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Bundesliga-Rückrunde

Wie die Eintracht wieder nach oben kommen will

Von Peter Heß
Aktualisiert am 16.01.2020
 - 13:54
Spielt Makoto Hasebe gegen Hoffenheim – und wenn ja: auf welcher Position?
Die Frankfurter grübeln, wie sie die sportliche Krise in der Rückrunde hinter sich lassen können. Viel spricht dafür, dass das Spielsystem geändert wird. Wichtiger für den Erfolg wird aber etwas anderes sein.

Am Samstag sind sie endlich gekommen, die anderthalb Stunden der Wahrheit. Um 15.30 Uhr (F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) endet in Sinsheim die Vorbereitung auf die Rückrunde für die Frankfurter Eintracht und damit ist nicht mehr das Reden Gold, sondern das Handeln. Dann müssen gegen die TSG Hoffenheim die Absichtserklärungen der vergangenen Wochen eingelöst werden, die teilweise ziemlich drastisch formuliert wurden. Trainer Adi Hütter sprach von „Bremse reinhauen“, von „stopp, das geht so nicht“, von einem „echten Break“, als er bei verschiedenen Gelegenheiten darauf angesprochen wurde, was die Winterpause bewirken soll, damit der Abwärtstrend nicht ganz in den Tabellenkeller führt.

Die Eintracht ein Abstiegskandidat? Nicht nur Bundestrainer Joachim Löw verweist diese Vorstellung ins Land Utopia, weil die Substanz des Frankfurter Kaders so groß ist. Aber manchmal ist die Realität grausamer als der schlimmste Albtraum. Was spricht dafür, dass die Eintracht die Negativserie überwindet und wieder auf die Beine kommt? Als allererstes die Personalsituation. Torhüter Kevin Trapp kehrt auf das Spielfeld zurück und hat schon während der Vorbereitung seinen Wert als Motivator und Vorbild demonstriert. Der Nationaltorhüter hinterließ zudem nach seiner langen Verletzungspause in den Übungen einen hervorragenden Eindruck. Auch David Abraham wird die Abwehr stabilisieren, nachdem er seine Rotsperre wegen des Checks gegen den Freiburger Trainer Christian Streich abgesessen hat. An diesen beiden Führungsspielern können sich nun alle aufrichten, die wieder an sich und ihrem Team zu zweifeln beginnen, wenn Spiele schlecht laufen, wie es gegen Ende der Hinrunde häufig der Fall war.

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Außerdem haben sich in der Vorbereitung drei Profis wieder die körperlichen Voraussetzungen erarbeitet, Besonderes für die Mannschaft leisten zu können, wozu sie zuletzt nicht fähig gewesen waren. Sebastian Rode, Makoto Hasebe und Bas Dost befinden sich offensichtlich in der Form, die sie befähigt, Leistungsträger zu sein. Wobei gar nicht sicher ist, ob Hasebe einen Platz in der Startformation finden wird. Alles spricht dafür, dass Hütter die Abwehr von einer Dreier- auf eine Viererkette umstellt, und in der gibt es nicht die Position des Liberos, die der Japaner so trefflich auszufüllen versteht. Und ob er mit fast 36 Jahren noch dynamisch genug ist, auf der Sechs im defensiven Mittelfeld seinen Mann zu stehen, muss Hasebe noch zeigen. Mit 34 Jahren war er es jedenfalls noch.

Der Japaner würde mit seiner Übersicht und seiner Fähigkeit, Steilpässe zu spielen, jedenfalls gut ins Frankfurter Spiel passen, das seit längerem an einer gewissen Einfallslosigkeit krankt. Vor allem, wenn Rode pausiert und Sow häufiger den Taktstock führen muss, den er jedoch eher wie ein Essstäbchen behandelt.

