0:2-Niederlage in Helsinki

Eintracht verliert gegen Real Madrid im Supercup

Von Ralf Weitbrecht, Helsinki
10.08.2022
, 23:01
Kein zweiter internationaler Titel: Kevin Trapp und die Eintracht unterliegen Real Madrid.
Der Champions-League-Sieger ist zu stark für den Gewinner der Europa League: Real Madrid holt in Helsinki den Supercup. Die Eintracht zeigt sich nach dem Debakel gegen den FC Bayern aber verbessert.
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Der Traum war real, doch nicht Eintracht Frankfurt, sondern Real Madrid hat die nächste Trophäe nach Hause gebracht. Diesmal ist es der Supercup, den sich der Rekordsieger der Königsklasse schon zum fünften Mal sicherte. 2:0 durch die Treffer von David Alaba (37. Minute) und Karim Benzema (65.) hieß es am Mittwochabend gegen die Eintracht, die trotz der Niederlage im Olympiastadion von Helsinki abermals auf europäischer Fußballbühne eine gute Figur abgab, sich der spielerischen Dominanz von Real aber verdient geschlagen geben musste.

„In so einem Spiel willst du natürlich den Titel holen“, sagte Sebastian Rode beim Streamingdienst DAZN. „Das hat halt nicht gereicht heute. Gegen den Champions-League-Sieger musst du die Chancen nutzen, das haben wir nicht geschafft.“ Das Vorhaben der Eintracht, Historisches zu leisten und ein weiteres bedeutsames Kapitel Vereinsgeschichte zu schreiben, ist also entgegen aller Wunschvorstellungen nicht aufgegangen. Die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner dürfte die Niederlage gegen Real verschmerzen. In Kürze locken für den Europa-League-Sieger zumindest sechs Gruppenspiele in der Champions League, dem Hoheitsgebiet der Spanier.

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Kostic aus dem Kader gestrichen

Die ersten Auszeichnungen und Lobpreisungen an diesem großen Fußballabend gab es schon eine Stunde vor dem Anpfiff. Mit Ansgar Knauff (Nachwuchsspieler der Europa-League-Saison), Vinicius Junior (Nachwuchsspieler der Champions-League-Saison) und Benzema (Spieler der Champions-League-Saison) wurden drei Profis für ihre herausragenden Leistungen gewürdigt.

Der Vierte im Bunde, der auch das Schaufenster Supercup hätte genießen können, hatte darauf verzichtet, beim wichtigsten Spiel seiner Karriere dabei zu sein: Filip Kostic. Der nach Italien zu Juventus Turin wechselnde Eintracht-Profi war am Vortag aus dem Kader für das europäische Gipfeltreffen gestrichen worden.

Über das Prozedere und den Zeitpunkt der Orts- und Ligaveränderung des 29 Jahre alten Serben hatte sich Eintracht-Präsident Peter Fischer auf einem Empfang des Klubs beklagt. „Wenn du einmal die Chance hast, im Supercup-Endspiel zu spielen, gegen Real Madrid, nicht gegen die Wetterau, Real Madrid! Wenn du dann noch da unten auf dem Platz die Auszeichnung als bester Spieler der Europa League bekommst, vor 500 Ländern, die irgendwo gucken, und du machst das nicht, dann merke ich doch, wie versaut das Geschäft am Ende des Tages ist“, sagte Fischer vor 300 geladenen Gästen. „Es tut weh.“ Gleichwohl lobte der erste Mann der Eintracht Kostics langjähriges Wirken. „Filip ist ein Ausnahmespieler für Eintracht Frankfurt gewesen, den wir immer im Herzen haben werden.“

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Dass Christopher Lenz im Duell gegen Real Kostics Part auf der linken Seite übernehmen würde, war klar. Es war nicht die einzige Änderung in der Startformation. Glasner entschloss sich zudem dazu, Mario Götze zunächst auf der Bank zu lassen. Für den Weltmeister rückte Daichi Kamada in die erste Elf. Im Abwehrverbund kristallisierte sich schnell heraus, dass die Dreierkette eigentlich ein Fünferblock war, denn die beiden zurückgezogenen Außenspieler Lenz und Knauff leisteten ständig Defensivarbeit.

