Frankfurter Fehlstart

Sieglose Eintracht

EIN KOMMENTAR Von Marc Heinrich
19.09.2021
, 16:53
Oliver Glasner (links) und Markus Krösche haben sich in den ersten Wochen vom Qualitätsniveau der Mannschaft blenden lassen.
Weder national noch international kann die Eintracht bislang gewinnen. Die Sieglos-Serie in Bundesliga und Europa League birgt eine Gefahr mit schwer absehbaren Folgen.
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Wieder nichts! Ein halbes Dutzend vergeblicher Anläufe hat die Eintracht nun genommen, um den ersten Sieg in dieser Spielzeit einzufahren. Auch gegen Fenerbahce verfehlte sie ihr Ziel. Wer hätte das gedacht? Das Auftaktprogramm schien wie geschaffen, den Aufbruch in eine vielversprechende Zusammenarbeit zu ermöglichen. Bislang laufen sie den hohen Ansprüchen hinterher. Die Frankfurter kamen mehr schlecht als recht aus den Startlöchern.

Bundesliga

Dafür sind Oliver Glasner und Markus Krösche verantwortlich. Coach und Sportvorstand haben sich in den ersten Wochen, in denen vieles für sie als Debütanten in Frankfurt ungewohnt war und die Menge an neuen Eindrücken wohl auch ein bisschen zu viel wurde, vom Qualitätsniveau der Mannschaft blenden lassen. 13 Zugänge haben sie an Bord genommen – als Führungskraft hat sich bislang einzig der spät engagierte Kristijan Jakic entpuppt. So gut, wie es manches Testspielergebnis suggerierte, ist der aufgeblähte Kader nicht.

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Schar der Enttäuschten

Im Frühjahr war abzusehen, dass Goalgetter André Silva nicht zu halten sein würde. Passend gehandelt wurde lange nicht, eine adäquate Besetzung der Neuner-Stelle blieb bis kurz vor Transferschluss offen. Nun muss sich Sam Lammers im Eiltempo akklimatisieren. Dass er über Abschlussqualität verfügt, deutete er bei der Europa-League-Ouvertüre an. Darüber hinaus hilft die Idee, Silvas Abgang durch junge, technisch versierte Ballkünstler wie Jesper Lindström oder Jens Petter Hauge zu kompensieren, fürs Erste nicht weiter.

Der Plan offenbart im Alltag durch die fehlende Erfahrung der Novizen Tücken; sie besitzen gegenwärtig nicht die nötige Wettkampfhärte. Das Duo verblüfft im Training mit zirzensisch anmutenden Jonglage-Nummern, doch an Augsburger, Stuttgarter oder Istanbuler Verteidigern, die nicht zur internationalen Elite der Abwehrabräumer zählen, kamen die Youngster selten vorbei.

Dass sie Filip Kostic klargemacht haben, dass er ein weiteres Jahr Verpflichtungen zu erfüllen hat, gehört bislang zu den überzeugendsten Leistungen der Bosse. Wie wichtig der Serbe ist, demonstrierte er beim 1:1 gegen Istanbul. Das Remis, so klang es bei der Schar der enttäuschten Eintrachtler trotzig an, habe Rückenwind gebracht. Sie werden ihn gebrauchen können. Der nächste Gegner heißt an diesem Sonntag Wolfsburg (19.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei DAZN) und steht nicht im Verdacht, so nachlässig mit Chancen umzugehen wie die Türken am Donnerstag. Ein Saison-Fehlstart mit schwer abzusehenden Folgen ist und bleibt für die Gruppe um Glasner eine reale Gefahr.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Heinrich, Marc
Marc Heinrich
Sportredakteur.
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