Der Schweizer, der die besten Laufwerte aller Frankfurter Profis aufweisen kann, steht bei Trainer Hütter allerdings hoch im Kurs. Dass Sow, den eine gemeinsame Vergangenheit bei Young Boys Bern mit Hütter verbindet, in der Startformation für Hoffenheim steht, ist ziemlich sicher. Er könnte jedoch auch ins offensive Mittelfeld vorrücken, da Kamada noch verletzt fehlt. Womit ein Platz für Hasebe frei wäre, da die Alternativ-Sechs Kohr in Florida keine Fortschritte machte und Fernandes und Torro erst in einigen Wochen wieder fit sein werden.

Rode, Hasebe, Sow – dieses Dreigestirn wäre die defensivste Variante des zentralen Mittelfeldes. Vor Rode und Sow könnten jedoch auch die offensiveren Mijat Gacinovic oder André Silva spielen. Der hoch veranlagte Portugiese Silva präsentierte sich jedoch in der Vorbereitung mit dem gleichen Durchsetzungsvermögen und der gleichen Entschlossenheit, die bei seinen letzten Bundesligaeinsätzen Anlass zu leiser Kritik bildeten. Die spielerischen Mittel, eine gegnerische Abwehr auszuhebeln, besitzt der Portugiese allerdings.

Das gilt auch für Gacinovic, nur neigt der Serbe dazu, in den entscheidenden Momenten falsche Entscheidungen zu treffen und sich zu verheddern. Er wäre vielleicht an der rechten Seitenlinie besser aufgehoben, wo ansonsten Danny da Costa für stürmische Augenblicke sorgen müsste.

Ein Wechsel von der Dreier- auf die Viererkette brächte es mit sich, dass die Außenpositionen doppelt besetzt würden und damit Kostic (links) und da Costa (rechts) nicht länger für Defensive und Offensive gleichzeitig zuständig wären. Kostic hätte Ndicka im Rücken und wäre von den langen Rückwegen weitgehend befreit, könnte Kräfte für seine Dribblings sparen. Da Costa ist jedoch kein Dribbler. Er kann seine offensiven Qualitäten nicht aus dem Stand entfalten, sondern nur mit Anlauf, wenn er in Lücken stoßen kann. Ihm käme der Systemwechsel eher ungelegen, wäre dann besser als rechter Außenverteidiger hinter einem offensiven Mittelfeldspieler aufgehoben.

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Der Wechsel der Abwehrkette würde die Statik im Frankfurter Spiel verändern und einzelnen Spielern neues Gewicht verleihen. Grundsätzlich würde die Ausrichtung mit vier Verteidigern und zwei Sechsern defensiver, der Mannschaft würde es leichter fallen, wie von Hütter gefordert kompakt zu stehen, weil dazu nicht mehr so ein immenser läuferischer Aufwand betrieben werden müsste. Dafür würde aber der ganz offensive Mittelfeldspieler oder die zweite Spitze wegfallen.

Die neue Grundordnung, so sie denn kommt, wertet Linksverteidiger Ndicka auf, für den nun Platz in der Stammformation ist (zuvor von Hinteregger blockiert). Sie bedeutet Entlastung für Kostic und zunächst eine gewisse Unordnung auf der rechten Seite, bis sich aus den Individuen da Costa, Touré, Durm, Chandler und Gacinovic ein eingespieltes Duett herausgebildet hat. Und im Sturm wird sich zunächst eine Konzentration auf Zielspieler Dost ergeben.

Ob all diese Veränderungen zu einer schnellen Verbesserung der Eintracht-Lage führen? Wichtiger als die Aufstellung wird sein, dass die Frankfurter Profis wieder zur richtigen Einstellung finden. Wieder mit Überzeugung und Biss die Gegner pressen und wieder an sich und die Möglichkeit zu siegen glauben. Korrekturen im System können nur eine kleine Hilfestellung sein. Eines jedenfalls ist sicher: Bei der Eintracht sind sie sich des Ernstes der Lage bewusst. Trainer Hütter gibt stellvertretend für alle die Losung aus: „Wir müssen liefern.“

Quelle: F.A.Z.
Peter Heß - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Heß
Sportredakteur.
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