Fußballfrauen der Eintracht

Von der Breite in die Spitze

Von Kim Maurus
25.08.2021
, 20:14
Auf dem Vormarsch: Letícia Santos de Oliveira (links) hat mit der Eintracht viel vor.
Die Eintracht-Spielerinnen haben vor dem ersten Spiel in der Bundesliga am Sonntag große Ziele für die kommende Saison. Doch Trainer und Führungsriege mahnen zur Geduld.
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Wem alle Möglichkeiten geboten werden, der will daraus etwas machen. Der fühlt sich bestärkt, besser zu werden und seine Leistung abzurufen, wenn es ernst wird. Wie die Eintracht-Frauen, die sich in den vergangenen Wochen auf dem Gelände der Männer vorbereiten durften und die sich in ihrem ersten Saisonspiel am kommenden Sonntag (13.00 Uhr bei MagentaTV) gegen den SC Sand nun behaupten wollen. Am Dienstag sagte Merle Frohms über die Vorbereitung, gutes Training und eingefahrene Testspielsiege seien gut und schön, aber wenn man das „dann nicht in der Saison umsetzen kann, dann war das auch für die Katz“. Natürlich träume jeder davon, Platz drei zu erreichen. Ihre Mannschaftskollegin Laura Freigang sagte: „Noch ein Pokalfinale wäre natürlich auch schön.“

Die Vereinsverantwortlichen schlugen am Mittwoch gemäßigte Töne an. „Es ist nicht so, dass wir sagen, es gibt einen Pflichttabellenplatz oder ein Minimum, das erreicht werden muss“, sagte Axel Hellmann, Vorstandssprecher der Eintracht. „Das kennen wir auch von den Männern, da gibt es überhaupt keine Unterscheidung.“ Das Wichtigste sei, dass der Fußball „authentisch, passend und leidenschaftlich“ sei. Seine Erwartung sei, dass die Mannschaft in diesem Stil spiele.

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Sportdirektor Siegfried Dietrich sagte, „der Traum von der Champions League darf da sein, der sollte auch da sein“, man sei jedoch gut beraten, „unseren Elan nicht durch zu viel Druck auf einen falschen Weg zu bringen“. Man wolle sich Schritt für Schritt weiterentwickeln, so wie bisher. Man habe Talente gefördert, die stark spielten. Das sei die eigentliche Stärke der Mannschaft. Cheftrainer Niko Arnautis sagte, Träume wie den um Platz drei wolle man „in aller Ruhe und mit Geduld“ weiterentwickeln. Gut in die Saison zu kommen sei jedoch „kein Selbstläufer“.

Kapitänin Tanja Pawollek fehlt

In der neuen Saison hat Arnautis mit der Abwehrspielerin Siri Worm und Torhüterin Hannah Johann insbesondere die Defensive verstärkt. Die niederländische Nationalspielerin Worm bringe viel Erfahrung mit und könne „den jungen Mädels auf und neben dem Platz helfen“, sagte der Trainer. Torhüterin Hannah Johann, die zuvor beim Zweitliga-Verein Würzburger Kickers spielte, werde „peu à peu an das Niveau herangeführt“. Ebenfalls verpflichtet hat der Verein Nicole Anyomi, die zuvor bei der SGS Essen unter Vertrag stand.

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Wegen Knieproblemen hat die Krefelderin allerdings nur ein Testspiel absolviert und ist noch nicht fit. Das Team muss auch weiter auf Kapitänin Tanja Pawollek verzichten, die wegen Knieproblemen bis auf Weiteres ausfällt. Auch Lea Schneider und Géraldine Reuteler sind weiter verletzt. Arnautis rechnet damit, dass die drei Spielerinnen erst zur Rückrunde wieder spielen können. Mittelfeldspielerin Laura Feiersinger bleibt Vizekapitänin, den zweiten Vizeposten, den Laura Stiben frei gemacht hat, übernimmt Laura Freigang. „Laura verkörpert einfach Frankfurt“, sagte Arnautis über die Stürmerin.

Direkte Konkurrenten für die Mannschaft sieht der Trainer etwa im 1. FC Köln, das sei „ein sehr ambitionierter Klub“. Ohne sie namentlich zu nennen, sagte Arnautis über die Ligastärksten FC Bayern München und den VfL Wolfsburg, die beiden Mannschaften seien „mit Sicherheit weiter weg“, das heiße aber nicht, dass „man sie nicht schlagen kann“. Im zurückliegenden Pokalfinale, das die Eintracht trotz guter Leistung gegen Wolfsburg 0:1 verloren hatte, sei man sehr nah dran gewesen.

Zunächst richtet sich der Fokus aber auf die kommenden Tage. Das Spiel gegen den SC Sand wird im Stadion am Brentanobad ausgetragen. 1046 Zuschauer sind erlaubt, darüber freuen sich auch die Vereinsverantwortlichen. Dass die Eintracht-Frauen künftig nicht nur regelmäßig auf dem Profigelände trainieren, sondern auch spielen dürfen, sieht Hellmann nicht zwangsläufig. „Natürlich wird auch das eine oder andere Spiel hier stattfinden“, sagte er. Aber: „Die Infrastruktur bleibt ein großes Thema.“ Um den Frauenfußball weiter zu stärken, müsse man dauerhaft eine professionelle Infrastruktur an der Heimspielstätte am Brentanobad entwickeln. Das dort umzusetzen werde auch eine gemeinsame Aufgabe mit der Stadt sein.

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Hellmann sieht grundsätzlich eine große Chance für die Zukunft des Frauenfußballs bei der Eintracht. „Wir wollen von der Breite in die Spitze.“ Wirtschaftlich sei man noch nicht in der Lage, auf internationaler Ebene mitzuhalten. Man sei zwar über die Pionierphase längst hinaus, aber für „ein in der Öffentlichkeit wahrgenommenes und sich refinanzierendes Spitzenprodukt“ müsse man noch einige Meter gehen. Siegfried Dietrich sagte, auch die Gesichter der Mannschaft müssten bekannter werden. Mit dem 1. FFC Frankfurt habe er bereits eine sehr erfolgreiche Phase gehabt. An Spielerinnen wie Birgit Prinz erinnerten sich die Leute auch heute. „Da kommen wir auch wieder hin, mit dem Adler auf der Brust.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Maurus, Kim
Kim Maurus
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