Eintracht-Kommentar

Frankfurter Realität: Zähne zeigen

EIN KOMMENTAR Von Peter Heß
27.11.2017
, 11:51
Der Frankfurter David Abraham (li.) und Leverkusens Stefan Kießling schenken sich im Luftduell nichts.
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Das 0:1 gegen Leverkusen zeigt: Für Europa benötigt Eintracht Frankfurt noch zwei erfolgreiche Jahre auf dem Transfermarkt. Zwei Spieler brauchen dringend eine Besinnungspause.
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Eintracht-Trainer Niko Kovac hat mit seiner Einschätzung recht behalten. „Nur weil wir in der Tabelle vor Leverkusen stehen, heißt das nicht, dass wir die bessere Mannschaft sind. Das sehe ich ganz und gar nicht so“, sagte er am Freitag zur Einstimmung auf die Auseinandersetzung mit der Werkself. Am Samstag zeigte sein Team bei der 0:1-Niederlage dann ziemlich genau, was sie schon kann und was ihr noch fehlt, um ernsthaft um eine Teilnahme am internationalen Geschäft mitspielen zu können. Spielerisch lag eine Klasse zwischen den Frankfurtern und den Leverkusenern.

Diesen Qualitätsunterschied hat Bayer auch teuer bezahlt. Der geschätzte Marktwert des Leverkusener Kaders ist fast dreimal so hoch wie der des Frankfurters, der Wert der Startelf betrug mehr als das Dreifache. Der Eintracht gelang es, diesen Nachteil über zwei Drittel der Spielzeit zu kompensieren. In den ersten und den letzten 20 Minuten der Begegnung ließ sie nicht viel zu, ohne freilich selbst zu Torchancen zu kommen, 20 Minuten lang drängte sie den besseren Gegner in den Strafraum zurück und bedrohte dessen Tor. Es war schon bewundernswert, mit welchem Willen sich Kovacs Kampfgemeinschaft in diese Begegnung zurückbiss, obwohl sie in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit von einem Gegner, den sie nicht zu fassen bekam, fast schon vorgeführt worden war.

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Diese Mentalität garantiert umkämpfte, spannende, enge Bundesligaspiele, aber sie garantiert nicht den Erfolg und auch kein fußballerisches Vergnügen. Die Basis für die 19 Punkte aus 13 Partien liegt in der taktischen Disziplin, die Kovac all seinen Profis eingeimpft hat, und an der Achse Hradecky, Abraham, Hasebe, Boateng und Haller. Willems, Gacinovic und Rebic können an guten Tagen noch ein Extra zum Gemeinschaftswerk beitragen, der Rest verrichtet Zulieferdienste.

Im Moment mag man sich gar nicht vorstellen, wie es um den Spielaufbau der Eintracht stehen würde, wenn Boateng ausfiele. Aus der Steppe würde ganz schnell eine Wüste. Schon Hasebes Wackelknie bringt das Frankfurter Gebilde ins Vibrieren. Muss der Japaner geschont werden, fehlt er als ballsicherer Sechser mit Überblick oder als Libero. Mit Hasebe als Mittelmann der Dreierkette wäre Abraham wieder als Manndecker frei, und einer der beiden Verteidiger könnte eine dringend benötigte Besinnungspause nehmen. Salcedo, vor allem aber Falette kosten ihre Kollegen viel Kraft und Nerven, um ihre ständigen Ballverluste im Spielaufbau aufzufangen.

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Die Eintracht benötigt noch zwei erfolgreiche Jahre auf dem Transfermarkt, um nicht nur vom Europapokal zu träumen, sondern sich aussichtsreich um einen Platz zu bewerben. So lange muss sie sich der Realität stellen: den Gegnern 90 Minuten plus Nachspielzeit die Zähne zeigen und hoffen, dass beim Abpfiff auch noch ein Lächeln hinzukommt.

Quelle: F.A.Z.
Peter Heß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Heß
Sportredakteur.
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