Eintracht-Angreiferin

Es hat Klick gemacht

Von Alex Westhoff
01.10.2021
, 15:28
Die 20-jährige Shekiera Martinez schafft es, ihr Potential zu entfalten
Verletzungen, Formkrisen: Eintracht-Angreiferin Shekiera Martinez beschritt nicht direkt den Weg, der anderen schon vorgezeichnet schien. Nun startet sie in der Bundesliga durch – mit Verspätung.
ANZEIGE

Als Shekiera Martinez den Ball mit der ihr eigenen Selbstverständlichkeit und Abgebrühtheit ins Tor getreten hatte, wurde sie bei den damaligen Jubelszenen von ihren Mitspielerinnen fast erdrückt. Ein Treffer kurz vor Schluss zum 3:3 gegen den alten Frankfurter Bundesliga-Rivalen Turbine Potsdam. Manager Siegfried Dietrich sagte damals: „Eine große Karriere hat begonnen.“

ANZEIGE

Zweieinhalb Jahre ist das nun her. Eine hochveranlagte 17-Jährige schien sich auf den Weg zu machen, die Hoffnungen zu erfüllen, welche ihr Talent versprach. Doch weder die 18-jährige noch die 19-jährige Shekiera Martinez vermochte den scheinbar vorgezeichneten Weg so recht weiterzugehen. Verletzungen, Formkrisen, dazu soll auch ihr Lebenswandel nicht immer adäquat gewesen sein für die Anforderungen von Profisport.

Kurzum: Wenn sie nicht gerade an muskulären Problemen laborierte, reichte ihre Luft bei FFC und Eintracht nur für Kurzeinsätze. Bei denen sie ihre ausgeprägte Schnelligkeit und Explosivität, ihre Gewandtheit und ihren Torinstinkt nur andeuten konnte. Die 20-jährige Shekiera Martinez indes kommt anders daher, gestärkt und gereift. Kurzum: wie verwandelt. Als ob es Klick gemach hätte bei ihr.

Gestärkt und gereift

Denn seit Saisonbeginn steht sie in der Startformation bei der SGE, trifft, legt Tore auf, spielt nicht selten 90 Minuten durch. „Ich habe hart trainiert in allen Bereichen und auch meine Ernährung umgestellt“, sagt die Fuldaerin. Und weiter: „Ich habe im vergangenen Jahr gelernt, die Signale meines Körpers so zu deuten, dass ich einschätzen kann, wann es auch mal Sinn ergibt, die Intensität ein bisschen anzupassen. Dadurch habe ich jetzt mehr Vertrauen in mich und meine Leistungen.“

Wenn es eines Tages zu der von Dietrich (und anderen Experten) prognostizierten großen Stürmerkarriere kommen sollte, dann liegen die Wurzeln dafür im Sommer 2021. „Sheki hat zum ersten Mal ohne Probleme eine Saisonvorbereitung durchziehen können. Ihr Fitnesszustand hat sich extrem verbessert. Wenn es ihr körperlich besser geht, ist sie auch mental frischer“, sagt Eintracht-Chefcoach Niko Arnautis. Der 41-Jährige kennt Shekiera Martinez schon, seitdem sie 14 Jahre alt ist. Als Lehrer in der Carl-von-Weinberg-Schule, der Frankfurter Eliteschule des Sports, und als Fußballtrainer.

ANZEIGE

Drei Torvorlagen

Am vergangenen Wochenende gelangen Shekiera Martinez im Pokal beim Zweitligaklub 1. FC Nürnberg drei Torvorlagen. In der Bundesliga kommt sie nach drei Spieltagen schon auf vier Tore. „Das ist für sie und für uns eine große Freude gerade“, sagt ihr Förderer Arnautis.

ANZEIGE

Des Trainers Systemumstellung hat es ermöglicht, dass die Osthessin so aufblühen kann. Die Eintracht-Frauen spielen seit Saisonbeginn mit einer sogenannten Raute im Mittelfeld, was die Aufstellung von drei Offensivspielerinnen ermöglicht. So wird Shekiera Martinez nicht mehr nur eingewechselt für die gesetzten Nationalspielerinnen Laura Freigang und Lara Prasnikar, sondern spielt mit ihnen gemeinsam. „Wir Drei helfen uns gegenseitig sehr, uns in Szene zu setzen“, sagt die langjährige Juniorenauswahlspielerin. Sie profitiere aber auch von den beiden international auf höchstem Niveau erfahrenen Partnerinnen.

Nun wartet nach dem in Liga und Pokal bislang makellosen Saisonstart die erste richtige Standortbestimmung auf die Eintracht-Frauen. An diesem Samstag (16 Uhr) treffen sie in Sinsheim auf die TSG Hoffenheim, welche sich als Drittplatzierte der Vorsaison den Startplatz in der Champions League gesichert hat. Um jenen Rang wollen die Frankfurterinnen in dieser Saison wetteifern. Da käme ein kraftvolles Signal in eigener Sache an die Konkurrenz nun gerade recht. An der Besetzung seines Angriffs-Trios wird Arnautis vermutlich nichts ändern – Neuzugang Nicole Anyomi ist noch immer nicht einsatzbereit.

Und der Torinstinkt von Shekiera Martinez ist für diese so natürlich, dass sie kein Aufhebens darum macht. „Ich habe schon früh angefangen Fußball zu spielen und soweit ich mich erinnern kann, war er schon immer da“, so die 20-Jährige, die sich aktuell als Profispielerin komplett auf Fußball konzentriert. Nun liegt es an ihr, ob es bei Marken wie Torschützenkönigin bei der U-17-EM (neun Treffer) bleibt oder ob sie auch in der Bundesliga durchstartet. Die Phantasien im Klub und beim DFB sind längst angeregt, was aus dem Sturmtalent, dessen Vater angolanische und dessen Mutter amerikanische, mexikanische und deutsche Wurzeln hat, werden könnte. Ihre Gabe, an das Spiel nicht zu verkopft, sondern locker und unbekümmert heranzugehen, könnte Shekiera Martinez noch sehr behilflich sein.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE