Eintracht Frankfurt

Das Spiel der Enttäuschten

Von Peter Heß, Frankfurt
01.11.2014
, 06:00
Fixiert auf das Runde: Alexander Madlung hat es endlich in die Startelf geschafft, eine feste Größe ist er noch nicht.
Eintracht-Trainer Schaaf sieht bei der Auswärtspartie bei Hannover 96 im Abwehrverhalten einen Schlüssel zum Erfolg. Bei der Aufstellung hat er wieder einmal kaum Auswahl.

Auch wenn es manchmal kaum zu erahnen ist: Thomas Schaaf hat Humor. Für Schenkelklopfer ist der Trainer der Frankfurter Eintracht freilich nicht zuständig. Er hat Sinn für Ironie, manchmal für das Makabre. Vor dem Bundesligaspiel an diesem Samstag (Anstoß 15.30 Uhr) bei Hannover 96 beschließt er seine Aufzählung der fehlenden Spieler mit der Bemerkung: „Diesmal gibt es keine großen Diskussionen um den Kader.“ Kein Wunder, jeder, der kann, der darf auch aufs Feld oder zumindest auf die Ersatzbank. Mit 18 Profis kann Schaaf planen – höchstens 18. Denn der Einsatz von Bamba Anderson ist noch völlig ungewiss. Die gute Nachricht bezüglich des brasilianischen Innenverteidigers lautet: Seine Schmerzen im Knie sind abgeklungen, es besteht keine schwerere Verletzung, sondern nur eine Reizung. „Ob es für einen Einsatz reicht, kann ich aber nicht sagen“, so Schaaf. Optimistisch hingegen ist der Trainer bei Alex Meier, der wegen Oberschenkelbeschwerden im Pokalspiel gegen Borussia Mönchengladbach fehlte. Der Heilungsprozess läuft unverändert gut ab.

Ohne diese beiden Leistungsträger könnte man von einer Frankfurter Notelf sprechen, da auch Lanig ausfällt. Der defensive Mittelfeldspieler hat laut Schaaf etwas Schlechtes gegessen. Und für Johanes Flum kommt ein Einsatz nach seiner Zerrung noch zu früh. „Wir jammern nicht über die Situation, sie hilft uns jedoch auch nicht weiter. Man sollte die Verletzten aber bei der Bewertung unserer Leistungen berücksichtigen“, sagte Schaaf am Freitag.

Madlung in der Defensive kein Garant

Sollte wider Erwarten Meier nicht mitspielen können, rückte Kadlec in die Startelf, sonst nicht. Des Tschechen Treffer beim 1:2 im Pokal gegen Mönchengladbach hat dessen Situation nicht „grundlegend verändert“, wie es Schaaf formuliert. „Jedes Tor hilft“, sagt der Trainer einerseits, andererseits hält er dem Stürmer nach wie vor Anpassungs- und Abstimmungsschwierigkeiten vor. „Wir müssen uns mit ihm auseinandersetzen, wie er seine Aufgaben besser erfüllen kann. Er ist noch nicht so drin, wie wir uns das erhoffen und wie es sein sollte.“

Auch Alexander Madlung haben seine beiden Tore beim 4:5 gegen den VfB nicht entscheidend in der Hierarchie weitergebracht. Schaafs Einschätzung: „Dass Alexander Madlung bei Offensivstandards gute Qualitäten hat, ist auffällig. Aber er hat es in der Defensive auch nicht geschafft, dass wir absolute Sicherheit reinkriegen“, sagt der Eintracht-Trainer. In Hannover wird er unabhängig von Andersons Mitwirken in der Startformation stehen, aber nur weil Marco Russ wegen der vielen Verletzten im defensiven Mittelfeld unabkömmlich ist.

Hannover hat drei Niederlagen hinter sich

In Hannover kommt es zu einer Auseinandersetzung der Enttäuschten. Die Eintracht verlor die letzten beiden Ligaspiele, Hannovers Negativserie von drei Niederlagen wurde nur sehr glücklich durch ein 1:0 in Dortmund unterbrochen. Dazu scheiterten beide Mannschaften unter der Woche im Pokal, die Niedersachsen sogar gegen den Tabellenvorletzten der zweiten Liga, dem VfR Aalen. „Hannover ist sehr unzufrieden mit dem Pokalergebnis, da kommt insgesamt Unzufriedenheit auf“, sagt Schaaf und erwartet deshalb einen „hochkonzentrierten Gegner, der auf jeden Fall in der Lage ist, sehr guten Fußball zu spielen.“

Was die Eintracht ein wenig beruhigen kann, ist die Tatsache, dass die Sechsundneunziger bisher in dieser Saison kaum in der Lage sind, Tore zu schießen. Ganze sechs Treffer haben die Niedersachsen nach neun Bundesligabegegnungen zustande gebracht, nur der Hamburger SV weist mit drei Toren eine schlechtere Quote auf. In diesem Zusammenhang ist die Bilanz des im Sommer von der Eintracht nach Hannover gewechselten Mittelstürmers Joselu gar nicht so schlecht. Der Spanier hat es zum Stammspieler gebracht und erzielte je zwei Tore in der Bundesliga und im DFB-Pokal (siehe nebenstehenden Text).

Abwehrverhalten entscheide über Ergebnis in Hannover

Wenn die Eintracht allerdings so schlampig verteidigt wie in den vergangenen Spielen, könnten Joselu und seine Kollegen in Hannover ihre Torquote aufpolieren. Schaaf spricht es ganz deutlich an: „Wir müssen bei den Zweikämpfen nacharbeiten.“ Das Videostudium des Pokalspiels gegen Gladbach habe noch einmal vor Augen geführt: „Vor den Gegentoren hatten wir in den entscheidenden Situationen Überzahl. Aber wir standen nur passiv daneben. Es reicht nicht, hinzulaufen und die Hand zu geben, man muss auch Druck auf den Ballführenden ausüben“, erklärt Schaaf mit Nachdruck.

Das Abwehrverhalten werde auch in Hannover über das Ergebnis entscheiden, nicht die taktische Aufstellung. Seine Hoffnung: „Wir haben das in einigen Spielen schon wesentlich besser hinbekommen als zuletzt.“ Die Zweikampfschule sei indes kein absoluter Trainingsschwerpunkt in den letzten Tagen gewesen. „Wir können uns nicht auf ein Thema konzentrieren, weil ja alles andere funktionieren würde. Wir haben mehrere Baustellen.“

Er habe seine Mannschaft aber nicht nur kritisiert, sondern auch positive Dinge aufgezeigt, um bei den Spielern keine Verzagtheit oder übergroße Vorsicht aufkommen zu lassen: „Mir ist lieber, wir machen Fehler, weil wir aktiv sind. Grausam ist: Ich bin passiv, guck zu und mach trotzdem Fehler. Denn dann werde ich nichts daraus lernen.“ Das ist die eine Hoffnung, die der Eintracht im Moment bleibt: die Lernfähigkeit ihrer Profis. Die andere lautet, dass die Verletzungspechserie abreißt.

Quelle: F.A.Z.
Peter Heß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Heß
Sportredakteur.
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