüler“, sagte der Eintracht-Trainer und wollte damit das unangenehme Ergebnis richtig eingeordnet wissen. Für Glasner gehörte die Pleite zum Bundesligaauftakt im Duell mit dem deutschen Meister in die Kategorie Ausrutscher und spiegelte nicht den wahren Wert seiner Mannschaft wieder.

Bundesliga

Das Resultat am zweiten Spieltag bei Hertha BSC Berlin bestätigte ihn nicht in vollem Umfang in seiner Auffassung. Auch in der Bundeshauptstadt präsentierte sich die Eintracht über 90 Minuten nicht in der Form, die man von ihr erwarten kann. Nach zuletzt drei Erfolgen in Berlin musste sich der Europa-League-Gewinner diesmal mit einem mageren 1:1 begnügen. Den Frankfurter Treffer erzielte Daichi Kamada zum 1:1 (48. Minute). Suat Serdar hatte Hertha BSC früh 1:0 (3.) in Führung gebracht.

ANZEIGE

Glasners Team, das in der Abschlussbilanz unter den besten sechs Klubs stehen möchte, wurde seiner Favoritenrolle vor allem in der schwächeren ersten Halbzeit nicht gerecht. Als Spielnote reichte es insgesamt nur zu einer drei bis vier. Immerhin konnte es die Eintracht, die Tabellenviertletzter ist, mit dem Remis verhindern, dass früh in der Saison leichte Krisenstimmung aufkommt.

Diskussionen um Elfmeter

„Wir haben den Start verschlafen und sind nicht richtig ins Spiel reingekommen“, sagte Mittelfeldspieler Djibril Sow. Die Spritzigkeit habe ein „bisschen gefehlt. Aus der Halbzeitpause sind wir dann aber sehr gut rausgekommen“, meinte der Schweizer Nationalspieler. „Auf der zweiten Halbzeit können wir deshalb aufbauen.“

ANZEIGE

Für Aufregung sorgte kurz vor Spielende ein zurückgenommener Elfmeter von Schiedsrichter Frank Willenborg. Herthas Torhüter Oliver Christensen hatte Eintracht-Angreifer Rafael Borré im Strafraum von den Beinen geholt. Es soll auch eine Berührung vorgelegen haben. Nach Ansicht der Videoaufnahmen revidierte der Schiedsrichter aber seine Entscheidung. Dieser habe gesagt, dass er „keinen Gurkenelfer“ habe pfeifen wollen, teilte Frankfurts Torhüter Kevin Trapp nach dem Gespräch mit Willenborg mit. Für Eintracht-Trainer Oliver Glasner war es ein „klarer Elfmeter. Wenn man es runterbricht, hat der Schiedsrichter heute das Spiel entschieden. Wir sind nicht ganz glücklich“, sagte er. „Wir müssen es aber so akzeptieren.“

Schiedsrichter Willenborg erklärte später gegenüber Sky: „Meine Wahrnehmung auf dem Spielfeld war die, dass der Torhüter dem Stürmer den Fuß wegzieht. Es schien zunächst eine klare Sache zu sein. Meine Wahrnehmung deckte sich aber nicht mit den Bildern des Videoschiedsrichters“, weshalb er entschieden habe, sich die Szene noch einmal selbst am Spielfeldrand anzuschauen. „Ich sehe in den Bildern, dass es eine Berührung gibt, die aber nicht ursächlich ist für das Fallen des Spielers. Für mich ist das ein Streifen.“

Eine Berührung: ja. Aber reicht das auch für einen Elfmeter? Der Schiedsrichter sagte schlussendlich: nein.
Eine Berührung: ja. Aber reicht das auch für einen Elfmeter? Der Schiedsrichter sagte schlussendlich: nein. Bild: Reuters

Im Erstligaspiel Nummer eins ohne den zu Juventus Turin abgewanderten Führungsspieler Filip Kostic, der mit seiner Dynamik und Wucht auf der linken Seite vermisst wurde, wechselte Glasner sein Personal gegen Hertha BSC kräftig durch. Er ließ in einem 3-5-2-System spielen. Die beiden Angreifer Randal Kolo Muani, der ein starkes Spiel machte, und Lucas Alario gaben ihr Startelfdebüt. Borré hingegen fand sich an ungewohnter Stelle wieder: auf der Bank. Zu dem Kolumbianer gesellten sich Kapitän Sebastian Rode und Jesper Lindström.

ANZEIGE

Wieder in der Startformation stand Weltmeister Mario Götze, der im Supercup-Spiel gegen Real Madrid (0:2) nur Einwechselspieler war. Die Dreierabwehrkette bildeten Abwehrchef Tuta, Almamy Touré und Evan Ndicka.