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Erst Doppelkopf, dann trifft Alaba

Trotzdem war es die Eintracht, die gegen den großen Favoriten in Führung hätte gehen können. Nach Vorarbeit von Rafael Borré tauchte Kamada plötzlich im Strafraum von Real auf, scheiterte aber mit links an Thibaut Courtois (14. Minute). Real-Trainer Carlo Ancelotti sagte anerkennend: „Wir hatten am Anfang Probleme.“

Drei Minuten später war es der überragende Vinicius Junior, der Maß nahm, aber Pech hatte, dass Tuta für den schon geschlagenen Kevin Trapp vor der Torlinie rettete. Abermals der flinke Vinicius Junior war es, dem sich mit einem Schuss aus 14 Metern eine gute Einschussmöglichkeit bot. Doch Trapp zeigte seine Klasse und klärte zur Ecke (37.). Unmittelbar nach dieser Standardsituation fiel dann wirklich das Tor für die Spanier. Benzema und Casemiro spielten im Wortsinne Doppelkopf, David Alaba brauchte den Ball nur noch ins leere Tor einzuschieben. Vier Minuten vor der Halbzeitpause nahm Benzema Maß, fand aber seinen Meister in Trapp.

Der früherer Bayern-Spieler David Alaba erzielte das erste spanische Tor.
Der früherer Bayern-Spieler David Alaba erzielte das erste spanische Tor. Bild: AP

Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild. Real bestimmte Spiel und Tempo – und hätte durch Vinicius Junior, ihren Besten, auf 2:0 erhöhen können. Doch wieder parierte Trapp prächtig (55.). Glasner entschied sich kurze Zeit später zu einem Doppelwechsel. Götze kam für Kapitän Rode in die Partie, und auch Randal Kolo Muani versuchte von der 58. Minute an, es besser als der ausgeschiedene Jesper Lindström zu machen. Pech hatte Casemiro, als er aus der Distanz nur die Latte des Frankfurter Tores traf (61.).

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10.000 Frankfurter Fans, aber keine einflussreichen Ultras: Anders als noch beim Bundesligastart gegen die Bayern präsentierten sich die Eintracht-Anhänger in Helsinki von ihrer angenehmen Seite. Dass es andererseits immer wieder Ausschreitungen und Entgleisungen gibt, erzürnte selbst den fanfreundlichen Axel Hellmann.

„Das war kein guter Freitag“

Der Vorstandssprecher der Eintracht fand beim Empfang des Vereins in der finnischen Hauptstadt klare Worte. „Das war in vielerlei Hinsicht kein guter Freitag für uns“, sagte er. „Wir haben uns von der Hardcore-Fanszene angefangen bis hin zu dem, was wir sportlich abgeliefert haben, beschissen präsentiert.“ Und weiter: „Wir werden uns darum kümmern, dass ein paar Dinge begradigt werden, die sich offenbar in die falsche Richtung entwickelt haben“, sagte Hellmann.

Beim Spiel gegen die Bayern hatten die Pfiffe von den Tribünen bei der Nationalhymne, ein versuchter Fahnenklau und das Abbrennen von Pyrotechnik für heftige Diskussionen gesorgt. Hellmann sprach von einer Verpflichtung „gegenüber dem großen Ganzen, gegenüber der Mannschaft, dem Klub und der Wahrnehmung der Eintracht. Das hat mir am Freitag elementar gefehlt.“

Karim Benzema legte mit einem Schuss im Strafraum in der zweiten Halbzeit nach.
Karim Benzema legte mit einem Schuss im Strafraum in der zweiten Halbzeit nach. Bild: AP

Am Mittwoch, beim Supercup, hat alles auf den Rängen gepasst. Zu denjenigen, die im ausverkauften Olympiastadion von Helsinki mit der Eintracht fieberten, gehörte auch Martin Hinteregger. Der einstige Eintracht-Profi im Ruhestand wurde mit stürmischen „Hinti“-Rufen empfangen. Was auch er während des Finalspiels bis zum Ende zu sehen bekam, war bei aller Wertschätzung für die couragierte Leistung der ehemaligen Eintracht-Kameraden letztlich eine klare Sache für Real.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Weitbrecht, Ralf
Ralf Weitbrecht
Sportredakteur.
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