Eintracht-Spieler Sow

Aufbaugegner Deutschland

Von Peter Heß
Aktualisiert am 08.09.2020
 - 12:16
Ein Schweizer Macher: Sow setzt sich gegen Gosens gut in Szene.
Djibril Sow muss sich steigern, wenn er bei der Eintracht Frankfurt vorankommen will. Im Nationaltrikot ist es ihm schon mal gelungen.

Dieses Spiel hat Djibril Sow gut- getan. Endlich gelang es dem Schweizer Mittelfeldspieler, etwas für sein angeknackstes Selbstbewusstsein zu tun. Bei der Frankfurter Eintracht ist es dem Schweizer Mittelfeldspieler im Laufe der vergangenen Saison abhandengekommen, und er hat es auch nicht in der Vorbereitung wiedergefunden, wie sein Auftritt im Testspiel gegen Eindhoven zeigte.

Gegen Ajax Amsterdam, als die Kandidaten für die Stammelf sich einspielen sollten, ließ ihn Trainer Adi Hütter nur noch zehn Minuten lang ran. Ihn, seinen einstigen Lieblingsschüler, den er für neun Millionen Euro von Young Boys Bern holen ließ und monate- lang mit Startelfeinsätzen unterstützte, obwohl er in der Bundesliga nicht richtig Fuß fasste.

Am Sonntagabend aber in Basel hielt Sow sehr gut mit – gegen keine geringeren als die deutsche Nationalmannschaft. Der 24-Jährige ackerte vornehmlich als defensiver Mittelfeldspieler vor der Abwehr. Da hatte er es vor allem mit Toni Kroos, Timo Werner und Julian Draxler zu tun – und er zog sich meistens sehr gut aus der Affäre, wenn er sich den Stars in den Weg stellte.

Laufstark, zweikampfstark, mannschaftsdienlich

Sogar in der Offensive hatte Sow zwei gute Szenen. In der einen ermöglichte er mit einer Volley-Hereingabe dem früheren Eintracht-Stürmer Haris Seferovic die Chance zum Führungstreffer, aber Seferovic weckte bei seinem verunglückten Versuch nur Erinnerungen an Frankfurter Zeiten.

Was war anders, was machte Sow anders als bei der Eintracht? Eigentlich nichts! Er spielte wie immer – laufstark, zweikampfstark, mannschaftsdienlich. Er wirkte nur besser aufgehoben in der Mannschaft. In dem Sinne, dass er mit Granit Xhaka einen Nebenmann hatte, der klar den Ton angab und die Richtung vorgab. Und die war erst mal tendenziell defensiv. Sow geriet kaum einmal in Bedrängnis, weil einige seiner Eidgenossen ihm immer den Rücken freihielten. Er wirkte – in viel stärkerem Maße als in Frankfurt – so, als wisse er, wo er hingehöre und was er zu tun habe. Aus dieser Sicherheit heraus unterliefen ihm deutlich weniger Fehler.

Außerdem tat ihm gut, dass es von ihm nicht verlangt war, in der Offensive Akzente zu setzen, dafür sind in der Schweiz andere zuständig. In Frankfurt aber herrscht ein Vakuum, wenn nicht Kamada einen seiner herausragenden Tage hat, und Sow gehört zu den Spielern, die dieses Vakuum füllen sollen. Vielleicht steht Sow bei der Eintracht vor einer glücklichen Zukunft, wenn eingesehen wird, dass man ihn mit der Doppelrolle überfordert und das spielen lässt, was er kann. Wie im Schweizer Nationaldress.

Quelle: F.A.Z.
Peter Heß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Heß
Sportredakteur.
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