Noch nicht im Aufgebot war der Italiener Luca Pellegrini, den die Hessen am Freitagabend nach dem Weggang von Kostic von Juventus Turin verpflichtet hatten. Der 23 Jahre alte Linksverteidiger wurde für eine Spielzeit ausgeliehen. Ob die Vereinbarung eine Kaufoption beinhaltet, teilten die Vereine nicht mit. Für den gebürtigen Römer ist es die erste Auslandsstation. Pellegrini sei variabler als sein Vorgänger Kostic, meint Sportvorstand Markus Krösche. „Luca kann auf der linken Außenbahn beide Defensivpositionen ausfüllen – sowohl vor einer Dreierabwehrkette als auch eine Position tiefer in einer Viererkette.“ Kostic habe mit Schnelligkeit, Robustheit und präzisen Flanken geglänzt, so Krösche in den vereinseigenen Medien. „Das kann Luca auch. Er bringt uns einfach noch mehr Flexibilität“, sagte der Sportvorstand.

Hertha BSC brachte die Frankfurter Defensive immer wieder in Bedrängnis.
Hertha BSC brachte die Frankfurter Defensive immer wieder in Bedrängnis. Bild: dpa

Wenig Gutes hatte die Eintracht zu Spielbeginn zu bieten. Sie war viel zu oft nicht auf der Höhe des Geschehens. „Unsere Defensive war am Anfang desaströs“, urteilte Glasner. Einem Ballverlust von Kamada folgte ein Berliner Spielzug, der mit einem Kopfballtreffer von Suat Serdar erfolgreich zum 1:0 endete. Dessen finaler Frankfurter Gegenspieler Ansgar Knauff wusste im Zweikampf in der Luft den Gegentreffer nicht zu verhindern. Ordentlich Aufregung im Eintracht-Strafraum: Ein paar Minuten später klärte Ndicka in höchster Not die Situation.

ANZEIGE

Mit dem Zugriffsverhalten seiner Mannschaft auf dem Platz war Glasner sichtbar unzufrieden, der mit Handzeichen und Kommandos von außen für mehr Ordnung sorgen wollte. Trotzdem bot sich in der 23. Minute eine Riesenchance für Kanga, auf 2:0 zu erhöhen. Frankfurts ungeordnete Verteidigung wackelte bedenklich. Die viel zu lasch agierenden Hessen leisteten sich zu viele Fehler beim Spielaufbau. In der Trinkpause hatte Glasner dementsprechend Gesprächsbedarf. Auch das eigene Angriffsspiel konnte ihm nicht gefallen. Denn es fehlte der Eintracht an Durchschlagskraft und Entschlossenheit vor dem Berliner Tor. Die Nominierung von Alario und Kolo Muani machte sich noch nicht bezahlt.

Die zweite Spielhälfte begannen die Frankfurter mit Faride Alidou, der den nicht überzeugenden Knauff ablöste und das Spiel belebte. Schnell setzte die Eintracht aktiv das richtige Zeichen: Auf Vorarbeit von Kolo Muani, der ordentlich Zug zum Hertha-Tor entwickelte, traf Kamada zum 1:1 (48.). Die Hessen waren nun präsenter und mit mehr Willensstärke am Werk. Ein Aktivposten war Kolo Muani, der das 2:1 (55.) auf dem Fuß hatte. Auch Kamada ließ die Chance zum Führungstreffer ungenutzt. Auf der Gegenseite war Torhüter Kevin Trapp auf dem Posten, der mit dem ihm abverlangten Herausforderungen keine Mühe hatte. In der 72. Minute vergab Stefan Jovetic die große Chance zur Berliner 2:1-Führung. In dieser Szene verletzte sich Touré, der von Makoto Hasebe ersetzt wurde.

Mit einem Doppelwechsel wollte Glasner der Eintracht neue Offensivpower zuführen: Borré und Lindström ersetzten Alario und Götze, der in seinem Leistungsvermögen noch viel Luft nach oben hat. Der finale Punch aber gelang der Eintracht nicht – auch, weil die Frankfurter nicht zum Elfmeter antreten durften. Der Schiedsrichter habe „einige 50:50-Situationen gegen uns entschieden“. Insofern habe es ihn nicht überrascht, „dass er den Elfmeter zurückgenommen hat“, sagte Sow. Der Ärger auf Frankfurter Seite war groß.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Daniels, Jörg
Jörg Daniels
Redakteur in der Sportredaktion
  Zur Startseite
Lesermeinungen
Alle Leser-Kommentare
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Fahrradhelm
Fahrradhelme im Test
Baufinanzierung
Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
Spanischkurs
Lernen Sie Spanisch
Sportwagen
Finden Sie Ihren Sportwagen
Ergometer
Ergometer im Test
ANZEIGE